Mythen
Shownotes
Rund um Hunde, Geruch und Sucharbeit gibt es unzählige Mythen. Manche klingen plausibel. Manche werden seit Jahren weitergegeben. Und manche halten sich hartnäckig, obwohl die wissenschaftliche Grundlage dafür erstaunlich dünn ist.
In dieser Folge geht es nicht um einzelne Mythen, sondern um die Frage, warum Mythen überhaupt entstehen. Warum sind wir Menschen so anfällig für Fehlinterpretationen? Weshalb können Erfahrung und Überzeugung manchmal in die Irre führen? Und welche Rolle spielen Wissenschaft, Beobachtung und kritisches Denken dabei? Wir sprechen über den Klugen Hans, über unbewusste Beeinflussung, über Wahrnehmungsfehler und darüber, warum die Realität oft komplexer ist, als sie auf den ersten Blick erscheint.
Themen dieser Folge: • Wie Mythen entstehen • Erfahrung, Wahrnehmung und Interpretation • Der Kluge Hans und seine Bedeutung bis heute • Selbsttäuschung und unbewusste Beeinflussung • Wissenschaft und Praxis – ein notwendiger Dialog • Warum einfache Antworten oft verführerisch sind
Mehr Informationen: Karina Kalks Sachverständige für Hunde | Autorin | Mantrail Academy Austria
Buch: „Dem Geruch auf der Spur – Wahrnehmung, Wirkung und Wissen bei Hund und Mensch“
Die Frage dieser Folge: Welche Überzeugung hast Du über Hunde oder Geruch lange für selbstverständlich gehalten – und später festgestellt, dass die Realität deutlich komplexer ist?
Transkript anzeigen
00:00:02: Die Antwort auf alles ist Geruch.
00:00:09: Ein Podcast über Geruch, Hunde und die Fragen dahinter mit Karina Kalks sehr lange begleitet.
00:00:38: Und ehrlich gesagt passt er vermutlich kaum irgendwo besser als in die Hundewelt, vielleicht ganz besonders in der Welt des Man-Trailings Denn wenn man lange mit Hunden arbeitet sammelt man Erfahrungen viele Erfahrungen gute und schlechte überraschende Erfahrungen und ganz automatisch beginnen wir diese Erfahrungen zu erklären.
00:01:03: Warum hat ein Hund etwas getan?
00:01:06: Warum hat etwas funktioniert?
00:01:08: Warum ist etwas schief gegangen?
00:01:11: Warum war ein Trail leicht, warum ein anderer schwer.
00:01:16: Warum zeigt ein Hund dieses
00:01:18: Verhalten?".
00:01:19: Und genau dort beginnt etwas sehr Menschliches!
00:01:24: Wir suchen nach Zusammenhängen, Nach Erklärungen, nach Mustern und das ist doch völlig normal.
00:01:33: Niemand arbeitet gerne in einem System, das sich chaotisch oder unverständlich anfühlt.
00:01:39: Das Problem ist nur – nicht jede Erklärung die logisch klingt, ist automatisch richtig!
00:01:46: Nicht jeder Erfahrung beweist dass unsere Interpretation stimmt und nicht alles was oft wiederholt wird, wird dadurch wahr.
00:01:57: Gerade in der Hundewelt gibt es unglaubliche viele solche Überzeugungen die man immer wieder hört.
00:02:05: Dinge, die fast schon wie Naturgesetze weitergegeben werden Aussagen, die in Seminaren fallen auf Hundeplätzen In sozialen Medien In Gesprächen unter Kolleginnen und Kollegen.
00:02:19: Manches davon stimmt Manches ist vereinfacht Manches enthält einen wahren Kern Und manches hält sich erstaunlich hartnäckig Obwohl die Realität deutlich komplexer ist.
00:02:36: Und genau deshalb möchte ich mit dieser neuen Reihe beginnen, nicht um Menschen bloßzustellen – nicht um mit dem Finger auf andere zu zeigen und ganz sicher nicht weil ich glaube im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein sondern weil Ich glaube dass es unglaublich spannend ist zu verstehen wie solche Überzeugungen überhaupt entstehen Denn die meisten Mythen entstehen niemals aus Dummheit.
