Kurze Nasen
Shownotes
Kurznasige Hunde können riechen. Sie können lernen. Sie können beeindruckende Leistungen in der Nasenarbeit zeigen. Doch bedeutet das, dass sie keine Einschränkungen haben?
In dieser Folge schauen wir wissenschaftlich auf das Thema Brachyzephalie. Wir sprechen über den Zusammenhang von Atmung und Geruchswahrnehmung, erklären das brachycephale Atemwegssyndrom (BOAS), ordnen die häufig zitierte Hall-Studie ein und zeigen, warum Anatomie, Wärme und Belastung untrennbar miteinander verbunden sind.
Außerdem geht es um die Verantwortung des Menschen: Wann wird Training zum Tierschutzthema? Und warum ist die entscheidende Frage nicht, ob ein Hund etwas leisten kann, sondern was wir von ihm verlangen dürfen.
Themen dieser Folge:
- Warum Riechen ohne Luft nicht funktioniert
- Anatomische Besonderheiten brachycephaler Hunde
- BOAS verständlich erklärt
- Die Hall-Studie: Was sie zeigt – und was nicht
- Wärme als entscheidender Belastungsfaktor
- Motivation, Kompensation und physiologische Grenzen
- Wann Training zum Tierschutzproblem wird
Mehr Informationen: Karina Kalks Sachverständige für Hunde | Autorin | Mantrail Academy Austria
Buch: „Dem Geruch auf der Spur – Geruchssinn verstehen bei Hund und Mensch“
Die Frage dieser Folge: Ist die entscheidende Frage wirklich, was ein Hund leisten kann – oder was wir von ihm verlangen dürfen?
Transkript anzeigen
00:00:02: In den letzten zwanzig Jahren habe ich unzählige Hunde bei der Nasenarbeit
00:00:33: begleitet.
00:00:35: Rettungshunde, Diensthunde Familienhunde und ambitionierte
00:00:39: Sporthunde.
00:00:41: Und wenn es um kurznasige Hunde geht, höre ich immer wieder dieselben Sätze.
00:00:46: Der kann das doch!
00:00:48: Er hat Spaß dabei – der macht das freiwillig!
00:00:52: Der riecht doch trotzdem besser als wir….
00:00:55: …und irgendwann kommt fast immer noch ein weiterer Satz.
00:00:59: Es gibt auch diese Studie in der der Mops besser abgeschnitten hat als der
00:01:03: Schäferhund.".
00:01:05: All diese Aussagen haben eines gemeinsam.
00:01:08: Sie enthalten einen Warnkern, ja auch ein Mops kann riechen!
00:01:12: Ja – auch eine französische Bulldogge kann Gerüche unterscheiden?
00:01:16: Ja – Auch brachizifale Hunde können mit großer Freude Nasenarbeit
00:01:20: machen.
00:01:21: Genau deshalb ist dieses Thema so schwierig
00:01:25: Denn
00:01:26: aus der richtigen Aussage «der Hund kann das» wird sehr schnell die falsche Schlussfolgerung Der Hund hat keine Einschränkungen.
00:01:36: Doch das ist nicht dasselbe!
00:01:38: Ein Hund kann trotz seiner Einschrankung außergewöhnliches leisten, ein Hund kann Trotzschmerzen laufen, trotz Artenproblemen spielen, ein Hund kann trots Hitze weiterarbeiten
00:01:50: –
00:01:51: die entscheidende Frage lautet deshalb nicht Kann der Hund das?
00:01:56: Sondern was kostet
00:01:58: es
00:01:58: ihn?".
00:02:00: Genau diesen Unterschied übersehen wir
00:02:02: häufig.
00:02:03: Wir verwechseln Leistung mit körperlicher Unversehrtheit, wir verwechselm Motivationen mit Belastbarkeit und Hunde machen uns diesem Irrtum
00:02:12: leicht!
00:02:13: Sie wollen mitarbeiten sie wollen gefallen sie wollen erfolgreich sein.
00:02:17: viele Hunde zeigen Belastung erstaunlich spät manche so spät dass wir sie kaum noch als Wahnsignaler kennen.
00:02:26: ein Hund Der Starkhechelt gilt als aufgeregt.
00:02:30: Ein Hund, der röchelt
00:02:31: – also rassetypisch!
00:02:33: Ein Hund schnacht als niedlich und wird langsamer als bequem.
00:02:39: Doch vielleicht steckt etwas ganz anderes
00:02:42: dahinter?
00:02:43: Vielleicht bekommt dieser Hund schlechter Luft.
00:02:47: Und wenn wir über Nasenarbeit sprechen dann ist Luft keine Nebensache.
00:02:52: sie ist die Grundlage von allem.
00:02:55: Riechen funktioniert nur Wenn Geruchsmoleküle mit der Atemluft dorthin gelangen,
00:03:01: wo sie erkannt werden können.
00:03:03: Ohne ausreichenden Luftstrom gibt es keine präzise Geruchswahrnehmung.
