Wahre Größe
Shownotes
Was ist der größte Erfolg eines Trainers? Wenn aus Schülern selbstständige Kollegen werden – und man voller Stolz sagen darf: Ich habe vielleicht den Grundstein gelegt, aber was Du daraus gemacht hast, ist Deine Leistung.
In dieser Folge spreche ich darüber, warum gute Trainer keine Angst davor haben sollten, dass ihre Teilnehmer eigene Wege gehen, sie fachlich überholen oder in manchen Bereichen sogar besser werden. Es geht um Führung ohne Abhängigkeit, fachlich begründete Eigenständigkeit und den Moment, in dem aus einem Schüler ein Kollege auf Augenhöhe wird.
Denn Wissen wird nicht kleiner, wenn wir es weitergeben. Es wächst – und erreicht durch gut ausgebildete Trainer viele weitere Menschen und Hunde.
Themen dieser Folge: Entwicklung statt Konkurrenz den Unterschied zwischen Eigenständigkeit und bloßer Abgrenzung Führung, ohne Menschen dauerhaft abhängig zu machen den Übergang vom Schüler zum Kollegen den Stolz auf die eigenen „Schützlinge“ Wissen, das weitergegeben wird und weiterwächst
Wahre Größe zeigt sich nicht darin, immer der Beste zu bleiben – sondern darin, andere besser werden zu lassen.
Mehr Informationen: Karina Kalks Sachverständige für Hunde | Autorin | Mantrail Academy Austria
Buch: „Dem Geruch auf der Spur – Geruchssinn verstehen bei Hund und Mensch“
Die Frage dieser Folge: Kannst Du Dich ehrlich darüber freuen, wenn Deine Schüler irgendwann besser werden als Du?
Transkript anzeigen
00:00:02: Die Antwort auf alles ist Geruch.
00:00:09: Ein Podcast über Geruch, Hunde und die Fragen dahinter mit Karina Kalks.
00:00:22: Waregröße zeigt sich nicht darin immer der Beste zu bleiben sondern darin andere besser werden zu lassen.
00:00:33: Letzens habe ich darüber gesprochen woran man einen guten Trainer erkennt Das Qualität für mich nicht bedeutet auf jede Frage sofort eine Antwort zu haben oder sich als unfehlbar darzustellen.
00:00:47: Und dass Erfahrung erst dann wirklich wertvoll wird, wenn sie mit einem fundierten Wissen selbst Reflexion und der Bereitschaft verbunden ist – sich immer weiterzuentwickeln!
00:01:01: Der heutige Mythos den ich bereits in meinem WhatsApp-Kanal aufgegriffen habe schließt unmittelbar daran an.
00:01:08: Denn wenn wir darüber sprechen, was einen guten Trainer ausmacht, sollten wir auch darüber sprechen – was das eigentliche Ziel eines Trainers sein sollte!
00:01:19: Der Mythos lautet «Ein guter Trainer muss immer der Beste bleiben».
00:01:25: Ein Satz den wahrscheinlich kaum jemand laut aussprechen würde.
00:01:30: und trotzdem begegnet mir dieser Gedanke immer wieder Nicht unbedingt in Worten, aber manchmal sehr deutlich im Verhalten.
00:01:41: Was passiert wenn ein Teilnehmer beginnt eigene Wege zu gehen?
00:01:46: Wenn er andere Seminare besucht Bücher liest wissenschaftliche Veröffentlichungen verfolgt Erfahrungen sammelt und irgendwann vielleicht in manchen Bereichen sogar mehr weiß oder etwas besser kann als derjenige bei dem er ursprünglich gelernt hat?
00:02:03: wird seine Entwicklung dann als Erfolg wahrgenommen oder plötzlich als Konkurrenz?
00:02:10: Genau darüber möchte ich heute sprechen.
00:02:26: Ich glaube nicht, dass viele Trainer von sich sagen würden – meine Teilnehmer dürfen niemals besser werden als ich!
00:02:34: Die meisten würden wahrscheinlich sofort betonen wie sehr sie sich über die Entwicklung ihrer Schüler freuen und trotzdem entsteht manchmal der Eindruck dass ein Trainer immer derjenige bleiben müsse, der einen Schritt voraus ist.
00:02:49: Der mehr weiß – mehr kann und jede Situation besser beurteilt.
00:02:55: Solange er ein Teilnehmer zuhört, übernimmt und folgt, ist alles in Ordnung.
00:03:00: Schwieriger wird es mit Unterwender beginnt Fragen zu stellen andere Meinungen kennenzulernen oder Entscheidungen des Trainers zur Hinterfragen.
