Keine Etiketten

Shownotes

Erfahrung hilft uns, Trainingsmethoden einzuordnen – sie kann aber auch unseren Blick verengen. Manchmal genügt bereits der Name einer Ausbildungsphilosophie, und wir glauben zu wissen, wie ein Hund arbeitet.

Themen dieser Folge: wie aus Erfahrung vorschnelle Urteile entstehen, worin sich fachliche Skepsis und Vorurteile unterscheiden, warum eine Trainingsphilosophie noch wenig über ein konkretes Team verrät, was Doppelblindarbeit sichtbar machen kann, weshalb ein gutes Ergebnis nicht automatisch die Qualität einer Methode beweist, und warum wir zuerst auf den Hund schauen sollten, bevor wir seinen Ausbildungsweg beurteilen.

Außerdem erzähle ich von einem Hund, der ausschließlich mithilfe eines Buches aufgebaut worden war – und der mich dazu gebracht hat, mein bereits gefälltes Urteil zu korrigieren.

Denn manchmal liegt Professionalität nicht darin, mit der eigenen Einschätzung recht zu behalten, sondern zu erkennen, wenn der Hund uns eines Besseren belehrt.

Mehr Informationen: Karina Kalks Sachverständige für Hunde | Autorin | Mantrail Academy Austria

Buch: „Dem Geruch auf der Spur – Geruchssinn verstehen bei Hund und Mensch“

Die Frage dieser Folge: Beurteilen wir wirklich den Hund – oder nur das Etikett seiner Ausbildung?

Transkript anzeigen

00:00:02: Die Antwort auf alles ist Geruch.

00:00:09: Ein Podcast über Geruch, Hunde und die Fragen dahinter mit Karina Kalks.

00:00:22: Erfahrung macht uns kompetenter aber sie macht uns nicht automatisch unvoreingenommen.

00:00:31: Wer lange als Trainer arbeitet entwickelt Überzeugungen.

00:00:35: Man erlebt, welche Wege Hunde selbstständiger machen, welche Vorgehensweisen ihnen helfen und welche Schwierigkeiten durch bestimmte Formen des Trainings entstehen können.

00:00:46: Aus diesen Erfahrungen bildet sich mit der Zeit eine eigene fachliche Haltung – das ist wichtig!

00:00:54: Der Erfahrung soll uns dabei helfen Situationen einzuordnen, mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen.

00:01:05: Doch dieselbe Erfahrung kann noch etwas anderes bewirken.

00:01:09: Sie kann dazu führen, dass wir einen Ausbildungsweg beurteilen bevor wir den Hund gesehen haben.

00:01:17: Manchmal genügt bereits der Name einer bestimmten Trainingsphilosophie und wir glauben zu wissen wie ein Team arbeitet welche Schwierigkeiten auftreten werden und was der Hund vermutlich leisten kann.

00:01:31: Der heutige Mythos, den ich bereits in meinem WhatsApp-Kanal aufgegriffen habe lautet deshalb – Trainer unterschiedlicher Philosophien begegnen einander oft mit Skepsis.

00:01:45: Und an der Ausbildungsphilosophie erkennt man bereits wie gut ein Hund arbeitet!

00:01:52: Wenn ich ehrlich bin muss ich sagen auch ich bin nicht frei von solchen vorschnellen Einschätzungen.

00:01:58: Nach mehr als zwanzig Jahren im Man-Trailing habe ich viele unterschiedliche Ausbildungswege kennengelernt.

00:02:05: Ich habe Seminare besucht mit Trainern verschiedenster Richtungen diskutiert, unzählige Teams begleitet und dabei Methoden gesehen die mich überzeugt haben und andere bei denen ich erheblicher Zweifel hatte.

00:02:28: durch die Art des Trainings immer abhängiger von den Reaktionen ihres Menschen wurden.

00:02:34: Ich habe ruhige konzentrierte Sucherbeiter lebt und ebenso Hunde, deren Erregung bereits vor dem Start so hoch war dass sie kaum noch Informationen aufnehmen konnten Und ich habe Methoden kennengelernt, die ich nicht nur fachlich sondern auch aus Gründen des Tierschutzes eindeutig ablehne.

00:02:58: Solche Erfahrungen hinterlassen Spuren.

00:03:01: Sie beeinflussen worauf wir achten, was wir erwarten und wie wir eine Trainingsmethode beurteilen – mit der Zeit entstehen daraus Überzeugungen!

00:03:12: Das ist zunächst weder überraschend noch grundsätzlich problematisch.