00:03:07: Sie entstehen aus Erfahrung, Aus Beobachtung, aus ehrlicher Überzeugung – manchmal auch aus einzelnen Erfolgen, die uns in Erinnerungen bleiben oder aus Erklärungen, die so logisch klingen dass wir sie gar nicht mehr hinterfragen.
00:03:24: und genau darüber möchte ich heute sprechen noch nicht über einen einzelnen Mythos sondern über die viel spannendere Frage, warum entstehen Mythen überhaupt?
00:03:50: Ich denke, die Antwort hat sehr viel weniger mit Hunderttraining zu tun als wir vielleicht denken und sehr viel mehr mit uns Menschen.
00:04:01: Denn unser Gehirn liebt Erklärungen!
00:04:05: Wir mögen keine Unsicherheit, wir mögen keinen offenen Fragen in denen wir etwas beobachten, aber nicht genau verstehen warum es passiert.
00:04:19: Also beginnt unser Gehirn automatisch Zusammenhänge herzustellen.
00:04:24: Das ist etwas zutiefst menschliches.
00:04:27: Wenn A passiert und danach B dann suchen wir sofort eine Verbindung.
00:04:34: Ein Hund arbeitet einen schwierigen Trail erfolgreich aus also fragen wir uns Warum?
00:04:42: War der Geruch besonders frisch?
00:04:44: War der Hund besonders motiviert, lag es am Wetter, am Training an der Bindung und an der Rasse – am Geruchsgegenstand?
00:04:52: Und manchmal finden wir eine Erklärung die logisch klingt.
00:04:56: Einer, die in unser Weltbild passt.
00:05:00: Eine, die sich richtig anfühlt!
00:05:03: Aber genau das bedeutet noch nicht dass sie tatsächlich stimmt.
00:05:08: Denn zwischen Beobachtungen und Ursache liegt oft ein ziemlich großer Unterschied.
00:05:13: Und dazu kommt noch etwas.
00:05:15: Unser Gehirn liebt Muster!
00:05:19: Wenn etwas ein paar Mal ähnlich abläuft, beginnen wir Regeln daraus zu machen.
00:05:25: Wenn ein Hund mehrfach bei bestimmten Bedingungen besonders gut arbeitet, denken wir schnell aha dann ist genau das der Grund.
00:05:35: aber vielleicht war es gar nicht dieser eine Faktor?
00:05:39: Vielleicht waren es zehn andere Dinge die wir gar nicht bemerkt haben.
00:05:44: Gerade in der Arbeit mit Hunden ist das unglaublich wichtig.
00:05:48: Denn Verhalten ist komplex, Geruch ist unsichtbar und oft sehen wir nur das Ergebnis – nicht aber die vielen Prozesse, die dorthin geführt haben!
00:05:59: Ein weiterer Punkt?
00:06:01: Erfolge bleiben uns viel stärker in Erinnerung als Misserfolge.
00:06:07: Das ist ganz normal.
00:06:09: ein spektakulärer Volk brennt sich ein der unter schwierigen Bedingungen arbeitet, ein scheinbar unmöglicher Trail.
00:06:20: Ein Moment in dem wir denken, Wahnsinn!
00:06:24: Und genau diese Geschichten erzählen wir weiter – die vielen Situationen, in denen etwas nicht funktioniert hat?
00:06:32: Oftmals bleiben sie weniger präsent und plötzlich entsteht aus einem einzelnen eindrucksvollen Erlebnis eine allgemeine Überzeugung Und dann kommt noch etwas dazu.
00:06:46: Emotionale Geschichten sind unglaublich stark!
00:06:50: Wenn eine Geschichte Hoffnung macht, beeindruckt oder emotional berührt bleibt.
00:06:55: sie hängen sehr viel stärker als nüchterne Daten und ganz ehrlich Komplexität verkauft sich schlecht.
00:07:05: Eine Aussage wie das hängt von vielen Faktoren ab die miteinander interagieren ist korrekt aber nicht besonders sexy.
00:07:16: Eine Aussage wie, frischer Geruch ist leichter oder der Hund sucht immer den stärksten Geruch?
