Einsatz ist mehr

Shownotes

Ein guter Hund allein macht noch kein Einsatzteam. Zwischen einem erfolgreichen Training und der realen Suche nach einem vermissten Menschen liegen Ausbildung, überprüfbare Leistung, eine funktionierende Organisation – und große Verantwortung.

Themen dieser Folge:

  • weshalb ein Einsatz kein besonders schwieriger Trainingstrail ist,
  • was ein wirklich einsatzfähiges Team auszeichnet,
  • warum Geruchsträger, Begleitpersonen und Einsatzleitung entscheidend sind,
  • welchen Schaden unkoordinierte Suchaktionen anrichten können,
  • wo Engagement zu Einsatztourismus wird,
  • warum Zusammenarbeit wichtiger sein muss als Konkurrenz und
  • weshalb Professionalität manchmal auch bedeutet, nicht anzutreten.

„Mensch sein heißt verantwortlich sein.“ Antoine de Saint-Exupéry

Mit vielen dieser Fragen beschäftige ich mich auch in meinem bereits erschienenen Buch „Dem Geruch auf der Spur“. Es ist überall im Buchhandel erhältlich.

Mehr Informationen: Karina Kalks Sachverständige für Hunde | Autorin | Mantrail Academy Austria

Buch: „Dem Geruch auf der Spur – Geruchssinn verstehen bei Hund und Mensch“

Die Frage dieser Folge: Erhöht unser Einsatz tatsächlich die Chance, dass der vermisste Mensch gefunden wird?

Transkript anzeigen

00:00:02: Die Antwort auf alles ist Geruch.

00:00:09: Ein Podcast über Geruch, Hunde und die Fragen dahinter mit Karina Kalks Mensch sein heißt verantwortlich sein.

00:00:25: Es gibt einen Satz den man im Mantrailing immer wieder hört Mein Hund arbeitet so gut.

00:00:32: Mit dem könnten wir eigentlich auch in Einsätze gehen.

00:00:36: Manchmal fällt dieser Satz nur halb im Scherz.

00:00:40: Manchmal ist er aber durchaus ernst gemeint und manchmal bleibt es nicht bei diesem Gedanken, dann beginnen Menschen die seit einiger Zeit mit ihrem Hund-Menntrailing als Hobby betreiben nach vermisten Personen zu suchen – nicht innerhalb einer Einsatzorganisation, und mitunter auch nicht aufgrund einer Alarmierung oder in Abstimmung mit der Polizei, sondern weil sie selbst zu dem Schluss gekommen sind das ihr Hund das kann.

00:01:14: Genau darüber möchte ich heute sprechen denn zwischen einem schönen Hobbit Trail und einem realen Einsatz liegt nicht einfach nur ein höherer Schwierigkeitsgrad.

00:01:26: dazwischen liegt Verantwortung Und ich möchte gleich zu Beginn etwas klarstellen.

00:01:33: Diese Folge richtet sich nicht gegen Menschen, die Mantrailing als Hobby betreiben – im Gegenteil, Mantrailling kann eine wunderbare Beschäftigung sein!

00:01:44: Es kann Hunde fördern, Menschen für die faszinierende Welt des Geruchs sensibilisieren und beiden gemeinsam sehr viel Freude bereiten.

00:01:54: Niemand muss in Einsätze gehen um anspruchsvoll gewissenhaft oder mit großer Begeisterung zu trainieren.

00:02:02: Ein Hobby ist nicht weniger wert, nur weil daraus kein Einsatz entsteht.

00:02:09: Problematisch wird es dort wo Begeesterung mit Qualifikation verwechselt wird.

00:02:15: Woaus?

00:02:16: mein Hund löst im Training schöne Aufgaben plötzlich.

00:02:20: wir können reale vermisste Menschen suchen wird und wo niemand mehr fragt Ob dieses Team tatsächlich in der Lage ist, unter Einsatzbedingungen belastbare Arbeit zu leisten.

00:02:36: Im Training kennen wir die Rahmenbedingung.