00:03:18: Schwierig wird es dort wo wir nicht mehr zwischen einer begründeten fachlichen Skepsis.

00:03:40: Manchmal genügt ein einziger Satz.

00:03:44: Wir arbeiten nach XY und noch bevor wir den Hund gesehen haben, beginnt in unserem Kopf bereits eine ganze Geschichte!

00:03:55: Wir glauben zu wissen wie dieses Team arbeitet?

00:03:59: Wir erwarten bestimmte Schwierigkeiten.

00:04:02: vielleicht rechnen wieder mit dass der Hund unselbständig ist sich häufig rückversichert hektisch arbeitet oder bestimmte Aufgaben nicht lösen kann.

00:04:13: Möglicherweise erwarten wir sogar schon, wie der Mensch reagieren wird – all das geschieht bevor der Hund auch nur einen Schritt gearbeitet hat!

00:04:24: Unser Gehirn versucht ständig neue Informationen mithilfe früherer Erfahrungen einzuordnen.

00:04:32: Solche gedanklichen Abkürzungen sind ausgesprochen nützlich.

00:04:36: Ohne sie müssten wir jede Situation vollständig neu bewerten, aber Sie haben einen entscheidenden Nachteil.

00:04:45: Sie können dafür sorgen dass wir nur noch das sehen was wir ohnehin erwartet haben.

00:04:51: Zeigt der Hund eine kleine Unsicherheit?

00:04:54: Passt sie sofort in unser Bild der vermeintlich falschen Ausbildung!

00:04:59: Trifft er dagegen eine sehr gute Entscheidung behandeln wir sie vielleicht als Ausnahme.

00:05:06: Wir gewichten dieselbe Beobachtung unterschiedlich, je nachdem was wir zuvor über den Ausbildungsweg erfahren haben.

00:05:14: Und wenn der Hund genau so arbeitet wie wir es erwartet haben fühlen wir uns bestätigt!

00:05:21: Dabei oversehen wir leicht dass ein einzelner Hund nicht für eine gesamte Ausbildungspfilosophie steht.

00:05:28: Wir wissen häufig nicht wie konsequent überhaupt nach dieser Philosophie gearbeitet wurde – wir wissen nicht welche Anpassungen vorgenommen wurden, welchen Einfluss frühere Trainer hatten und welche Erfahrungen dieses Team zusätzlich gesammelt hat.

00:05:45: Vor allem wissen wir noch nicht ob das was wir gerade beobachten tatsächlich durch die genannte Methode entstanden ist.

00:05:55: Das Etikett vermittelt uns das Gefühl bereits viel zu Wissen.

00:06:00: In Wahrheit wissen wir möglicherweise nur wie sich jemand selbst einordnet.

00:06:19: Das bedeutet nicht, dass alle Trainingswege gleich gut sind oder das wir jede Methode unkritisch akzeptieren sollten.

00:06:28: Es gibt fachliche Unterschiede – es gibt Konzepte die bestimmten Probleme wahrscheinlicher machen können!

00:06:34: Es gibt Vorgehensweisen, die dem Hund mehr Raum für eigene Entscheidungen geben und andere bei denen der Mensch sehr stark in seine Arbeit eingreift.

00:06:45: Und es gibt Grenzen an denen es nicht mehr um Geschmack, Tradition oder Philosophie geht.

00:06:53: Aversive Hilfsmittel haben für mich in der Sucharbeit keinen Platz – das ist keine Frage persönlicher Vorliebe!

00:07:01: Ein Hund, der unter Druck arbeitet oder Fehler vermeiden möchte befindet sich in einer anderen emotionalen Ausgangslage als ein Hund, Permanente menschliche Bestätigung während der Suche sehe ich kritisch.

00:07:21: Natürlich muss ein Hund lernen, welches Verhalten zum Erfolg führt!

00:07:26: Wenn aber jede richtige Entscheidung sofort von hinten kommentiert wird kann sich ein Teil seiner Aufmerksamkeit von der Spur zurück zum Menschen verlagern.

00:07:36: Manche Hunde beginnen dann, sich häufiger rück zu versichern anstatt einer olfaktorischen Information eigenständig zu folgen.

00:07:46: Ebenso wenig überzeugt mich ein Trainingsaufbau, der Erregung mit Motivation verwechselt.

00:07:52: Begeisterung für eine Aufgabe ist wertvoll!

00:07:56: Ein Hund muss einen Grund haben, warum er einer Spur auch unter schwierigen Bedingungen weiterfolgen möchte.