00:07:24: Oder ein guter Trailer folgt immer exakter Spur?
00:07:29: Das ist einfach greifbar verständlich und genau deshalb verbreiten sich solche Aussagen oft viel schneller als differenzierte Erklärungen.
00:07:41: vielleicht könnte man es Ganz einfach so sagen, ein Hund war erfolgreich.
00:07:47: Also suchen wir nach einer Erklärung und manchmal ist die erste Erklärungen nicht die richtige.
00:08:08: Vielleicht gibt es kein besseres Beispiel dafür wie leicht wir Menschen uns täuschen lassen als die Geschichte vom klugen Hans.
00:08:17: Wenn ihr den Namen noch nicht gehört habt keine Sorge aber die Geschichte dahinter ist bis heute unglaublich relevant.
00:08:28: Der kluge Hans war im Pferd, Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in Deutschland das für enormes Aufsehen sorgte.
00:08:38: Denn Hans schien etwas zu können dass eigentlich unmöglich war?
00:08:42: Er konnte rechnen!
00:08:54: Wenn man ihn fragte, was ist drei plus zwei?
00:08:58: Dann klopfte Hans fünf Mal und nicht nur einfache Aufgaben auch komplexere Fragen schiener beantworten zu können.
00:09:08: Natürlich könnt ihr euch vorstellen, was das auslöste.
00:09:12: Die Menschen waren fasziniert ein denkendes Pferd Ein Tier mit mathematischen Fähigkeiten.
00:09:20: Das war eine Sensation.
00:09:23: Und wichtig ist Es ging hier nicht um einen billigen Jahrmarktstrick mit offensichtlichem Betrug.
00:09:30: Viele Menschen waren ehrlich überzeugt, auch der Besitzer des Pferdes war überzeugt das Publikum war überzeugend und selbst Fachleute nahmen das Phänomen ernst.
00:09:44: Denn auf den ersten Blick sprach vieles dafür dass Hans tatsächlich etwas Außergewöhnliches konnte.
00:09:52: Und genau das macht diese Geschichte so spannend, denn irgendwann begannen Wissenschaftler genauer hinzusehen.
00:10:01: Nicht mit der Frage wie entlarven wir einen Betrug sondern mit der frage was passiert hier eigentlich wirklich?
00:10:11: Und genau da wurde es interessant.
00:10:13: man stellte fest Hans konnte die Aufgaben nur dann richtig beantworten wenn ein Mensch in der Nähe war der die richtige Antwort kannte.
00:10:24: Wusste die fragende Person, die Lösung selbst nicht?
00:10:27: Sankt die Trefferquote massiv!
00:10:31: Und irgendwann wurde klar Hans rechnete gar nicht.
00:10:36: Er reagierte auf Menschen Auf minimale Körpersignale Auf winzige Veränderungen in Haltung Spannung Blickrichtung oder Gesichtsaustruck Vielleicht ein leichtes anhebender Augenbrauen Eine minimale Veränderung in der Körperspannung, ein kaum wahrnehmbares Signal wenn die richtige Zahl erreicht war.
00:10:59: Nicht bewusst gegeben nicht absichtlich.
00:11:03: und genau das ist der entscheidende Punkt!
00:11:07: Der kluge Hans war kein Betrug.
00:11:10: er war ein Lehrstück über menschliche Wahrnehmung denn weder dass Pferd noch die Menschen wollten täuschen.
00:11:18: Hans hatte gelernt, auf feinste Signale zu reagieren und die Menschen gaben diese Signale ohne selbst zu merken.
00:11:27: Das Faszinierende daran ist alle waren ehrlich überzeugt!
00:11:33: Und genau deshalb ist dieser Geschichte bis heute so wichtig weil er uns zeigt dass Selbsttäuschung nicht bedeutet unehrlich zu sein.
00:11:43: man kann vollkommen überzeugt sein aufrichtig erfahren gut beobachtend und trotzdem falsch liegen.
00:11:51: Nicht weil man dumm ist, nicht weil man betrügen will sondern weil Wahrnehmung nie so objektiv ist wie wir gern glauben!