00:02:38: Jemand legt einen Trail – wir wissen ungefähr wann die Person gegangen ist.

00:02:43: Wir können das Gebiet auswählen, die Länge und Schwierigkeit an den Ausbildungsstand des Hundes anpassen Und den Verlauf anschließend auflösen.

00:02:52: Selbst bei einem doppelblinden Trail gibt es im Hintergrund jemanden, der weiß was geschehen ist.

00:02:59: Wenn das Team scheitert, kann man abbrechen helfen neu ansetzen oder die Aufgabe in Ruhe analysieren.

00:03:08: Im Einsatz ist das grundlegend anders.

00:03:12: Oft wissen wir nicht sicher wann die vermisste Person an den Ort verlassen hat.

00:03:17: Wir wissen möglicherweise nicht einmal ob sie tatsächlich dort war.

00:03:21: Aussagen können ungenau oder widersprüchlich sein.

00:03:25: Ein Geruchsträger kann kontaminiert, ungeeignet oder gar nicht von der vermissten Person sein.

00:03:32: Der letzte bestätigte Aufenthaltsort ist nicht zwangsläufig der Abgangspunkt.

00:03:38: Wetter-, Verkehr-, Menschenbewegungen und vergangenen Suchmaßnahmen haben die Situation verändert.

00:03:45: Vielleicht hat sie das Gebiet nie zu Fuß verlassen.

00:03:52: Vielleicht befindet sie sich in einer akuten medizinischen oder psychischen Krise.

00:03:58: Und vielleicht hängt von der Information, die ein Team liefert ab, wohin anschließend weitere Kräfte geschickt werden?

00:04:07: Das ist nicht einfach ein bisschen schwieriger – es isst eine andere Aufgabe!

00:04:14: Im Training darf ein Fehler eine Lernerfahrung sein.

00:04:18: Im Einsatz kann derselbe Fehler folgen für einen vermissten Menschen seine Angehörigen und die gesamte Suchstrategie haben.

00:04:39: Wenn über Einsatzfähigkeit gesprochen wird, richtet sich der Blick häufig zuerst auf den Hund.

00:04:47: Kann er alte Trails abarbeiten?

00:04:50: Kann er an stark frequentierten Orten differenzieren?

00:04:54: Arbeitet er zuverlässig in unterschiedlichen Umgebungen?

00:04:58: Erkennt er wenn keine passende Spur vorhanden ist?

00:05:02: Bleibt er auch ohne Wissen und Hilfe der Menschen selbstständig?

00:05:07: All das ist wichtig, aber selbst ein hervorragender Hund genügt nicht.

00:05:14: Am anderen Ende der Leine muss ein Mensch stehen, der den Hund kennt – ohne in jede Bewegung eine gewünschte Bedeutung hineinzulesen!

00:05:24: Ein Mensch, der zwischen einer geruchlichen Entscheidung, einer erlernten Erwartung, Stresserschöpfung Ablenkung und körperlichen Problemen unterscheiden kann, der nicht nur die überzeugenden Momente wahrnimmt sondern auch Unsicherheit.

00:05:41: Der einen Ansatz beendet wenn die Voraussetzungen nicht stimmen, der bereit ist zu sagen diese Information kann ich nicht belastbar geben.

00:05:52: Das ist dem Einsatz mit Unterschwere als entschlossen loszugehen.

00:05:57: Wer vor Angehörigen Polizei oder anderen Einsatzkräften steht, spürt einen enormen Erwartungstruck.

00:06:05: Alle möchten das etwas geschieht – alle möchten eine Richtung, eine Antwort, eine Hoffnung!

00:06:12: In dieser Situation kann Aktivität sehr schnell mit Kompetenz verwechseln werden… auch von einem selbst.

00:06:20: Professionalität bedeutet aber nicht immer eine Antwort zu liefern.

00:06:25: Sie bedeutet, die Qualität der eigenen Information realistisch einzuschätzen.

