Alte Trails

Shownotes

Wie alt kann ein Trail wirklich sein? Gibt es eine Grenze – oder können Hunde tatsächlich Wochen, Monate oder sogar Jahre alte Spuren verfolgen?

In dieser Folge geht es um die Faszination alter Trails, spektakuläre Erfolgsgeschichten und die Frage, warum außergewöhnliche Behauptungen außergewöhnliche Belege brauchen. Ich spreche darüber, was mit Geruch über die Zeit passiert, warum es keine einfache Altersgrenze gibt und weshalb die Reproduzierbarkeit von Ergebnissen eine zentrale Rolle spielt.

Außerdem geht es um den Unterschied zwischen beeindruckenden Einzelfällen und belastbaren Erkenntnissen, um die Bedeutung von Doppelblind-Ansätzen und darum, warum alte Trails zwar trainiert werden sollten, dabei aber Ehrlichkeit und kritisches Denken unverzichtbar sind.

Themen dieser Folge: Warum alte Trails so faszinieren Was mit Geruch über die Zeit passiert Gibt es eine maximale Spurdauer? Einzelfälle versus Reproduzierbarkeit Warum Doppelblind so wichtig ist Alte Trails in Training und Einsatz Wunschdenken und unbewusste Beeinflussung Die Suche nach belastbaren Antworten

Eine Folge über Geruch, Wissenschaft, Einsatzrealität – und die vielleicht wichtigste Frage im Mantrailing: Woher wissen wir eigentlich, dass ein Ergebnis stimmt?

Mehr Informationen: Karina Kalks Sachverständige für Hunde | Autorin | Mantrail Academy Austria

Buch: „Dem Geruch auf der Spur – Geruchssinn verstehen bei Hund und Mensch“

Die Frage dieser Folge: Wann wird aus einer beeindruckenden Geschichte belastbares Wissen?

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00:00:02: Die Antwort auf alles ist Geruch.

00:00:09: Ein Podcast über Geruch, Hunde und die Fragen dahinter mit Karina Kalks und um eine Frage, die vermutlich jeder Mantreler irgendwann einmal gestellt bekommt.

00:00:41: Wie alt kann eine Spur eigentlich sein?

00:00:45: Wenn man sich in der Suchhundewelt umhört, stößt man früher oder später auf Geschichten, die fast schon unglaublich klingen – da ist von Spuren die Rede, die einer Woche alt waren zwei Wochen mehrere Monate!

00:00:59: Und in manchen Diskussionen wird sogar behauptet Hunde könnten Jahre alte Spuren verfolgen.

00:01:06: Solche Aussagen erzeugen Aufmerksamkeit, sie klingen spektakulär Sie werden weitergegeben und sie faszinieren.

00:01:15: Das ist auch verständlich Denn die Vorstellung hat beinahe Magisches Ein Mensch verschwindet Tage vergehen vielleicht Wochen Vielleicht noch länger Und dann kommt ein Hund Er bekommt einen Geruchsartikel Er nimmt die Information auf und folgt scheinbar genau dieser einer alten Spur bis zum Ziel.

00:01:38: Das berührt etwas in uns!

00:01:41: Wir möchten glauben, dass Hunde zu solchen Leistungen fähig sind – wir möchten glauben das die Nase des Hundes Grenzen überschreiten kann, die für uns Menschen kaum vorstellbar sind.

00:01:54: Und natürlich wissen wir, Hunde können erstaunliches leisten Sie finden Menschen unter Trümmern, sie können Krankheiten erschnüffeln.

00:02:04: Sie nehmen Informationen wahr die für uns völlig unsichtbar bleiben.

00:02:09: Sie arbeiten mit einer Welt zu der wir keinen direkten Zugang haben.

00:02:14: Gerade deshalb entstehen rund um die Hundenase so viele Mythen.

00:02:20: Denn dort wo wir selbst nicht riechen können müssen wir interpretieren und wo wir interpretiren müssen entstehen Geschichten.

00:02:29: Manche dieser Geschichten sind wahr.

00:02:32: Manche sind übertrieben, manche sind missverstanden und manche werden mit der Zeit größer als sie ursprünglich waren.

00:02:41: Bei alten Trails ist das besonders heikeln Denn je älter die Spur angeblich war desto beeindruckender klingt die Leistung.