00:12:02: Und wenn wir ehrlich sind genau deshalb ist der Kluge Hans für die Arbeit mit Hunden heute noch unglaublich aktuell vielleicht sogar mehr denn je.
00:12:25: Und genau an diesem Punkt wird die Geschichte des Klugenhans für uns plötzlich sehr aktuell.
00:12:32: Denn wenn wir mit Hunden arbeiten, sind wir nie nur Beobachter – Wir sind Teil des Systems und das ist ein unglaublich wichtiger Gedanke!
00:12:42: Denn ganz oft glauben wir, wir würden einfach nur schauen was unser Hund tut aber in Wahrheit beeinflussen wir unsere Hunde oft viel stärker als uns bewusst ist nicht absichtlich Nicht weil wir trixen wollen, sondern weil Kommunikation zwischen Mensch und Hund ständig stattfindet.
00:13:04: Über Körpersprache Haltung Spannung Bewegung Blickrichtung Atmung Energie Über Erwartung.
00:13:13: Ein Hund liest uns permanent wahrscheinlich oft deutlich besser als wir ihn lesen Und genau deshalb ist die entscheidende Frage nicht beeinflussen wir unseren Hund, denn die ehrliche Antwort lautet fast immer ja.
00:13:30: Die spannende Frage ist wie stark und merken wir es überhaupt?
00:13:37: Stellen wir uns eine ganz einfache Situation vor Wir glauben zu wissen wo die Zielperson ist vielleicht ganz bewusst vielleicht auch nur mit einem diffusen Gefühl.
00:13:51: Vielleicht kennen wir das Gelände, vielleicht wissen wir wo der Trail ungefähr enden müsste.
00:13:56: Vielleicht erwarten wir eine bestimmte Richtung.
00:13:59: Was passiert dann mit uns?
00:14:01: Unsere Körpersprache verändert sich Manchmal minimal fast unsichtbar.
00:14:08: Wir schauen vielleicht etwas länger in einer Richtung Unser Körper richtet sich anders aus Die Spannung in der Leine verändert sich Wir atmen anders Wir werden innerlich wacher, vielleicht gehen wir minimal schneller oder wir halten unbewusst ganz kurz inne.
00:14:29: Und unser Hund?
00:14:31: Der nimmt genau das wahr!
00:14:34: Nicht unbedingt als bewusstes Kommando aber als Information.
00:14:39: und genau hier wird es gefährlich denn wenn der Hund dann in die Erwarte der Richtung arbeitet denken wir er hat die richtige Entscheidung getroffen.
00:14:50: Aber war es wirklich seine Entscheidung?
00:14:53: Oder haben wir, ohne es zu merken einen Teil dieser Entscheidung mitgestaltet.
00:15:00: Das ist keine theoretische Frage – das ist hochrelevant!
00:15:05: Nicht nur im Training nicht nur in Prüfungen sondern überall dort wo wir Verhalten interpretieren.
00:15:12: Denn wer Menschen lieben es verhalten zu erklären Der Hund zieht an also ist er sicher Der Hund wird langsamer, also ist die Spur alt.
00:15:23: Der Hund hebt den Kopf – also geht er über Hochwind.
00:15:28: Vielleicht stimmt das?
00:15:30: Vielleicht aber auch nicht!
00:15:33: Denn Interpretationen sind nicht automatisch Wahrheit und genau deshalb ist ein Konzept in der Hundearbeit so unglaublich wichtig.
00:15:44: Doppelblind Und ich weiß dass dieses Wort manchmal fast dogmatisch verwendet wird Aber für mich geht es gar nicht um Ideologie.
00:15:53: Es geht um Logik!
00:15:56: Denn wenn wir ausschließen wollen, dass wir unseren Hund beeinflussen, müssen wir Situationen schaffen in denen genau das nicht möglich ist.
00:16:06: Wenn weder der Hundeführer noch die beobachtenden Personen wissen wo das Ziel liegt verändert sich etwas ganz Entscheidendes.
00:16:16: Unsere Erwartung fällt weg.
00:16:18: Plötzlich sehen wir viel klarer, was der Hund tatsächlich tut.