00:06:31: Manchmal ist ein klares – ich weiß es nicht – wertvoller als eine Richtung, die mit großer Überzeugung vorgetragen wird aber nicht belastbar ist.

00:06:44: Ein einsatzfähiges Team braucht eine systematische Ausbildung.

00:06:49: Es muss nicht nur bekannte Aufgaben wiederholen sondern unter wechselnden Bedingungen überprüft werden.

00:06:56: Dazu gehören unterschiedliche Gebiete, Tageszeitenwitterungen, Spuralter und Ablenkungen.

00:07:04: Dazu gehör negative Aufgaben und Situationen in denen die Zielperson den angenommenen Ausgangsort nicht verlassen hat.

00:07:13: Dazu gehört die Arbeit ohne bewusste und unbewusste Hilfe – und dazu gehört eine ehrliche Dokumentation gerade auch dann wenn etwas nicht!

00:07:26: funktioniert hat.

00:07:28: Ein Team, das nur im bekannten Strukturen erfolgreich ist liefert noch keinen Nachweis dafür dass es auch im Einsatz belastbar arbeitet.

00:07:39: Ein Hund der in einer Trainingsgruppe gelernt hat wie deren Aufgaben gewöhnlich aussehen kann darin beeindruckend sicher sein!

00:07:49: Das sagt aber noch nicht, ob er den Individualgeruch einer unbekannten Person unter unbekannten Bedingungen zuverlässig verfolgt.

00:07:59: Auch Prüfungen sind wichtig – aber sie sind keine lebenslange Garantie!

00:08:05: Eine Prüfung zeigt im besten Fall dass ein Team an einem bestimmten Tag unter bestimmten Bedenken definierte Anforderungen erfüllt hat.

00:08:16: Einsatzfähigkeit muss erhalten regelmäßig überprüft und kritisch reflektiert werden.

00:08:24: Hunde verändern sich, Menschen verändern sie, Routinen schleichen sich ein, Gesundheit, Alter, Trainingspraxis und Lerngeschichte beeinflussen die Leistung.

00:08:38: Wer in realer Einsätze geht braucht deshalb nicht nur Ausbildung sondern eine Kultur der Überprüfungen Nicht weil man den Teams grundsätzlich misstrauen sollte, sondern weil die Folgen ihrer Aussagen erheblich sein können.

00:09:09: Ein realer Einsatz besteht außerdem nicht aus einem Hundeführer der mit seinem Hund irgendwo aus dem Auto steigt und zu suchen beginnt.

00:09:19: Es braucht eine Organisation im Hintergrund es braucht klare Zuständigkeiten Eine erfahrene Einsatzleitung und geschulte Begleitpersonen.

00:09:29: Informationen müssen aufgenommen geprüft und dokumentiert werden.

00:09:34: Suchgebiete und bereits erfolgte Maßnahmen müssen bekannt sein, der Weg des Teams muss nachvollziehbar festgehalten werden Beobachtungen müssen von Interpretationen getrennt werden Und die Ergebnisse müssen so kommuniziert werden dass andere Einsatzkräfte wissen was sie daraus ableiten können.

00:09:55: und war es nicht?

00:09:57: Eine gute Begleitperson läuft nicht einfach nur hinterher.

00:10:01: Sie achtet auf Verkehr und Gefahren, dokumentiert den Verlauf, hält Menschen auf Abstand unterstützt die Kommunikation und sorgt dafür dass sich der Hundeführer auf dem Hund konzentrieren kann.

00:10:14: Sie muss wissen wann sie eingreifen darf und wann nicht!

00:10:18: Sie muss neutral bleiben und auf das Team weder absichtlich noch unabsichtlich in eine Richtung lenken.

00:10:25: Auch eine Einsatzleitung ist weit mehr als eine organisatorische Drehscheibe.

00:10:31: Sie muss Informationen zusammenführen, Prioritäten setzen, geeignete Suchmittel auswählen und beurteilen – welche Aussagen welchen Beweiswert besitzt?