00:02:52: Eine zwölfstundenalte Spur beeindruckt weniger als eine dreitage alte Eine drei Tage alte weniger als eine zwei Wochenalte und irgendwann wird aus einer Suchleistung fast eine Legende.

00:03:07: Genau hier müssen wir vorsichtig werden, nicht weil wir Hunde kleinreden wollen, nicht Weil wir Erfahrungen abwerten wollen Sondern weil wir verstehen müssen worüber wir eigentlich sprechen.

00:03:22: Die entscheidende Frage ist nicht Kann so etwas einmal passiert sein?

00:03:27: Die entscheidende Frage ist, kann man es wiederholen?

00:03:32: Kann man es überprüfen?

00:03:35: Kann das unter sauberen Bedingungen nachvollziehen?

00:03:39: Denn zwischen einem außergewöhnlichen Einzelfall und einer verlässlichen Fähigkeit liegt ein gewaltiger Unterschied.

00:03:48: Und genau um diesen Unterschied geht es in dieser Folge – nicht um die Frage ob Hunde Erstaunliches leisten können!

00:03:56: Das können sie sondern um die Frage, wann aus einer beeindruckenden Geschichte belastbares Wissen wird und wann eine Geschichte eben genau das bleibt.

00:04:08: Eine Geschichte!

00:04:20: Bevor wir über Geruch alter-und reproduzierbarkeit sprechen möchte ich einen Punkt erklären der mir wichtig ist.

00:04:29: Wir werden immer wieder zu sehr alten vermisten Fällen angefragt.

00:04:34: Manchmal ist eine Person seit mehreren Tagen verschwunden Manchmal seit einer Woche, manchmal deutlich länger.

00:04:42: Und dann steht man als Einsatzhundeführerin vor einer schwierigen Entscheidung.

00:04:46: Fährt man oder sagt man ab?

00:04:49: Von außen wirkt das vielleicht einfach!

00:04:52: Man könnte sagen Wenn es eine Chance gibt muss man fahren Oder umgekehrt.

00:04:57: wenn die Spur zu alt ist soll man es lassen.

00:05:01: Aber in der Realität ist es nicht so simpel.

00:05:04: Ich lehne viele dieser Anfragen ab Nicht weil ich nicht helfen möchte, nicht weil mir das Schicksal der vermissten Person egal wäre.

00:05:14: Sondern weil die Ausgangsbedingungen manchmal so ungünstig sind dass sich einen sinnvollen Einsatz kaum vertreten kann.

00:05:22: Manchmal ist der letzte sichere Aufenthaltsort unklar oder es gibt keinen brauchbaren Geruchsartikel.

00:05:30: Manchmal wurde der Bereich bereits massiv kontaminiert.

00:05:34: Manchmal haben Wetter, Zeit-, Verkehr- und menschliche Aktivität die Lage so verändert dass kaum noch eine realistische Arbeitsgrundlage vorhanden ist.

00:05:44: Dann ist es ehrlicher das auch zu sagen Denn Angehörige verdienen Ehrlichkeit Sie verdienen keine falschen Versprechen Und sie verdienen nicht das Gefühl ein Hund könne etwas leisten das unter den gegebenen Bedingungen nahezu unmöglich ist.

00:06:02: Gleichzeitig gibt es aber Fälle, in denen ich trotz großer Skepsis zusage.

00:06:09: Nicht weil ich überzeugt bin das es funktionieren wird sondern weil ich denke auch ein Versuch mit geringer Erfolgschance bleibt ein Versuche und manchmal kann genau dieser Versuch wichtig sein Denn am Ende solcher Einsätze stehen nicht nur Hundeführer, Hunde- und Einsatzorganisationen.

00:06:30: Am Ende stehen Angehörige, Menschen die warten.

00:06:34: Menschen die hoffen.

00:06:35: Menschen, die seit Tagen oder Wochen nicht wissen was passiert ist.

00:06:40: Diese Ungewissheit ist schwer zu ertragen.

00:06:43: sie hört nicht auf.

00:06:45: Sie begleitet jeden Gedanken jede Nacht jedes Telefon klingeln jede neue Information die vielleicht doch keiner isst.

00:06:56: Und wenn es eine kleine Möglichkeit gibt, Gewissheit zu bringen, dann kann ein Versuch sinnvoll sein.