00:08:04: Doch ein möglichst hohes Erregungsniveau erzeugt nicht automatisch eine möglichst hohe Motivations.

00:08:11: Ein Hund kann unbedingt los wollen und trotzdem so impulsiv arbeiten dass er Geruchsinformationen übersieht oder vor schnelle Entscheidungen trifft.

00:08:22: Solche Einwände sind fachlich begründbar, wir müssen sie nicht aufgeben nur um offen zu wirken!

00:08:30: Die entscheidende Frage lautet viel mehr beurteilen wir das was wird tatsächlich sehen?

00:08:38: Oder beurten wir einen Hund nur noch anhand dessen was wir über seine Ausbildung zu wissen glauben?

00:08:46: Skepsis richtet Fragen an eine Methode.

00:08:50: Ein Vorteil glaubt, die Antworten bereits zu kennen!

00:09:07: Wenn zwei Menschen sagen dass sie nach derselben Philosophie arbeiten bedeutet das noch lange nicht, dass ihr Training tatsächlich gleich aussieht.

00:09:17: Der eine folgt einem Konzept vielleicht sehr star.

00:09:21: Der andere verwendet bestimmte Grundgedanken passt sich aber an den individuellen Hund an.

00:09:27: Ein Trainer wiederholt möglicherweise Methoden, die er vor vielen Jahren kennengelernt hat.

00:09:33: Ein anderer hat dieselbe Ausgangsbasis inzwischen durch neue Erkenntnisse zusätzliche Erfahrungen und Elemente aus anderen Richtungen ergänzt.

00:09:44: Auch die Umsetzung macht einen Unterschied – eine Methode, die auf dem Papier vernünftig klingt kann schlecht vermittelt oder umpassend eingesetzt werden!

00:09:54: Umgekehrt kann ein auf den ersten Blick ungewöhnlicher Aufbau bei einem bestimmten Team erstaunlich gut funktionieren, weil der Mensch seinen Hund ausgesprochen genau beobachtet und im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen trifft.

00:10:10: Hinzu kommt dass kein Hund als unbeschriebenes Blatt in eine Ausbildung kommt.

00:10:17: Hunde unterscheiden sich in ihrem Temperament ihrer Motivation, ihrer Frustrationstoleranz ihrer Erregbarkeit und ihrer Bereitschaft mit den Menschen zusammenzuarbeiten.

00:10:29: Sie bringen unterschiedliche Vorfahrungen mit, manche treffen von Anfang an sehr selbständige Entscheidungen andere orientieren sich stärker am Menschen.

00:10:41: Manche arbeiten auch bei hoher Aktivierung präzise Andere benötigen deutlich mehr Ruhe.

00:10:49: Deshalb lässt sich die Qualität eines Trainings nicht zuverlässig aus seinem Namen ableiten.

00:10:56: Eine Ausbildungsphilosophie kann uns Hinweise darauf geben, welche Grundannahmen hinter dem Training stehen.

00:11:03: Sie kann Erwartungen wecken und Anlass für berechtigte Fragen sein.

00:11:09: Sie verrät uns aber noch nicht wie ein bestimmter Trainer diese Grundsätze umsetzt – wie ein einzelner Mensch mit seinem Hund arbeitet und was dieses konkrete Team tatsächlich leisten kann!

00:11:23: Das zeigt sich erst wenn wir den Hund arbeiten sehen.

00:11:39: Irgendwann habe ich begonnen, mir bei neuen Teams zuerst eine andere Frage zu stellen – nicht nach welcher Philosophie arbeitet jemand?

00:11:49: Nicht welches Zertifikatbesitz der Trainer und auch nicht welche Methode wird auf einer Website beschrieben sondern was zeigt der Hund?

00:12:03: diese Frage klingt einfach.

00:12:05: Tatsächlich verlangt sie uns einiges ab, denn wir müssen bereit sein unsere Erwartungen für einen Moment zurückzustellen.

00:12:14: Wir müssen beobachten bevor wir klären und wir müssen zulassen dass das was wir sehen möglicherweise nicht zu unserem bisherigen Bild passt.

00:12:26: kann der Hund eigenständig arbeiten?

00:12:29: bleibt er auch unter schwierigen Bedingungen bei seiner Aufgabe?

00:12:33: Wie geht er mit widersprüchlichen oder unvollständigen Informationen um?

00:12:38: Wie verhält er sich, wenn die Spur nicht dort weiterführt wo sein Mensch sie erwartet.