00:10:41: Ein Man-Trailing-Theme ist dabei niemals die gesamte Suche!

00:10:46: Es ist ein mögliches Einsatzmittel unter mehreren.

00:10:51: Genau dieses Struktur fehlt, wenn Hobbyteams spontan für eine Suche zusammengetrommelt werden.

00:10:57: Viele Menschen und viele Hunde ergeben nicht automatisch eine professionelle Suchmaßnahme – im Gegenteil!

00:11:05: Ohne Führung, Dokumentationen und abgestimmte Aufgaben kann die Zahl der Beteiligten das Problem sogar vergrößern.

00:11:25: Ein weiterer Punkt wird außerhalb professioneller Strukturen häufig unterschätzt die Sicherung des Geruchsträgers.

00:11:34: Von wem stand der Gegenstand tatsächlich?

00:11:38: Wer hat ihn seit dem Verschwinden berührt?

00:11:41: Wurde er gemeinsam mit Kleidung anderer Personen gelagert, hat jemand mit bloßen Händen darin gesucht, befand er sich in einem gemeinsamen genutzten Wäschekorb, einem Familienauto oder einem Zimmer das inzwischen von vielen Menschen betreten wurde?

00:11:59: Gibt es einen Vergleichsgeruch vom Personen, deren Geruch ebenfalls auf dem Gegenstand vorhanden sein könnten?

00:12:06: Ein Hund kann nur mit dem arbeiten was ihm angeboten wird.

00:12:11: Ein ungeeigneter oder stark kontaminierter Geruchsträger wird nicht dadurch besser das der Hund motiviert startet und ein Hundeführer darf aus einem Startverhalten nicht automatisch ableiten dass die Voraussetzungen gepasst haben.

00:12:28: Die korrekte Auswahl, Sicherung, Kennzeichnung Aufbewahrung und Dokumentation eines Geruchsträgers ist deshalb kein Nebendeteil.

00:12:39: Sie gehört zum fachlichen Fundament eines Einsatzes.

00:12:43: Wer davon wenig versteht kann trotz bester Absicht bereits vor dem ersten Schritt eine Situation schaffen in der keine belastbare Aussage mehr möglich ist – für mich!

00:13:07: gibt es deshalb eine klare Grenze.

00:13:11: Ohne Alarmierung oder ausdrückliche Freigabe und Abstimmung mit der Polizei, gibt es keinen Einsatz.

00:13:20: Man kann darüber diskutieren wie der Weg zur Einsatzfähigkeit in verschiedenen Ländern oder Organisationen geregelt ist.

00:13:28: Es gibt unterschiedliche Ausbildungsmodelle Prüfungsordnungen und Zuständigkeiten.

00:13:33: Nicht jede Regelung ist automatisch besser, nur weil sie formeller ist.

00:13:39: Und auch eine etablierte Organisation ist nicht allein aufgrund ihres Namens unfehlbar – aber die Alternative zur möglicherweise verbesserungswürdigen Strukturen kann nicht darin bestehen, sich selbst zum Einsatsteam zu erklären.

00:13:57: Bei einer vermissten Person laufen Informationen zusammen die ein privater Suchender in der Regel nicht vollständig kennt und häufig auch nicht kennen darf.

00:14:08: Es kann kriminalpolizeiliche Gründe geben, einen Ort nicht zu betreten oder bestimmte Informationen nicht öffentlich zu machen.

00:14:17: Es kam bereits Suchmaßnahmen geben, die durch eine weitere Gruppe gestört würden.

00:14:23: Es kan taktische Entscheidungen geben, deren Sinn von außen nicht erkennbar

00:14:28: ist.".

00:14:29: Wer ohne Abstimmung loszieht, hilft daher nicht automatisch.

00:14:35: Er handelt auf einer unvollständigen Informationsgrundlage und nimmt in Kauf bestehende Maßnahmen zu beeinträchtigen oder zu gefährden.

00:14:47: In den vergangenen Jahren zeigt sich leider immer wieder ein besonders problematisches Muster.