00:07:03: Aber nur unter einer Bedingung – er muss ehrlich kommuniziert werden!

00:07:10: Wenn ich einen sehr alten Einsatz übernehme, betone ich mehrfach dass es nur ein Versuchs ist nicht mehr.

00:07:20: Ich sage deutlich das die Erfolgswahrscheinlichkeit extrem gering ist.

00:07:25: Ich sage, dass der Hund keine Wunder vollbringt.

00:07:30: Ich sage das ein negatives Ergebnis nicht bedeutet, dass den Hund versagt hat und ich sage auch, dass wir möglicherweise keine verwertbaren Informationen mehr finden.

00:07:43: Das ist für mich entscheidend!

00:07:46: Denn alte Trails dürfen nicht mit Versprechen verkauft werden.

00:07:50: Sie dürfen nicht den Eindruck erwecken, als könne man nach beliebig langer Zeit einfach einen Hund ansetzen und erwarten, dass er die Antwort liefert.

00:07:59: So funktioniert es nicht!

00:08:02: Suchhunde arbeiten nicht mit Magie – sie arbeiten mit Geruch.

00:08:06: Und Geruch ist abhängig von Bedingungen, von Zeit, Wetter, Umgebung, Störungen vom Hund, vom Menschen….

00:08:15: …und vom Zusammenspiel all dieser

00:08:17: Faktoren.".

00:08:19: Deshalb gehe ich in alte Einsätze grundsätzlich vorsichtig hinein, skeptisch aber nicht hoffnungslos.

00:08:27: Offen – Aber nicht erwartungsvoll.

00:08:30: Bereit es zu versuchen, aber immer mit dem Bewusstsein?

00:08:34: Es ist ein Versuch!

00:08:37: Und genau diese Haltung ist mir wichtig, denn sie unterscheidet fachliche Verantwortung von Wunschdenken.

00:08:54: An dieser Stelle möchte ich meinen ältesten erfolgreichen Trail im Einsatz erwähnen.

00:09:00: Aber bewusst nur als Beispiel, nicht als Höhepunkt und schon gar nicht als Rekord – und ganz sicher nicht als Beweis dafür dass sieben Tage alte Trails grundsätzlich funktionieren!

00:09:16: Die vermisste Person war seit sieben Tagen verschwunden und am Ende dieses Einsatzes wurde sie gefunden.

00:09:25: Leider nicht mehr lebend.

00:09:27: Die Spur war über zwei Kilometer lang, deshalb halte ich für bloß ein Zufall für sehr unwahrscheinlich.

00:09:35: Wenn ein Hund nach wenigen Metern irgendwo hinläuft und man dort etwas findet muss man die Zufallsfrage sehr ernst nehmen.

00:09:43: Bei einer Strecke von über zwei Km wird diese Erklärung schwieriger Nicht völlig unmöglich aber deutlich schwieriger.

00:09:51: Trotzdem habe ich diesen Einsatz nie als Beweis betrachtet.

00:09:56: Für mich war es ein außergewöhnliches Zusammentreffen vieler günstiger Faktoren.

00:10:02: Vielleicht stimmte die Luftfeuchtigkeit, vielleicht war der Untergrund günstig oder es gab wenig Störungen?

00:10:10: Vielleicht spielte die Witterung genau in diesem Fall mit oder es waren viele Dinge gleichzeitig?

00:10:17: Die ehrliche Antwort lautet Ich weiß es nicht!

00:10:21: Und genau deshalb ist dieser Einsatz für mich kein Maßstab.

00:10:25: Denn das Entscheidende ist, ich konnte diesen Erfolg nie reproduzieren – nicht mit demselben Hund, nicht mit anderen Hunden, nicht in den vielen, vielen Jahren danach!

00:10:38: Nie wieder.

00:10:40: und wenn etwas nur einmal gelingt kann es beeindruckend sein?

00:10:44: Es kann berühren, es kann Fragen aufwerfen Aber wissenschaftlich betrachtet, sagt es wenig darüber aus was regelmäßig möglich ist.

00:10:56: Genau deshalb erzähle ich diesen Einsatz sehr vorsichtig!

00:11:01: Denn ich möchte nicht dass irgendjemand aus dieser Folge nur mitnimmt Oh sieben Tage alte Trails gehen also doch Das wäre die falsche Botschaft.

00:11:11: Die richtige Botschaft ist.