00:12:44: Kann er eine Entscheidung überprüfen und gegebenenfalls verändern?

00:12:49: Und bleibt seine Leistung bestehen, wenn der Mensch den Verlauf der Spur und den Aufenthaltsort der Zielperson nicht kennt?

00:12:58: Genau an diesem letzten Punkt wird es besonders interessant!

00:13:03: Wenn der Hundeführer oder eine unmittelbar beteiligte Person weiß, wo die Zielperson ist können unbewusste Informationen in die Arbeit einfließen.

00:13:14: Das muss nicht absichtlich geschehen!

00:13:16: Menschen verändern möglicherweise ihre Laufrichtung, ihre Körperhaltung, Ihre Geschwindigkeit oder die Spannungen der Leine Sie zögern an einer Kreuzung etwas länger werden unruhiger oder wirken plötzlich erleichtert.

00:13:31: oft bemerken sie selbst nicht dass sie dem Hund damit Informationen geben.

00:13:36: Deshalb ist Doppelblindarbeit für mich ein wichtiger Maßstab!

00:13:41: Wenn weder der Hundeführer noch die Person, die das Team unmittelbar begleitet den Trailverlauf oder den Aufenthaltsort der Zielperson kennt fällt ein wesentlicher möglicher Einfluss weg.

00:13:55: Dann lässt sich ehrlicher beobachten welche Entscheidungen der Hund tatsächlich selbst trefft.

00:14:01: Ein erfolgreich absolvierter Doppelblind beweist natürlich nicht, dass ein Trainingskonzept allen anderen überlegen ist.

00:14:09: Dafür spielen zu viele Faktoren eine Rolle.

00:14:13: Ein einzelner Trail beweist ebenso wenig das sein Hund jede vergleichbare Aufgabe lösen könnte.

00:14:20: Doppelpwindarbeit ist auch keine Bühne auf der man Menschen bloßstellen oder einen Hund bei einem Fehler vorführen sollte.

00:14:29: Sie ist ein Instrument um eine konkrete Frage zu beantworten.

00:14:35: Was kann dieser Hund lösen, wenn ihm sein Mensch die Antwort nicht bewusst oder unbewusst mitteilen kann?

00:14:43: Das Ergebnis kann sehr erfreulich sein – es kann aber auch zeigen dass etwas das im bekannten Training zuverlässig wirkte unter kontrollierteren Bedingungen nicht trägt.

00:14:55: Beides ist wertvolle Information!

00:15:11: Vor einigen Jahren kam eine junge Frau zu einem Training.

00:15:15: Wir kamen ins Gespräch und ich fragte sie, wie sie ihren Hund bislang aufgebaut hatte?

00:15:21: Ihre Antwort überraschte mich!

00:15:24: Sie hatte den Hund ganz allein ausgebildet ohne Trainer oder Seminar ausschließlich mit Hilfe eines Buches.

00:15:33: Ganz ehrlich in diesem Moment hatte ich innerlich bereits einen Urteil gefällt.

00:15:39: Ich dachte Das kann gar nicht gut funktionieren.

00:15:44: Vielleicht würde der Hund einzelne Abläufe kennen, aber wesentliche Grundlagen würden fehlen.

00:15:50: Vielleicht wird er stark vom Wissen seines Menschen abhängen?

00:15:54: Vielleicht hätte sich die Hundeführerin Dinge angewöhnt, die später nur schwer zu korrigieren wären!

00:16:01: Ich hatte den Hund zu diesem Zeitpunkt noch nicht arbeiten gesehen und dann begann das Team mit seiner Suche.

00:16:10: Der Hund arbeitete ruhig, er arbeiteten konzentriert und selbstständig.

00:16:16: Er traf klare Entscheidungen und ließ sich dabei nicht erkennbar vom Menschen leiten.

00:16:23: Es war keine spektakuläre Arbeit, keine Show oder großen Gesten!

00:16:28: Der Hund suchte einfach sauber.

00:16:32: Später arbeitet das Team auch im Doppelblind mit derselben Ruhe und derselbe Klarheit.

00:16:39: Dieser Hund gehörte zu den beeindruckendsten Hunden, die ich in all den Jahren begleiten durfte und ich hatte ihn unterschätzt bevor er überhaupt begonnen hat.

00:16:52: Nicht aufgrund dessen was er gezeigt hatte sondern auf Grund dessen, was ich es über seinen Ausbildungsweg gehört hatte.

00:17:01: Vielleicht hätte ich bei einem Hund aus einer mir vertrauten Ausbildung dieselbe Arbeit sofort als Beleg für einen guten Aufbau gewertet.