00:14:54: Suchaktionen werden medial aufwendig inszeniert Teams werden auch aus dem Hobbybereich rekrutiert.

00:15:02: Es gibt laufende Beiträge oder sogar Liveberichterstattungen in sozialen Medien, Menschen können bei nahe in Echtzeit verfolgen wer anreist wo gesucht wird und welche Vermutungen im Raum stehen.

00:15:17: Nach außen wirkt das zunächst wie ein außergewöhnliches Engagement.

00:15:23: Viele Menschen viele Hunde große Reichweite Endlich tut jemand etwas.

00:15:30: Doch die entscheidende Frage lautet nicht, wie sichtbar ist eine Suche?

00:15:35: Die Frage lautet – erhöht diese Maßnahme tatsächlich die Chance das der vermisste Mensch gefunden wird!

00:15:44: Wenn Qualifikationen nicht nachvollziehbar überprüft wurde, wenn Teams aus dem Hobbybereich spontan beteiligt werden, wenn die Abstimmung mit den zuständigen Behörden fehlt Und wenn die öffentliche Inszenierung wichtiger zu werden scheint als die fachliche Struktur, dann ist das für mich kein Engagement im Sinne der Sache.

00:16:07: Dann ist es Einsatz-Tourismus in seiner problematischsten Form.

00:16:13: Dieser Begriff IST hart – aber auch die möglichen Folgen sind hart!

00:16:19: Eine reale Suche isst keine Bühne.

00:16:22: Eine vermisste Person ist kein Inhalt für eine Leifübertragung.

00:16:27: Angehörige sind keine Nebenfiguren in einer Geschichte, mit der andere ihre Reichweite erhöhen.

00:16:35: Und Suchteams sind nicht dazu da sich öffentlich als besonders entschlossen mutig oder erfolgreich zu präsentieren.

00:16:44: Öffentlichkeitsarbeit kann bei vermissten Fällen wichtig sein – sie können Hinweise bringen und Menschen erreichen die etwas beobachtet haben aber sie muss abgestimmt sachlich und am Ziel der Suche orientiert sein.

00:17:00: Sie darf weder sensible Informationen verbreiten, noch ungesicherte Vermutungen in die Welt setzen – und sie darf schon gar nicht dazu führen, dass Menschen einem laufenden Einsatzfolgen Orte aufsuchen oder eigenmächtig mitzusuchen beginnen!

00:17:30: Unkoordinierter Aktionismus kann Spuren verändern oder zerstören.

00:17:36: Orte werden betreten, Gegenstände berührt, Gerüche eingebracht und möglicher Wege zur zahlreiche Personen- und Hunde zusätzlich belastet.

00:17:45: Fahrzeuge blockieren Zufahrten, zuständige Kräfte müssen Zeit aufwenden um nicht eingebundene Gruppen zu koordinieren oder aus Bereichen fernzuhalten.

00:17:57: Hinweise werden parallel gesammelt aber nicht systematisch zusammengeführt.

00:18:02: Angehörige werden mit Fragen, Deutungen und Versprechungen konfrontiert.

00:18:08: Besonders gefährlich wird es wenn aus einer nicht belastbaren Hundearbeit konkrete Behauptungen entstehen Die Person sei sicher in diese Richtung gegangen Sie müsse in ein Fahrzeug gestiegen sein sie könne keinesfalls mehr in einem bestimmten Gebiet sein oder einen Hund habe eindeutig an einem Ort angezeigt.

00:18:33: Solche Aussagen können Hoffnungen wecken, Verdächtigungen erzeugen und Entscheidungen beeinflussen.

00:18:40: Je überzeugter sie vorgetragen werden, desto schwerer ist es später zu vermitteln wie unsicher ihre Grundlage möglicherweise war.

00:18:50: Ein Hund liefert keine fertige Geschichte!

00:18:54: Wir beobachten Verhalten und interpretieren es im Kontext einer Aufgabe.

00:19:00: Diese Interpretation ist fehleranfällig.