00:16:23: Nicht das, was wir glauben zu sehen – nicht das, dass wir hoffen oder interpretieren möchten sondern das tatsächliche Verhalten.
00:16:34: und genau deshalb ist Doppelblind kein Misstrauen gegenüber dem Hund oder dem Team.
00:16:41: Es ist ein Schutz vor unserer eigenen Wahrnehmung Denn der kluge Hans war nicht das Problem die Menschen waren es.
00:16:51: Und genau deshalb sollten wir uns diese Geschichte immer wieder in Erinnerung rufen.
00:17:07: und genau deshalb entstehen Mythen in der Hundewelt wahrscheinlich besonders leicht, vielleicht sogar leichter als in vielen anderen Bereichen – denn Hunde sind komplex, Verhalten ist komplex!
00:17:22: Wenn wir über Geruch sprechen wird das noch einmal schwieriger, denn Geruch ist unsichtbar.
00:17:28: Wir können ihn nicht sehen, wir können seine Bewegung nicht direkt beobachten.
00:17:33: Wir können nicht einfach daneben stehen und objektiv verfolgen was gerade passiert?
00:17:39: Wir sehen nur das Ergebnis ein Hund biegt links ab Ein Hund wird schneller Ein Hund sucht großräumiger Ein Hund hebt den Kopf Ein Hund verweigert Ein Hund zeigt an.
00:17:53: Aber Was genau dahinter passiert Das wissen wir oft nicht mit Sicherheit.
00:17:59: Und genau in diesem Raum zwischen Beobachtung und Erklärungen stehen Mythen besonders leicht.
00:18:06: Denn unser Gehirn füllt Glücken, wir interpretieren – und Interpretation ist nicht automatisch falsch aber sie ist eben genau das eine Interpretations.
00:18:18: Gerade in der Hundearbeit passiert das ständig.
00:18:22: Wir beobachten Verhalten und sofort geben wir im Bedeutung Der Hund zieht Also ist er sicher.
00:18:30: Der Hund wird langsam, also ist die Spur schwierig?
00:18:35: Der Hund schaut nach oben – also hat er Hochwind!
00:18:39: Vielleicht aber vielleicht gibt es auch ganz andere Erklärungen und genau das macht die Sache so schwierig.
00:18:49: dann kommt ein weiterer Faktor dazu Prüfungen Und das ist ein Punkt über den man ruhig einmal ehrlich sprechen darf Denn Prüfungen formen Trainingsbilder ganz automatisch.
00:19:04: Wenn ein bestimmtes Verhalten in Prüfung als richtig bewertet wird, beginnen Menschen genau dieses Verhalten zu trainieren.
00:19:12: Wenn eine bestimmte Suchweise Erfolg bringt, wird sie reproduziert und irgendwann entsteht daraus nicht nur ein Trainingssystem sondern eine Überzeugung.
00:19:26: so macht man das eben.
00:19:28: Das Problem ist Prüfungserfolg und Realität sind nicht immer dasselbe.
00:19:34: Ein Verhalten, das in einem klar strukturierten Prüfungsszenario funktioniert muss nicht automatisch bedeuten, dass die zugrunde liegende Erklärung korrekt ist – und das führt zu einem ganz wichtigen Gedanken!
00:19:50: Ein funktionierendes Ergebnis beweist nicht automatische, dass unsere Erklärungen dafür richtig ist.
00:19:58: Das finde ich unglaublich wichtig Denn nur weil etwas funktioniert, heißt das noch lange nicht dass wir verstanden haben warum es funktioniert hat.
00:20:09: Dann kommt noch etwas dazu Trainer und auch das meine ich gar nicht wertend denn natürlich geben Trainerwissen weiter Erfahrungen Methoden Systeme.
00:20:21: Das ist ihr Job.
00:20:24: aber genau dort werden auch Überzeugungen weitergetragen Dinge die jemand selbst gelernt hat Dinge, die irgendwann einmal funktioniert haben und Dinge ,die sich über Jahre etabliert haben.
00:20:38: Und irgendwann werden daraus Wahrheiten, die kaum noch hinterfragt werden – nicht unbedingt weil sie falsch sein müssen sondern weil sie einfach Teil der Kultur geworden sind!