00:03:11: Dann wird aus Interesse plötzlich eine Loyalitätsfrage.
00:03:16: Der Besuch eines anderen Seminars wird kritisch gesehen, andere Trainer werden abgewertet, eine fachliche Nachfrage wird wie ein persönlicher Angriff behandelt und ein Mensch der eigentlich nur seinen Horizont erweitern möchte hat beinahe das Gefühl sich dafür rechtfertigen zu müssen.
00:03:38: Ich finde das Ausgesprochen schade Denn Wissen gehört niemanden.
00:03:43: Niemand besitzt die Wahrheit und kein Trainer kann auf jeden Gebiet der Beste sein!
00:03:49: Gerade im Man-Trailing entwickelt sich unser Wissen ständig weiter, wissenschaftliche Erkenntnisse kommen hinzu, neue Erfahrungen verändern unseren Blick auf bekannte Zusammenhänge.
00:04:01: Manchmal müssen wir Dinge von denen wir viele Jahre überzeugt werden neu bewerten.
00:04:08: Das ist kein Zeichen von Schwäche.
00:04:10: Es ist genau das, was fachliche Entwicklung ausmacht.
00:04:15: Ein Trainer sollte deshalb keine Angst davor haben dass seine Teilnehmer wachsen.
00:04:21: Er sollte sich viel mehr Gedanken machen wenn sie es nicht tun.
00:04:37: In den vergangenen mehr als zwanzig Jahren durfte ich viele Menschen auf ihrem Weg begleiten manche nur für eine gewisse Zeit andere über viele Jahre.
00:04:48: Einige von ihnen sind heute selbsterfolgreiche Trainer, bilden Hunde und Menschen aus, entwickeln eigene Schwerpunkte und treffen ihre eigenen fachlichen Entscheidungen.
00:04:59: Und wenn ich sehe was aus ihnen geworden ist bin ich stolz!
00:05:04: Ich glaube sogar dass es kaum etwas schöneres gibt als auf seine ehemaligen Teilnehmer oder Schützlinge schauen und sagen zu dürfen du bist richtig gut geworden.
00:05:18: Vielleicht bist du in bestimmten Bereichen heute sogar besser als ich.
00:05:23: Vielleicht hast Du Fähigkeiten entwickelt, die Ich in dieser Form nicht besitze.
00:05:28: Vielleicht findest Du Lösungen auf die ich selbst nicht gekommen wäre.
00:05:32: Vielleicht hasst Du Dich auf einem Gebiet weiter spezialisiert und verfügst dort inzwischen über mehr Wissen und Erfahrung als ich.
00:05:40: Warum sollte mich das kleiner machen?
00:05:43: Ganz im Gegenteil!
00:05:45: Wenn ich vielleicht einen Grundstein für diese Entwicklung legen durfte, wenn ich einem Menschen ein Stück seines Weges begleitet seine Neugier geweckt und geholfen habe Zusammenhänge zu verstehen dann ist seine spätere Kompetenz doch auch etwas worüber ich mich freuen darf.
00:06:05: Nicht weil seiner Volk mir gehört das tut er nicht!
00:06:10: Die Arbeit die Entwicklung und die Leistung gehören diesem Menschen selbst.
00:06:16: Er hat gelernt Erfahrungen gesammelt, Fehler gemacht weitergedacht und sich seinen heutigen Stand erarbeitet.
00:06:24: Aber vielleicht durfte ich am Anfang etwas mitgeben auf dem er später aufbauen konnte – und das ist für mich das Beste was einem Trainer passieren kann!
00:06:37: Nicht dass jemand ein Leben lang zu einem aufschaut sondern dass man irgendwann selbst mit Stolz auf diesen Menschen schauen darf.
00:06:59: Menschen selbstständig zu machen, bedeutet allerdings nicht sie von Anfang an sich selbst zu überlassen.
00:07:06: gerade zu Beginn einer Ausbildung braucht es Orientierung.
00:07:10: Es braucht klare Grundlagen ehrliche Rückmeldungen und manchmal auch deutliche Korrekturen.
00:07:16: Ein Trainer trägt Verantwortung.
00:07:19: Er muss Fehler ansprechen Grenzen erklären und Wissen so vermitteln dass daraus eine tragfähige fachliche Basis entstehen kann.
00:07:28: Die entscheidende Frage ist aber, wozu diese Führung dient?
00:07:34: Soll der Teilnehmer dauerhaft abhängig davon bleiben das der Trainer jede seiner Entscheidungen bestätigt oder soll er allmählich lernen selbst zu beobachten Zusammenhänge zu erkennen und begründete Entscheidungen zu treffen?