00:19:03: Gerade deshalb braucht es Ausbildung, Doppelblindarbeit, Dokumentation, Kontrolle und Menschen die ihre eigenen Erwartungen kennen.

00:19:14: Wer wirklich helfen will muss sich fragen ob sein Handeln Ressourcen freisetzt oder Ressursen bindet?

00:19:23: Ob es Informationen verbessert oder die Lage unübersichtlicher macht Ob es den Angehörigen dient oder vor allem das eigene Bedürfnis befriedigt, etwas zu tun.

00:19:36: Helfen wollen allein schützt nicht vor Schaden.

00:19:52: In der Diskussion über Hunde Geruch- und Suchstrategien geraten die Angehöregen manchmal fast aus dem Blick.

00:20:01: Dabei begegnen wir Menschen, die womöglich seit Stunden oder Tagen nicht wissen Ob ein geliebter Mensch lebt, verletzt ist, Hilfe braucht oder freiwillig verschwunden isst.

00:20:16: Sie befinden sich in einem Zustand den Außenstehende kaum erfassen können.

00:20:22: In dieser Situation hat jedes Wort Gewicht.

00:20:27: Wer mit Angehörigen sprecht, braucht Empathie aber auch Grenzen.

00:20:32: Man darf keine Hoffnung versprechen die man nicht begründen kann.

00:20:37: Man darf Unsicherheiten nicht als Gewissheiten präsentieren.

00:20:41: Man darf Angehörige nicht dazu drängen, immer neue private Gegenstände herauszugeben vor einer Kamera über intime Details zu sprechen oder zwischen konkurrierenden Suchgruppen zu vermitteln.

00:20:55: Auch dafür braucht es geschulte Menschen und klare Zuständigkeiten.

00:21:01: Der Hundeführer muss nicht gleichzeitig Einsatzleiter ermittler Pressesprecher und psychologischer Betreuer sein.

00:21:10: Wer all diese Rollen in einer Person vereint, verliert leicht die notwendige Distanz – und meist auch den Überblick!

00:21:31: Allerdings wäre es zu einfach ausschließlich auf selbst ernannte Suchteams zu zeigen.

00:21:37: Denn auch innerhalb etablierter Einsatzorganisationen funktioniert die Zusammenarbeit keineswegs immer so wie sie funktionieren sollte.

00:21:47: Zu oft stehen persönliche Befindlichkeiten Konkurrenzdenken alte Konflikte oder strukturelle Grenzen im Vordergrund.

00:21:55: Informationen werden nicht geteilt, weil sie aus der falschen Organisation stammen.

00:22:01: Teams werden nicht angefordert – obwohl Sie für eine bestimmte Aufgabe geeignet wären!

00:22:07: Oder mehrere Organisationen arbeiten nebeneinander ohne tatsächlich miteinander zu arbeiten?

00:22:17: In der Rettungshundearbeit menschelt es.

00:22:20: Das ist kein Mythos, sondern seit Jahrzehnten Realität – aber genau dort muss Professionalität beginnen!

00:22:31: Nicht bei der Behauptung dass es in der eigenen Organisation keine Egos gebe, sondern bei Strukturen die verhindern das persönliche Egoes die Suche bestimmen.

00:22:43: Es sollte nicht entscheidend sein welches Abzeichen jemand trägt oder wessen Name später in einem Bericht steht.

00:22:51: Die zentrale Frage muss lauten, war es erhöht unter den gegebenen Umständen die Chance den vermissten Menschen zu finden?

00:23:01: Zusammenarbeit auf Augenhöhe bedeutet dabei nicht dass jeder automatisch alles tun darf.

00:23:08: sie bedeutet Kompetenzen realistisch einzuschätzen Zuständigkeiten zu respektieren Informationen nachvollziehbar zu teilen und geeignete Kräfte gezielt einzusetzen.

00:23:22: Sie bedeutet auch, begründete Kritik auszuhalten – innerhalb wie außerhalb der eigenen Organisation.