00:21:03: funktioniert dort sehr schlecht.
00:21:06: Komplexität ist unbequem, eine Erklärung wie das hängt von vielen Faktoren ab Wettergelände Luftbewegungen Erfahrung Motivation Kontext individuelle Wahrnehmung ist vermutlich korrekt aber sie passt schlecht in einen kurzen Beitrag.
00:21:27: der Hund sucht immer den stärksten Geruch passt perfekt klar einfach Teilbar und genau deshalb verbreiten sich einfache Aussagen oft deutlich schneller als komplexe Wahrheiten.
00:21:42: Und dann sind da noch die Geschichten, die spektakulären Geschichten der Hund, der nach Tagen noch gefunden hat, der unglaubliche Trail, die scheinbar unmögliche Leistung, der emotionale Erfolg.
00:22:03: Diese Geschichten hängen.
00:22:05: Nicht die Hundert unspektakulären Situationen, nicht die Fälle, die nicht funktioniert haben – nicht die vielen offenen Fragen!
00:22:14: Sondern die eine Geschichte, die uns beeindruckt.
00:22:19: und genauso entstehen Überzeugungen.
00:22:22: Nicht aus böser Absicht sondern aus menschlicher Wahrnehmung.
00:22:28: Aus Emotion, aus Erfahrung, aus Weitergabe aus Vereinfachung.
00:22:35: Und genau deshalb lohnt es sich, immer wieder genauer hinzusehen und an diesem Punkt ist mir etwas besonders wichtig.
00:22:56: Denn wenn wir über Mythen sprechen, über Fehlinterpretationen, über Wahrnehmungen und darüber wie leicht Überzeugungen entstehen könnte schnell ein falscher Eindruck entstehen nämlich der das Erfahrung nichts wert wäre.
00:23:14: Erfahrung ist unglaublich wertvoll, gerade in der Arbeit mit Hunden.
00:23:20: Denn kein wissenschaftlicher Artikel ersetzt das Beobachten echter Hunde.
00:23:25: Keine Studie ersetzt jahrelange praktische Arbeit.
00:23:31: Kein Paper ersetzt es Gefühl dafür wie unterschiedliche Hunde arbeiten, wie individuell verhaltene oder komplex reale Situationen sein könnten.
00:23:42: Praxis ist essentiell!
00:23:45: Aber und das ist der entscheidende Punkt.
00:23:49: Erfahrung ist nicht automatisch objektiv, denn Erfahrung bedeutet zunächst einmal ich habe etwas beobachtet – mehr nicht!
00:23:58: Die Interpretation dieser Beobachtung ist der nächste Schritt und genau dort könnten Fehler entstehen.
00:24:06: Ein Beispiel Jemand erlebt mehrfach dass ein Hund nach einem bestimmten Trainingsaufbau besonders erfolgreich ist.
00:24:16: Die Schlussfolgerung liegt nahe, also funktioniert genau dieses System.
00:24:22: Vielleicht stimmt das?
00:24:24: Vielleicht aber auch nicht!
00:24:26: Vielleicht gibt es andere Faktoren – vielleicht spielt der Kontext eine Rolle, vielleicht Motivation, vielleicht Umweltbedingungen, vielleicht Erwartung, vielleicht Schlichtzufall und genau deshalb ist Erfahrung so wertvoll aber eben nicht unfehlbar.
00:24:45: Deine Erfahrung zeigt uns, was passiert ist.
00:24:49: Sie erklärt nicht automatisch warum es passiert ist und genau dort kommt die Wissenschaft ins Spiel Nicht als Gegner der Praxis!
00:25:00: Nicht als etwas elitäres!
00:25:04: Nicht also abstraktes System das mit dem echten Leben nichts zu tun hat sondern im besten Fall als Werkzeug.
00:25:12: Wissenschaft stellt eine ganz einfache, aber unglaublich wichtige Frage.
00:25:18: Ist unsere Erklärung wirklich richtig?
00:25:22: Nicht hat etwas funktioniert sondern warum hat es funktioniert?
00:25:28: und genau das ist ein riesiger Unterschied denn wenn wir nur auf Ergebnisse schauen können wir sehr leicht zu falschen Schlussfolgerungen kommen.