00:11:13: Ich habe erlebt das ein außergewöhnlicher Einzelfall möglich war.

00:11:19: Und gerade deshalb weiß ich, wie vorsichtig wir mit solchen Geschichten umgehen müssen!

00:11:26: Der Einsatz war real der Fund war real die Leistung war beeindruckend aber sie war nicht reproduzierbar und damit ist sie kein Beweis für eine allgemeine Machbarkeit.

00:11:43: Sie ist ein Beispiel dafür dass Einzelne Erlebnisse faszinieren können, aber dass wir daraus keine Regel machen dürfen.

00:12:04: Genau hier liegt für mich der Kern des Problems.

00:12:08: Viele Diskussionen über alte Trails leiden darunter das Einzelfälle als Beweis für allgemeine Fähigkeiten dargestellt werden.

00:12:17: Ein Hund hat einmal etwas Außergewöhnliches geschafft – also heißt es Hunde können das!

00:12:25: Aber so einfach ist es nicht.

00:12:27: Wir kennen dieses Phänomen aus vielen Bereichen.

00:12:30: Wenn jemand im Lotto gewinnt, beweist das nicht dass Lotto vorherrsagbar ist.

00:12:36: Es beweist nur Dass ein seltenes Ereignis eingetreten ist.

00:12:42: Der Gewinn ist real Niemand muss ihn anzweifeln aber er sagt nichts darüber aus ob man ihn wiederholen kann.

00:12:49: Genauso ist es bei außergewöhnlich alten Trails.

00:12:53: Ein einzelner Erfolg kann wahr sein, er kann dokumentiert sein.

00:12:58: Er kann ehrlich berichtet werden und trotzdem ist er noch kein Beweis für eine verlässliche Fähigkeit.

00:13:05: dafür braucht es Reproduzierbarkeit und Reproduziierbarkeit bedeutet kann ein Ergebnis wiederholt werden unter vergleichbaren Bedingungen mit demselben Hund mit anderen Hunden unter möglichst sauberer Kontrolle.

00:13:23: Erst wenn etwas wiederholt gelingt, können wir beginnen daraus belastbare Aussagen abzuleiten.

00:13:29: Das ist in der Wissenschaft selbstverständlich – ein Experiment das nur einmal funktioniert, ist spannend!

00:13:37: Aber es reicht nicht.

00:13:39: Andere müssen es überprüfen können.

00:13:42: Es muss nachvollziehbar sein, es muss wiederholbar sein.

00:13:45: Sonst bleibt es eine Beobachtung.

00:13:48: Vielleicht eine interessante?

00:13:50: Vielleicht eine wichtige?

00:13:52: Aber eben noch kein gesichertes Wissen.

00:13:55: Im Manntrailing sollten wir ähnlich denken, nicht weil wir aus jedem Training ein Labor machen müssen sondern weil wir sonst Gefahr laufen und selbst zu täuschen.

00:14:08: Wir Menschen erinnern uns an Erfolge vor allem an Spektakuläre.

00:14:14: Die Misserfolge verschwinden leichter aus dem Gedächtnis.

00:14:18: Ein außergewöhnlicher Trail wird erzählt wird oft abgehakt.

00:14:24: Dadurch entsteht schnell ein verzerrtes Bild.

00:14:28: Wir sehen die Geschichte, die funktioniert hat aber wir vergessen die vielen Versuche, die nicht funktioniert haben.

00:14:34: Gerade deshalb ist Reproduzierbarkeit so wichtig!

00:14:39: Sie schützt uns vor Überinterpretationen sie schütz den Hund vor überzogenen Erwartungen und sie schützen Angehörige- und Einsatzorganisationen vor falschen Versprechen.

00:14:52: Einmal gelungen heißt nicht immer möglich.

00:14:55: Einmal Gelungen, heißt nur unter diesen bestimmten Umständen ist es einmal gelungen und das ist ein riesiger Unterschied!

00:15:07: Um zu verstehen warum alte Trail so schwierig sind müssen wir über Geruch sprechen.

00:15:14: Viele Menschen stellen sich eine Spur wie einen unsichtbaren Abdruck vor – fast wie Fußspuren im Schnee.

00:15:21: Ein Mensch geht entlang, er hinterlässt eine Spur.

00:15:25: Der Hund folgt dieser Spur – fertig!