00:23:32: Wenn ich sage dass in den Einsatz nur die besten der Besten gehören meine ich damit keine fehlerfreien Helden.

00:23:40: solche Teams gibt es nicht.

00:23:42: Auch hervorragend ausgebildete Hunde können scheitern, auch sehr erfahrene Hundeführer können eine Situation falsch einschätzen.

00:23:52: Geruch ist dynamisch, Einsatzlagen sind komplex und ein großer Teil der entscheidenden Vorgeschichte bleibt unbekannt.

00:24:03: Die besten sind für mich deshalb nicht jene die am lautesten von ihren Erfolgen erzählen.

00:24:09: Es sind doch nicht automatisch jene die spektakulärsten Trainings absolvieren oder die meisten Kilometer fahren.

00:24:19: Es sind Teams, deren Leistung sich wiederholt und unter kontrollierten Bedingungen zeigen lässt.

00:24:26: Teams, die doppelblind arbeiten können – und nicht darauf angewiesen sind dass jemand den Verlauf kennt.

00:24:33: Teams die negative Ergebnisse akzeptieren und dokumentieren.

00:24:39: Teams, die ihre Grenzen kennen, ihren Hund gesundheitlich und mental schützen.

00:24:46: Und einen Einsatz abbrechen wenn eine belastbare Arbeit nicht mehr möglich ist.

00:24:53: Es gibt Menschen, die Fachwissen besitzen sich weiterbilden und dennoch nicht glauben bereits alles zu wissen Die mit anderen zusammenarbeiten können, die Kritik nicht automatisch als Angriff verstehen die zwischen Beobachtung und Interpretation unterscheiden, und die auch nach vielen Jahren noch bereit sind, die eigene Arbeit überprüfen zu lassen.

00:25:18: Die besten erkennt man nicht nur daran wann sie gehen – man erkennt sie auch daran wann Sie NICHT gehen!

00:25:39: Wenn man sich die zusammengetragenen Erfolgsquoten realer Einsätze im deutschsprachigen Europa ansieht liegen sie häufig unter vier Prozent.

00:25:49: Über diese Zahlen und ihre Einordnung habe ich an anderer Stelle bereits ausführlicher gesprochen.

00:25:55: Für diese Folge ist vor allem eine Konsequenz wichtig!

00:26:00: Die reale Personensuche ist selbst für Ausgebildete-und erfahrene Teams außerordentlich schwierig.

00:26:07: Diese geringere Volksquote ist kein Argument dafür, dass es ohnehin jeder versuchen könne – sie ist das genaue Gegenteil.

00:26:18: Wenn die Chance auf einen direkten Fund bereits unter professionellen Bedingungen gering ist, müssen Auswahl, Ausbildung und Einsatz der Teams umso sorgfältiger sein.

00:26:30: Dann können wir es uns nicht leisten zusätzliche Unsicherheit durch unzureichend qualifizierte Teams, ungeeignete Geruchsträger, fehlende Dokumentation oder unkoordinierte Suchaktionen zu erzeugen!

00:26:46: Und wir dürfen Erfolg nicht nachträglich passend machen.

00:26:50: Ein Hund, der irgendeine Richtung einschlägt hat noch keine verwertbare Information geliefert.

00:26:58: Eine Ähnlichkeit zwischen seinem Weg und einem später bekannt gewordenen Ereignis ist noch kein Beweis!

00:27:08: Ein Fund in einem großräumig abgesuchten Gebiet bedeutet nicht automatisch dass jedes zuvor eingesetzte Team richtig lag.

00:27:17: Ehrliches Statistik verlangt klare Kriterien, ehrliche Einsatzarbeit verlangts das selbe.

00:27:27: Die Verantwortung im Einsatz beginnt nicht erst in dem Moment in dem das Telefon klingelt – sie beginnt im Training!

00:27:36: Sie beginnt bei der Entscheidung ob wir unseren Hund wirklich selbstständig arbeiten lassen oder ob wir unbewusst einen System aufbauen, das nur funktioniert solange ein Trainer den Weg kennt.