00:25:39: Wissenschaft versucht genau solche Denkfehler zu reduzieren.
00:25:44: Sie versucht, Einflussfaktoren zu kontrollieren, alternative Erklärungen zu prüfen, Hypothesen zu testen, Selbsttäuschung zu minimieren – nicht weil Erfahrung wertlos wäre sondern weil wir Menschen nun einmal Menschen sind.
00:26:03: und genau deshalb glaube ich persönlich nicht an ein Entwederoder, Nichtpraxis oder
00:26:10: Wissenschaft."
00:26:11: sondern Praxis, Reflexion und Wissenschaft.
00:26:17: Denn gute Praxis liefert Fragen.
00:26:20: Wissenschaft hilft diese Fragen sauber zu prüfen – und reflektierte Erfahrung hilft uns beides sinnvoll in die Realität zu übertragen!
00:26:32: Und für mich ist genau diese Kombination der spannendste Weg, denn reine Theorie ohne Praxis bleibt oft steril.
00:26:42: Aber eine Praxis ohne kritische Reflexion kann gefährlich werden, weil wir dann irgendwann beginnen Überzeugungen mit Fakten zu verwechseln und genau dort entstehen Mythen.
00:26:57: Deshalb geht es mir in diesem Podcast nie darum Erfahrung kleinzureden – ganz im Gegenteil!
00:27:04: Es geht darum Erfahrung ernst zu nehmen Aber gleichzeitig bereit zu bleiben, unsere eigenen Erklärungen immer wieder zu hinterfragen.
00:27:15: Denn genau dort beginnt echtes Lernen!
00:27:32: Und genau deshalb möchte ich in den nächsten Folgen gemeinsam mit dir genauer hinschauen – auf genau solche Überzeugungen.
00:27:41: Auf Dinge die in der Hundewelt immer wieder gesagt werden.
00:27:45: Auf Aussagen, die sich festgesetzt haben… auf Trainingswahrheiten, die viele von uns schon gehört haben oder vielleicht selbst einmal vertreten haben.
00:27:58: Nicht mit dem Anspruch hier endgültige Wahrheiten zu verkünden – gar nicht!
00:28:03: Denn gerade wenn diese Folge eines gezeigt hat dann vielleicht genau das wie vorsichtig wir mit vermeintlicher Gewissheit sein sollten aber mit dem Anspruch Fragen zu stellen, genauer hinzusehen Komplexität auszuhalten und vielleicht manchmal Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
00:28:27: Wir werden über alte Trails sprechen, über die Idee das Frischergeruch automatisch leichter sein muss – über Spurtreue!
00:28:36: Über die Vorstellung dass ein guter Trailer immer mit tiefer Nase arbeitet.
00:28:41: Über Wasser Geruchsdynamik Obverbindung Motivation Über doppelblind, über Anzeigeverhalten, über Dinge die logisch klingen und vielleicht trotzdem nicht so einfach sind.
00:28:57: Und vermutlich auch über Themen, die Diskussionen auslösen werden – das ist völlig in Ordnung!
00:29:05: Denn genau darum geht es nicht recht zu behalten sondern darum besser zu verstehen.
00:29:13: Mich interessiert nicht die schnelle Antwort Mich interessiert die spannende Frage dahinter.
00:29:22: Warum glauben wir bestimmte Dinge?
00:29:24: Und was beobachten wir tatsächlich, wo interpretieren wir?
00:29:29: und wohl lohnt es sich vielleicht genauer hinzusehen?
00:29:33: Denn wenn wir ehrlich sind – Die Welt der Hunde ist komplex!
00:29:38: Geruch ist Komplex Verhalten ist Komplex!
00:29:42: Und genau das macht dieses Thema so faszinierend.
00:29:47: Wenn du Lust hast, mich auf dieser Reise zu begleiten dann freue ich mich sehr.
00:29:53: Denn wir haben gerade erst begonnen und ich verspreche dir es gibt unglaublich viele offene Fragen!
00:30:03: Ich bin Karina Kalks und das war die Antwort auf Alles.
00:30:08: ist Geruch Die Frage bleibt.
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