00:07:51: für mich ist das Ziel eindeutig.
00:07:53: Am Anfang braucht ein Mensch vielleicht noch häufiger eine Antwort.
00:07:58: Später sollte er zunehmend verstehen, wie er selbst zu einer Antwort gelangen kann!
00:08:05: Er sollte einen Hund beobachten und nicht nur darauf warten, dass der Trainer ihm erklärt was er gerade sieht.
00:08:13: Er sollte eine Trainingsituation analysieren und nicht lediglich eine vertraute Methode anwenden.
00:08:20: Er sollte Unsicherheit aushalten, verschiedene Möglichkeiten abwägen und seine Entscheidung fachlich begründen können.
00:08:29: Ein guter Trainer vermittelt daher nicht nur Wissen – er vermittlt auch die Fähigkeit mit dem eigenen Wissen weiterzuarbeiten!
00:08:37: Er macht sich langfristig nicht unentbehrlich.
00:08:42: Er macht den anderen selbstständig.
00:08:57: Dabei ist mir eine Unterscheidung wichtig.
00:09:00: Einen eigenen Weg zu gehen bedeutet nicht aus Prinzip alles anders zu machen.
00:09:06: Anders ist nicht automatisch besser und Eigenständigkeit bedeutet nicht, dass fachliche Grundlagen plötzlich keine Rolle mehr spielen.
00:09:16: auch eine eigene Entscheidung muss begründbar sein.
00:09:20: sie muss zum jeweiligen Hund und zum Team passen.
00:09:24: Sie sollte vorhandenes Wissen berücksichtigen und vor allem dem Wohl des Hundes gerecht werden.
00:09:31: Ein Teilnehmer, der jede Rückmeldung ablehnt und jede fachliche Grundlage mit dem Hinweis auf seinen eigenen Weg verwirft arbeitet nicht automatisch selbständig.
00:09:45: Möglicherweise grenzt er sich nur ab!
00:09:48: Wirkliche Eigenständigkeit zeigt sich für mich darin Wissen prüfen unterschiedliche Perspektiven einordnen und daraus verantwortungsvolle Entscheidungen ableiten zu können.
00:10:02: Genau dazu sollte eine gute Ausbildung befähigen!
00:10:07: Ich wünsche mir deshalb keine Menschen, die später alles genauso machen wie ich – aber ich wünsche mich auch keine Menschen ,die alles anders machen nur um sich von mir zu unterscheiden.
00:10:19: Ich wünschte mir Trainer, die wissen warum sie etwas tun die ihre Entscheidungen erklären können, die bereit sind sich korrigieren zu lassen wenn neue Erkenntnisse dagegen sprechen und die ihren eigenen Weg nicht aus Trotz oder Abgrenzung gehen sondern weil sie fachlich zu einer anderen Einschätzung gelangt sind.
00:10:55: Vielleicht liegt genau darin eine der größten Herausforderungen für einen Trainer anzuerkennen dass sich eine Beziehung verändert.
00:11:05: Am Anfang gibt es eine klare Rollenverteilung, einer vermittelt der andere lernt.
00:11:10: Einer verfügt über mehr Erfahrung, der andere braucht Orientierung.
00:11:16: aber eine gute Ausbildung sollte nicht darauf ausgerichtet sein diese Hierarchie für immer zu erhalten.
00:11:24: Irgendwann verändert sich etwas.
00:11:27: Der ehemalige Teilnehmer hat eigene Erfahrungen gesammelt.
00:11:31: er hat viele Hunde und Menschen begleitet Er hat sich weitergebildet, Fehler gemacht dazugelernt und vielleicht eigene Schwerpunkte entwickelt.
00:11:42: Und dann ist er nicht mehr nur Schüler – Dann wird er zum Kollegen!
00:11:47: Zu einem Menschen mit dem fachlicher Austausch auf Augenhöhe möglich ist Der widersprechen darf, der etwas anders beurteilen darf und der auf bestimmten Gebieten vielleicht mehr weiß als ein früherer Trainer.
00:12:03: Ich empfinde das nicht als Verlust.
00:12:05: Ich empfinde es als Entwicklung, denn auch Lernen funktioniert nicht nur in einer Richtung.
00:12:12: Heute lerne ich von Menschen die ursprünglich einmal zu mir gekommen sind um von mir zu lernen.
00:12:19: Sie bringen Erfahrungen Beobachtungen und Gedanken mit Die meinen eigenen Blick erweitern.
00:12:26: Genauso wächst Wissen Nicht indem eine Person für immer oben steht Und alle anderen darunter bleiben Sondern in dem Wissen weitergegeben, geprüft und ergänzt und weiterentwickelt wird.