00:17:11: Hier musste ich zunächst anerkennen, dass ein Weg zu einem hervorragenden Ergebnis geführt hatte dem Ich dieses Ergebnis nicht zugetraut hatte.

00:17:23: Das bedeute denn nicht das ich nun wusste welche einzelne Bestandteil dieses Weges für die Qualität der Arbeit verantwortlich war.

00:17:30: Vielleicht brachte der Hund besondere Voraussetzungen mit.

00:17:35: Vielleicht hatte die Hundeführerin in außergewöhnlich gut beobachtet.

00:17:40: Vielleicht hat sie das Geläse sehr passend auf ihren Hund übertragen.

00:17:46: Ein gutes Ergebnis allein beweist noch nicht, wodurch es entstanden ist – aber es bewies mir etwas anderes.

00:17:55: Mein vorschnelles Urteil über dieses Team war falsch gewesen!

00:18:00: Das war unbequem?

00:18:02: Aber auch ausgesprochen wertvoll….

00:18:07: Dieser Hund hat nicht alle meine fachlichen Überzeugungen widerlegt.

00:18:12: Ich glaube weiterhin, dass bestimmte Trainingswege die Selbstständigkeit eines Hundes stärker fördern als andere – ich halte manche Formen der menschlichen Einflussnahme weiterhin für problematisch und meine Haltung zu aversiven Hilfsmitteln hat sich durch diese Begegnung selbstverständlich nicht verändert.

00:18:32: Der Hund hat mir etwas anderes gezeigt!

00:18:35: dass eine begründete Haltung nicht von einem vorschnellen Urteil schützt.

00:18:41: Ich hatte aus allgemeinen Erfahrungen, eine Aussage über dieses konkrete Team abgeleitet und ich hatte vergessen das zwischen einer berechtigten Skepsis gegenüber einem Ausbildungsweg und der tatsächlichen Leistung eines einzelnen Hundes ein Unterschied liegt.

00:19:01: Seitdem versuche ich, genauer darauf zu achten in welcher Reihenfolge ich urteile.

00:19:08: Zuerst der Hund dann die Einordnung – nicht umgekehrt!

00:19:26: Wir Menschen suchen bevorzugt nach Informationen, die zu unseren vorhandenen Überzeugungen passen.

00:19:33: Wenn wir eine Methode für ungeeignet halten, fallen uns ihre Fehler besonders schnell auf.

00:19:40: Wenn wir von einem Konzept überzeugt sind, erklären wir vergleichbare Schwierigkeiten leichter mit dem individuellen Hund, dem Hundeführer oder den äußeren Bedingungen.

00:19:51: Bei der fremden Methode ist das System schuld – bei der eigenen Methode war es ein schlechter Tag!

00:20:00: Genau an diesem Unterschied lässt sich erkennen wie schwer echte Unvereingenommenheit ist.

00:20:07: Vielleicht sollten wir uns deshalb häufiger fragen Was müsste ich sehen, damit ich meine Einschätzung zumindestens für dieses Team ändere?

00:20:18: Würde ich dieselbe Leistung gleich beurteilen wenn nicht wüsste nach welcher Philosophie der Hund ausgebildet wurde?

00:20:27: sehe ich gerade wirklich einen Zusammenhang zwischen Methode und Verhalten oder vermute ich ihn nur.

00:20:35: Und lege ich an die Arbeit anderer den selben Maßstab an wie an meiner eigene?

00:20:43: Diese Fragen verlangen nicht, dass wir unsere Erfahrung vergessen.

00:20:48: Sie helfen uns lediglich dabei, Erfahrung und Interpretation voneinander zu trennen.

00:20:54: Denn Erfahrung kann uns auf mögliche Probleme aufmerksam machen – sie können uns aber nicht jede Antwort vorwegnemen!

00:21:03: Wenn ein Team mit einem anderen Aufbau hervorragend arbeitet bedeutet das nicht zwangsläufig dass wir unsere gesamte Philosophie aufgeben müssen.

00:21:14: Es kann aber bedeuten, das unserer bisherige Vorstellung zu pauschal war!

00:21:20: Vielleicht funktioniert eine Methode unter bestimmten Voraussetzungen besser als wir dachten?

00:21:27: Vielleicht wurde sie weiterentwickelt.

00:21:29: vielleicht versteht der betreffende Trainer unter ihrem Namen etwas anderes als wir erwartet haben?