00:15:28: Aber Geruch ist keine feste Linie auf dem Boden.

00:15:33: Geruch is ein dynamisches System.

00:15:35: Ein Mensch verliert beim Gehen Hautschuppen.

00:15:38: Er trägt Mikroorganismen mit sich.

00:15:40: Er gibt Schweiß-, Talg- und flüchtige organische Verbindungen ab.

00:15:45: Auch Atemluft, Kleidung, Schuhe und mitgetragene Gegenstände können Informationen in die Umgebung einbringen.

00:15:53: Diese Bestandteile bleiben jedoch nicht einfach unverändert liegen – sie verändern sich!

00:15:59: Mikroorganismen arbeiten weiter Stoffe werden abgebaut Neue Abbauprodukte entstehen andere Moleküle verschwinden.

00:16:09: Wind kann Geruch verlagern Regen kann in Auswaschen verteilen oder an andere Stellen bringen.

00:16:16: Sonne und UV-Strahlung können Substanzen verändern, oder abbauen.

00:16:22: Untergrund bindet Geruch unterschiedlich.

00:16:25: Asphalt verhält sich anders als Waldboden Wiese anders als Schotter Und feuchte Boden anders als Trockener.

00:16:32: Dazu kommen mechanische Störungen.

00:16:35: Menschenlaufen über die Spur Autos fahren hindurch Tiere kreuzen dem Bereich Türen öffnen und schließen sich.

00:16:44: Luftströmungen verändern sich, Geruch bleibt also nicht einfach dort wo er einmal abgegeben wurde?

00:16:51: Er wird bewegt, verdünnt überlagert fragmentiert abgebaut Und manchmal vielleicht auch an bestimmten Stellen konzentriert.

00:17:01: Deshalb ist eine alte Spur nicht einfach eine schwächere Version einer frischen Spur.

00:17:07: Sie ist anders verändert Unvollständiger, manchmal verlagert, manchmal nur noch in Resten vorhanden.

00:17:15: Und der Hund muss mit genau diesen Restinformationen arbeiten – das ist eine enorme Leistung!

00:17:22: Aber es ist keine unbegrenzte Fähigkeit, denn irgendwann kann auch die beste Nase nur noch mit dem Arbeiten was vorhandeneist und wenn zu wenig verwehrtbare Information vorhandener ist, kann der Hund nichts finden.

00:17:38: nicht weil er schlecht Nicht weil er nicht will, sondern weil die Information fehlt.

00:17:56: Eine der häufigsten Fragen lautet – wie alt darf ein Trail sein?

00:18:01: Und ich verstehe diese Frage!

00:18:04: Wir Menschen mögen zahlen, Zahlen geben Sicherheit, vierundzwanzig Stunden, achtundvierzig Stunden und zweiundsiebzig Stunden eine Woche.

00:18:13: So eine Zahl wäre praktisch.

00:18:15: man könnte sagen bis dahin geht es aber ab dann nicht mehr.

00:18:21: So funktioniert Geruch nicht.

00:18:23: Es gibt keine magische Altersgrenze, eine Spur verschwindet nicht nach exakt vierundzwanzig oder zwanzivzig Stunden.

00:18:33: Sie verändert sich kontinuierlich und diese Veränderung hängt von den Bedingungen ab.

00:18:39: Eine relativ frische Spur kann unter schlechten Bedingung schwierig sein zum Beispiel Bei großer Hitze, bei starker UV-Strahlung, bei viel Verkehr trockenen Wind massiver Kontamination.

00:18:53: Umgekehrt kann eine ältere Spur unter günstigen Bedingungen länger verwertbare Informationen enthalten – zum Beispiel bei hoher Luftfeuchtigkeit, bei wenig Störung, bei geeigneten Untergrund stabilen Wetterbedingungen.

00:19:10: Deshalb ist die Frage nach dem Alter allein zu kurz gegriffen!

00:19:15: Wichtiger ist die Frage, unter welchen Bedingungen ist diese Spur gealtert.

00:19:21: Welche Einflüsse haben auf sie eingewirkt?

00:19:24: Wie stark wurde der Bereich verändert?

00:19:27: Wie viel Geruchsinformation könnte noch vorhanden sein und wie gut ist das Team darauf vorbereitet?

00:19:36: denn auch Hund und Mensch sind Teil dieser Gleichung.