00:12:42: Dass aus einem Schüler irgendwann ein Kollege wird ist deshalb keine Niederlage für den Trainer.
00:12:49: Es ist vielleicht der deutlichste Beweis dafür dass die Ausbildung gelungen ist.
00:13:07: Ich habe mich oft gefragt woran man den Erfolg eines Trainers eigentlich messen sollte An der Zahl seiner Teilnehmer an bestandenen Prüfungen an Urkunden, Titeln oder besonders beeindruckenden Ergebnissen?
00:13:24: Vielleicht zeigt sich die Qualität seiner Arbeit vor allem dann wenn er nicht mehr daneben steht.
00:13:31: Kann der Mensch selbst beobachten?
00:13:34: Kann er Zusammenhänge erkennen?
00:13:37: Kann eine Entscheidung enttreffen und begründen ohne ständig auf die Bestätigung seines Trainers angewiesen zu sein?
00:13:45: Kann es ein Wissen weiterentwickeln wenn sich wissenschaftliche Erkenntnisse verändern und kann er irgendwann selbst andere Menschen verantwortungsvoll begleiten.
00:13:56: Dann hat Ausbildung für mich ihr eigentliches Ziel erreicht.
00:14:02: Gute Ausbildung bedeutet nicht möglichst viele Menschen dauerhaft an sich zu binden, sie bedeutet ihnen eine Grundlage zu geben auf der Sie selbstständig weiterbauen können – nicht Abhängigkeit sondern Kompetenz!
00:14:18: Nicht Gefolgschaft, sondern Eigenständigkeit.
00:14:23: Nicht das Auswendiglernen von Antworten, sondern die Fähigkeit, die richtigen Fragen zu stellen – ein Trainer muss nicht für immer der Beste bleiben!
00:14:34: Vielleicht war er am Anfang derjenige, der den größten Erfahrungsschatz hatte… Der Zusammenhänge erklärt Fehler, Kant und Orientierung gegeben hat... Aber wenn der andere später wächst, neue Fähigkeiten entwickelt und vielleicht sogar über ihn hinausgeht nimmt ihm das nichts weg.
00:14:56: Es zeigt vielmehr dass das was er weitergegeben hat nicht stehen geblieben ist.
00:15:13: Wenn ich heute auf die vielen Jahre als Trainerin und Ausbildnerin zurückblicke gibt es etwas worauf ich besonders stolz bin Nicht auf Urkunden nicht auf die Zahl meiner Seminare oder Ausbildungen und auch nicht darauf, dass Menschen möglichst lange bei mir geblieben sind.
00:15:33: Ich bin stolz auf diejenigen, die ihren eigenen Weg gefunden haben – auf Menschen, die ich ein Stück begleiten durfte und die heute selbst hervorragende Arbeit leisten, auf diejenigen die Verantwortung übernehmen, eigene Erfahrungen sammeln und ihre eigene Handschrift entwickelt
00:15:52: haben.".
00:15:53: Auf diejenigen, die manche Dinge anders machen als ich und dafür gute Gründe haben.
00:16:00: Und ganz besonders auf die Menschen bei denen ich heute sagen darf vielleicht habe ich damals einen kleinen Grundstein gelegt aber was du daraus gemacht hast ist deine eigene Leistung!
00:16:14: Ich bin unglaublich stolz darauf was aus dir geworden ist.
00:16:21: Etwas Besseres kann einem Trainer kaum passieren.
00:16:25: Denn niemand sollte ein Leben lang im Schatten seines Trainers stehen, jeder sollte irgendwann seinen eigenen Platz finden und sein eigenes Licht entfalten dürfen.
00:16:36: Und ein guter Trainer sollte dieses Licht nicht als Konkurrenz empfinden.
00:16:42: Er sollte sich darüber freuen dass es leuchtet.
00:16:45: Vielleicht ist das die wahre Größe Menschen nicht klein genug zu halten, damit man selbst groß bleibt.
00:16:54: Sondern ihnen dabei zu helfen so gut zu werden wie sie werden können und wenn aus einem Schüler irgendwann ein Kollege wird vielleicht sogar einer von dem man selbst wieder lernen darf.
00:17:07: dann hat man als Trainer nicht an Bedeutung verloren Dann hat man etwas hinterlassen.
00:17:14: Ein guter Trainer misst seinen Erfolg nicht daran dass er unersetzlich bleibt sondern daran, dass er irgendwann voll stolz sagen kann.
00:17:24: Ich durfte dich ein Stück begleiten und heute brauchst du mich nicht
00:17:40: mehr.".
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