00:27:49: Sie beginnt bei der Frage, ob wir Fehler dokumentieren oder nur erfolgreiche Trails erinnern – ob wir negative Aufgaben trainieren und unsere Ergebnisse überprüfen, ob die körperliche und psychische Belastbarkeit des Hundes realistisch einschätzen nach einer bestandenen Prüfung weiterzulernen.

00:28:15: Mit vielen dieser Fragen beschäftige ich mich auch ausführlich in meinem Buch dem Geruch auf der Spur, das bereits erschienen und überall im Buchhandler heldig ist.

00:28:27: Darin geht es nicht nur darum was die Hundenase leisten kann sondern auch darum wie geruch entsteht und sich in der Umwelt verhält Wie Erwartungseinflüsse unsere Arbeit verändern können was wir aus dem Verhalten eines Hundes ableiten dürfen, denn gerade im Einsatz reicht es nicht an die Fähigkeiten des Hundes zu glauben.

00:28:51: Wir müssen verstehen unter welchen Voraussetzungen seine Arbeit überhaupt belastbar sein kann.

00:28:59: Sie beginnt auch bei der Organisation.

00:29:02: Gibt es klare Alarmierungswege?

00:29:05: Wer übernimmt die Einsatzleitung?

00:29:07: wie werden Geruchsträger gesichert?

00:29:09: Wie werden GPS-Datenbeobachtungen und Entscheidungen dokumentiert?

00:29:14: Wer spricht mit der Polizei, wer mit Angehörigen und wer wenn überhaupt mit der Öffentlichkeit.

00:29:23: Was geschieht, wenn zwei Teams zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen?

00:29:29: Und gibt es eine Kultur in der jemand ohne Gesichtsverlust sagen kann Mein Hund ist heute nicht arbeitsfähig?

00:29:38: Diese Fragen sind weniger spektakulär als ein startender Hund.

00:29:43: Aber an Ihren Antworten erkennt man Einsatzfähigkeit.

00:29:58: Am Ende läuft alles auf eine einzige Frage hinaus Erhöht unser Einsatz die Chance, dass dieser Mensch gefunden wird?

00:30:10: Nicht möchte ich helfen.

00:30:12: nicht.

00:30:13: arbeitet mein Hund im Training?

00:30:15: besonders schön würde sich die Suche gut in sozialen Medien erzählen lassen.

00:30:22: und auch nicht hat meine Organisation am Ende gezeigt, dass sie die Beste ist.

00:30:28: Erhört das was wir jetzt tun tatsächlich die Chance, dass dieser Mensch gefunden wird?

00:30:37: Wenn wir diese Frage nicht ehrlich mit Ja beantworten können müssen wir zurücktreten!

00:30:43: Das ist kein Versagen – das ist Verantwortung Denn es geht nicht um unser Ego, nicht um Sichtbarkeit, Profilierung oder das Gefühl gebraucht zu werden.

00:30:56: Es geht um einen Menschen der irgendwo draußen ist und dort vielleicht nicht sein möchte.

00:31:03: Um einen Menschen, der möglicherweise verletzt, desorientiert verzweifelt oder in akuter Gefahr ist.

00:31:12: Und es geht um Angehörige deren Welt in diesem Moment stillsteht.

00:31:19: Wer in einen solchen Einsatz geht, übernimmt mehr als eine spannende Aufgabe mit seinem Hund.

00:31:25: Er übernimmt Verantwortung für die Qualität seiner Arbeit, für die Folgen seiner Aussagen und für sein Verhalten gegenüber allen Beteiligten.

00:31:35: Deshalb liegt zwischen Training- und Einsatz weit mehr als Prüfung einer Warnweste oder ein Einsatzrucksack.

00:31:45: Dazwischen liegen Ausbildung, Erfahrung Überprüfung, Zusammenarbeit, Demut und vor allem Verantwortung.

00:31:58: Ich bin Karina Kalks und das war Die Antwort auf Alles ist Geruch!

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