00:19:39: Ein erfahrene Hund kann mit lückenhaften Informationen ganz anders umgehen als ein unerfahrene.

00:19:46: Einer Fahrenehundeführer erkennt Unsicherheit, Suchverhalten, Abbruchverhalten oder Richtungsentscheidungen anders als jemand der wenig Erfahrung hat und ein gutes Team kann manchmal sehr lange ruhig bleiben ohne aus Hoffnung eine Interpretation zu machen.

00:20:04: gerade bei alten Trails ist das entscheidend.

00:20:08: Nicht die Zahl alleine zählt, sondern das Gesamtbild.

00:20:23: Ich vergleiche alte Trails gerne mit einem Puzzle.

00:20:27: Bei einem frischen Trail liegen viele Puzzleteile noch auf dem Tisch.

00:20:31: Der Hund bekommt viele Informationen, viele Geruchskomponenten, viele Hinweise Viele kleine Bestätigungen entlang des Weges.

00:20:40: Das Bild ist noch relativ vollständig.

00:20:43: Je älter ein Trail wird desto mehr Teile fehlen.

00:20:47: Einige werden verändert, andere verlagert.

00:20:50: Manche sind nur noch schwach vorhanden und manche verschwinden ganz.

00:20:54: Der Hund muss dann aus weniger Information ein Bild zusammensetzen.

00:20:58: Er muss prüfen, abgleichen, suchen Entscheidungen treffen – und manchmal auch mit Unsicherheit arbeiten!

00:21:06: Das ist der Grund warum alte Trails oft anders aussehen als frische.

00:21:11: Sie sind nicht immer schnell, nicht immer klar oder schön….

00:21:14: Der Hund arbeitet vielleicht langsamer, er pendelt mehr, prüft mehr.

00:21:19: Er nimmt Bögen.

00:21:20: Er sucht nach Informationen.

00:21:22: Er verliert sie vielleicht und findet sie wieder!

00:21:26: Für den Menschen ist es schwer auszuhalten denn wir wünschen uns klare Linien, klare Entscheidungen eindeutige Signale.

00:21:35: aber alte Trills sind selten eindeutlich.

00:21:38: Sie bestehen oft als Fragmenten Und genau deshalb müssen wir als Hundeführer besonders vorsichtig sein.

00:21:45: Wir dürfen dem Hund nicht aus unserem Wunsch heraus eine Richtung geben, wir dürfen nicht jedes Zögern als Bestätigung deuten und wir dürfen aus einem umvollständigen Puzzle kein fertiges Bild erfinden.

00:21:59: Irgendwann fehlen so viele Teile das keins sinnvolles Bild mehr entsteht – wo diese Grenze liegt weiß niemand pauschal!

00:22:09: Sie liegt nicht immer an derselben Stelle.

00:22:11: Sie hängt von Umwelt, Hund, Mensch und Situation ab – aber sie existiert!

00:22:18: Und sie anzuerkennen ist kein Zeichen von Schwäche.

00:22:22: Es ist ein Zeichen der Ehrlichkeit.

00:22:34: Aus all dem folgt aber nicht dass wir alte Trails nicht trainieren sollten.

00:22:39: Ganz im Gegenteil….

00:22:41: Wir müssen sie trainieren Denn die Einsatzrealität fragt nicht nach unseren Trainingsgewohnheiten.

00:22:48: Vermisste Personen werden nicht immer sofort gemeldet, nicht immer werden Suchhunde-Teams früh alarmiert – manchmal vergehen viele Stunden, manchmal Tage!

00:23:00: Und wenn wir in der Realität mit älteren Lagen konfrontiert werden, sollten wir unsere Hunde darauf vorbereiten….

00:23:07: Was ich immer wieder sehe, ist eine Lücke zwischen Training und Einsatzwirklichkeit.

00:23:13: Trainiert werden häufig sehr frische Trails – eine halbe Stunde oder noch frischer!

00:23:20: Und dann steht ein Team plötzlich in einem Einsatz bei dem die Person seit vierundzwanzig Stunden oder länger verschwunden ist.

00:23:28: Das ist eine völlig andere Aufgabe.

00:23:31: Deshalb sollten ältere Spuren Teil des Trainings sein Nicht als Rekordjagd Nicht als Trophäe, nicht mit dem Ziel immer spektakuläre Altersangaben zu sammeln.