00:21:38: hat der Mensch seinen Hund besonders genau gelesen und an entscheidenden Stellen sehr passend reagiert.

00:21:47: Oder vielleicht müssen wir schlicht anerkennen, dass auch außerhalb unserer eigenen Vorstellungen gute Arbeit entstehen können?

00:21:56: Das macht unsere bisherigen Erfahrungen nicht wertlos – es macht unser Bild vollständiger!

00:22:17: Offenheit bedeutet Nicht-Beliebigkeit.

00:22:21: Sie bedeutet nicht, ethische Grenzen aufzulösen wissenschaftliche Erkenntnisse zu ignorieren oder jede Methode allein deshalb zu akzeptieren weil irgendwann irgendein Hunter mit erfolgreich war.

00:22:33: Ein gutes Ergebnis sagt nicht automatisch dass jeder Schritt auf dem Weg dorthin vertretbar war.

00:22:41: Es beweist auch nicht das die verwendete Methode der Ursache dieses Ergebnisses.

00:22:47: Ein Hund kann wegen einer bestimmten Ausbildung gute Leistungen zeigen.

00:22:52: Er kann aber auch trotz problematischer Bestandteile dieser Ausbildung erfolgreich sein und manchmal wirken so viele Einflüsse zusammen, dass wir im Nachhinein gar nicht eindeutig bestimmen können welcher davon den größten Anteil am Ergebnis hatte.

00:23:09: Deshalb reicht es nicht nur zu fragen ob ein Hund seinen Ziel findet.

00:23:15: Wir müssen den arbeitenden Hund als Ganzes wahrnehmen und auch den Weg betrachten, auf dem die Leistung entstanden ist.

00:23:24: Wirkt der Hund körperlich und emotional in der Lage Informationen aufzunehmen und Entscheidungen zu treffen?

00:23:33: Kann er Unsicherheit zeigen ohne dafür unter Druck zu geraten?

00:23:38: Bleibt er handlungsfähig wenn eine bekannte Lösung nicht funktioniert?

00:23:45: und wurde dieses Ergebnis auf eine Weise erreicht, die dem Hund gerecht wird.

00:23:50: Offenheit verlangt nicht das wir unsere fachlichen und ethischen Maßstäbe aufgeben – sie verlangten nur dass wir Sie auf das anwenden was tatsächlich vor uns steht und nicht auf das Bild, das wir uns bereits vorher gemacht

00:24:08: haben.".

00:24:21: Erfahrungen helfen uns, fachliche Positionen zu entwickeln und mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen.

00:24:29: Aber Erfahrung hat noch eine zweite Wirkung – sie erzeugt Erwartungen!

00:24:35: Und Erwartung können unseren Blick verengen.

00:24:39: Vielleicht besteht die eigentliche Herausforderung deshalb nicht darin völlig frei von Vorteilen zu sein?

00:24:47: Das wird uns vermutlich nie gelingen….

00:24:49: Die Herausforderung besteht darin ziehe rechtzeitig zu bemerken, bevor wir einen Hund beurteilen den wir noch nicht arbeiten gesehen haben.

00:24:59: Bevor wir eine Leistung kleinreden weil sie aus einer fremden Richtung kommt und bevor wir glauben ein Etikett verrate uns bereits alles über das Team das vor uns steht.

00:25:13: Ich habe durch den Hund der nur mithilfe eines Buches ausgebildet worden war etwas sehr einfaches gelernt Zuerst hinsehen, dann urteilen.

00:25:25: Nicht jede fremde Methode wird mich überzeugen.

00:25:29: Nicht jeder gute Leistung wird meine grundsätzliche Haltung verändern und es gibt Grenzen bei denen für mich keine Offenheit gegenüber einer Trainingsphilosophie verlangt werden kann.

00:25:42: aber ich möchte einem Hund die Möglichkeit geben mir zu zeigen was er tatsächlich kann Auch wenn sein Ausbildungsweg nicht meinem eigenen entspricht.

00:25:53: Vielleicht sogar gerade dann, denn unsere Überzeugungen sagen viel darüber aus was wir bisher erlebt haben!

00:26:03: Der Hund zeigt uns was in diesem Moment tatsächlich voran steht und manchmal liegt wahre Professionalität nicht darin mit der eigenen Einschätzung recht zu behalten sondern darin rechtzeitig zu erkennen, wenn der Hund uns eines besseren belehrt.

00:26:25: Ich bin Karina Kalks und das war die Antwort auf Alles ist Geruch!

00:26:31: Die Frage bleibt.

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