00:23:44: Sondern als ehrliche Vorbereitung!

00:23:47: Ein vierundzwanzig Stunden alter Trail kann bereits sehr anspruchsvoll sein.

00:23:52: Auch achtundvierzig Stunden könnten die größte Herausforderung darstellen.

00:23:58: und genau dort beginnt sinnvolles Training – nicht bei Fantasie-Zahlen sondern bei realistischen Aufgaben, die sauber gelegt, sauber dokumentiert und ehrlich ausgewertet werden.

00:24:11: Wichtig ist dabei, dass alte Trails nicht nur irgendwie funktionieren sollen – sie müssen uns Informationen liefern!

00:24:20: Wo kann der Hund noch arbeiten?

00:24:22: Wo verliert er die

00:24:23: Spur?!

00:24:25: Wie zeigt da Unsicherheit?

00:24:26: Wie zeigt er das keine verwertbare Information mehr vorhanden isst?

00:24:31: Wie reagiert der Mensch, greift er zu früh ein?

00:24:34: Schiebt er unbewusst oder kann er aushalten dass der Hund sucht prüft und vielleicht auch keinen Weg mehr findet.

00:24:43: Alte Trails sind deshalb nicht nur Training für den Hund.

00:24:47: Sie sind auch Training für Menschen, Geduld, Beobachtung, Demut Und die Fähigkeit an ehrliches Nein des Hundes zu akzeptieren.

00:25:09: Die Geschichte des klugen Hans hat genau das gezeigt.

00:25:13: Ein Tier kann scheinbar erstaunliche Leistungen zeigen, obwohl es in Wirklichkeit feinste Signale des Menschen liest.

00:25:22: Das bedeutet nicht dass der Mensch betrügt.

00:25:26: Es bedeutet nur, dass unbewusste Beeinflussung real ist.

00:25:31: Und genau deshalb brauchen wir bei spektakulären Behauptungen saubere Bedingungen.

00:25:37: Gerade in der letzten Zeit wurde die Suchhundeszene durch einen Fall erschüttert, der weit über unsere eigene Welt hinaus Aufmerksamkeit bekommen hat.

00:25:48: Plötzlich diskutierten Medien, Staatsanwaltschaften und Gerichte über dieselbe Frage, die wir uns im Training eigentlich jeden Tag stellen sollten – woher wissen wir eigentlich das ein Ergebnis stimmt?

00:26:03: Dabei Geht es aus meiner Sicht gar nicht in erster Linie um einzelne Personen.

00:26:09: Es geht um ein Grundproblem!

00:26:11: Je spektakulärer eine Behauptung wird, desto wichtiger wird ihre Überprüfbarkeit.

00:26:17: Wenn ein Hund angeblich etwas leistet das weit außerhalb dessen liegt was wir üblicherweise beobachten dann reicht Begeisterung nicht mehr aus.

00:26:27: Dazu brauchen wir nachvollziehbare Dokumentation.

00:26:31: Dann brauchen wir kritische Fragen.

00:26:33: Wir brauchen möglichst saubere Bedingungen.

00:26:37: Wenn jemand sagt, ein Hund habe eine extrem alte Spur gearbeitet dann ist die wichtigste Frage nicht Wie beeindruckend klingt das?

00:26:48: Sondern wie wurde es überprüft?

00:26:51: War es doppelblind?

00:26:52: War der Verlauf bekannt?

00:26:54: Gab es ein klares Ziel?

00:26:55: Wurde dokumentiert gab es nachvollziehbare Auswertungen?

00:27:00: und ohne solche Bedingung bleibt vieles schwer einzuordnen.

00:27:05: Nicht automatisch falsch, aber eben nicht belastbar!

00:27:10: Doppelblind ist kein Misstrauen.

00:27:13: Doppelpind ist Fairness.

00:27:15: Fairness gegenüber dem Hund weil wir seine Leistung nicht mit unseren Signalen vermischen.

00:27:22: Fairnes gegenüber uns selbst weil wir wissen wollen was wirklich passiert und Fairness gegenüber allen, die später aus diesem Ergebnis Schlüsse ziehen.

00:27:33: Nicht weil wir dem Hund misstrauen, nicht weil wir den Hundeführer misstrauern sondern weil wir Menschen sind!

00:27:41: Wir alle haben Erwartungen, wir alle haben Hoffnungen und wir alle können uns täuschen.

00:27:47: gerade bei alten Trails ist Wunschdenken gefährlich Weil wir so sehr wollen Das es funktioniert, weil wir hoffen und helfen möchten.

00:27:58: Weil wir manchmal eine Geschichte brauchen die gut ausgeht.

00:28:02: Aber der Hund darf nicht die Last unserer Hoffnung tragen.

00:28:07: Er darf nur das anzeigen was für ihn tatsächlich wahrnehmbar ist Und genau dafür brauchen wir ehrliche Rahmenbedingungen.

00:28:27: Was ist also die ehrlichste Antwort auf die Frage Wie alt kann ein Trail sein?

00:28:35: Für mich ist es keine Zahl, nicht die vierundzwanzig, nicht achtundvierzig Stunden, nicht sieben Tage, nicht zwei Wochen und ganz bestimmt nicht Jahre.

00:28:46: Die ehrlichste Antwort lautet – Es kommt darauf an!

00:28:51: Und ich weiß dass diese Antwort unbefriedigend klingt aber sie ist fachlich ehrlicher als jede scheinbar klare Zahl.

00:29:01: Es kommt auf die Umweltbedingungen an, auf Temperaturfeuchtigkeit Wind-UV-Strahlung Untergrund.

00:29:08: Störungen, mikrobielle Prozesse Auf den Hund, auf den Menschen, auf das Team und auf die Ausgangslage Und auch vieles, dass wir vielleicht bis heute nicht vollständig verstehen.

00:29:22: Mein ältester erfolgreicher Einsatz Trail war sieben Tage alt.

00:29:27: Die vermisste Person wurde gefunden.

00:29:30: Die Strecke war lang genug, dass ich Zufall für unwahrscheinlich halte.

00:29:35: Aber dieser Einsatz war niemals reproduzierbar.

00:29:41: Deshalb ist er kein Beweis!

00:29:44: Er ist eine Ausnahme – ein außergewöhnlicher Einzelfall, ein Erlebnis das mich geprägt hat aber kein Maßstab und vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft dieser Folge.

00:30:01: Alte-Trails sind faszinierend, aber Faszination ersetzt keine Überprüfung.

00:30:09: Einzelfälle sind interessant, aber sie ersetzen keine Reproduzierbarkeit – Hunde können Erstaunliches leisten!

00:30:19: Aber Sie sind keine Wunderwesen und Geruch ist kein statischer Abdruck der unbegrenzt wartet bis wir irgendwann einen Hund ansetzen.

00:30:31: Geruch verändert sich, er zerfällt.

00:30:34: Er verlagert sich, verschwindet teilweise, bleibt vielleicht in Fragmenten bestehen und der Hund arbeitet mit dem was noch vorhanden ist – nicht mit dem das wir uns wünschen.

00:30:48: Deshalb sollten wir alte Trails trainieren.

00:30:51: Ja!

00:30:52: Wir sollten uns mit ihnen beschäftigen.

00:30:55: Ja.

00:30:56: Wir sollten offen bleiben für außergewöhnliche Leistungen aber wir sollten sie Ehrlich prüfen.

00:31:03: Doppelblind dokumentiert ohne Rekorddenken, ohne Trophäen und ohne spektakuläre Versprechen Denn in der Einsatzrealität geht es nicht darum zu beweisen wie beeindruckend unsere Hunde sind.

00:31:21: Es geht darum so ehrlich wie möglich herauszufinden ob noch verwertbarer Information vorhanden ist.

00:31:28: Manchmal isst sie es Manchmal auch nicht.

00:31:32: Und beides müssen wir akzeptieren.

00:31:35: Alte Trails sind keine Märchen nur weil sie schwierig sind, aber Sie werden zu müden wenn wir aus einzelnen Geschichten allgemeine Wahrheiten machen.

00:31:46: Die Demut liegt vielleicht genau dazwischen Zu sagen ich weiß das Hunde Erstaunliches leisten können Ich weiß aber auch dass Nicht jedes erstaunliche wiederholbar ist Und deshalb bleibe ich vorsichtig, neugierig, kritisch und ehrlich.

00:32:11: Ich bin Karina Kalks und das war die Antwort auf Alles ist Geruch!

00:32:17: Die Frage bleibt...

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