00:03:09: Genau deshalb ist dieser Mythos so problematisch!
00:03:13: Der Satz Kurznasige Hunde haben keine Einschränkungen – klingt zunächst freundlich!
00:03:20: Niemand möchte
00:03:21: diese Hunde schlecht
00:03:22: reden.
00:03:23: Niemand will ihnen Fähigkeiten
00:03:25: absprechen
00:03:26: Und niemand möchte Halter verurteilen.
00:03:30: Aber wenn wir aus Angst vor Vorteilen die Anatomie ignorieren, helfen wir dem Hund nicht!
00:03:38: Wir schützen dann
00:03:39: nicht den Hund.
00:03:40: Wir schützen unser eigenes
00:03:42: Bild vom Hund.
00:03:43: Prachycephalie ist keine Meinung – sie ist Anatomie und Anatomie verändert sich nicht dadurch dass ein Hund motiviert
00:03:52: ist.
00:03:52: Ein verkürzter Schädel bedeutet nicht automatisch, dass jeder einzelne Hund schwer betroffen
00:03:58: ist.
00:03:59: Aber er verändert die anatomischen Voraussetzungen.
00:04:03: Die Nase ist kürzer – die oberen Atemwege können enger sein.
00:04:08: Die Nasenöffnungen können verengt sein Das Gaumensegel verlängert Der Platz im Rachen kann geringer sein.
00:04:17: All das beeinflusst den Luftstrom Und sobald Belastung hinzukommt, wird dieser Unterschied
00:04:24: wichtiger.
00:04:26: Bewegung, Aufregung, Wärme, Stress, Training, Nasenarbeit – all diese Situationen erhöhen den Bedarf an Sauerstoff
00:04:37: und Kühlung.
00:04:38: Ein Hund mit eingeschränkten Atemwegen startet deshalb unter denselben Bedingungen nicht.
00:04:50: Das bedeutet nicht, dass er nichts darf.
00:04:53: Es bedeutet aber das wir mehr Verantwortung
00:04:56: tragen
00:04:57: und genau darum
00:04:59: geht es in dieser Folge.
00:05:00: Nicht darum brache Zefale Hunde schlecht zu
00:05:03: reden,
00:05:04: nicht darum ihre Halter zu verurteilen sondern darum eine Grenze zu ziehen zwischen Begeisterung für Nasenarbeit und dem schönen Reden physiologischer Einschränkungen.
00:05:16: Denn es gibt einen Punkt an dem Motivation allein nicht mehr ausreicht.
00:05:23: Einen Punkt, an dem Ehrgeiz gefährlich werden
00:05:26: kann
00:05:27: und einen Punkt, in dem der Satz macht das doch gerne keine ausreichende Begründung
00:05:33: ist.
00:05:34: Dieser Punkt beginnt dort wo Atmung zum limitierenden Faktor
00:05:39: wird.
00:05:40: Keine Spur ist so wichtig dass sie Atemnot
00:05:43: rechtfertigt.
00:05:44: kein Trainingsziel steht über der körperlichen Integrität eines
00:05:49: Hundes.
00:05:51: Deshalb müssen wir bei diesem Thema genauer
00:05:53: hinhören.
00:05:54: Der eigentliche Mythos lautet nämlich nicht, kurznasige Hunde können nicht riechen – das wäre falsch!
00:06:02: Der eigentlichen Mythos lautet, weil sie riechnen können haben Sie keine Einschränkungen und genau das stimmt
00:06:10: nicht.
00:06:11: Ein Mops, der eine Geruchsdifferenzierungsaufgabe erfolgreich löst bleibt ein Mops mit seiner Anatomie.
00:06:19: Eine französische Bulldogge, die motiviert sucht, bleibt ein Hund dessen Artenmechanik eingeschränkt
00:06:27: sein kann.
00:06:28: Beides kann gleichzeitig wahr
00:06:30: sein.
00:06:31: Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft dieser gesamten
00:06:34: Folge
00:06:35: Ein Hund kann trotz seiner Anatomie außergewöhnliche Leistungen
00:06:40: zeigen.
00:06:41: Das beweist aber nicht
00:06:43: dass seine Anatomie keine Rolle spielt.
00:06:46: Es zeigt lediglich, wie beeindruckend Hunde darin sind Einschränkungen zu kompensieren.
00:06:52: Und genau diese Bereitschaft zur Kompensation dürfen wir niemals
00:06:57: ausnutzen!
00:06:58: Gerade im Man-Trailing gerade in der Nasenarbeit sollten wir uns deshalb immer wieder dieselbe Frage
00:07:04: stellen.
00:07:05: Arbeitet dieser Hund noch mit seinem Körper oder arbeitet er bereits
00:07:10: gegen ihn?
00:07:12: Das ist keine angenehme
00:07:13: Frage
00:07:14: aber sie ist notwendig Denn Tierschutz beginnt nicht erst dann, wenn ein Hund kollabiert.
00:07:20: Er beginnt viel
00:07:22: früher –
00:07:23: er beginnt dort wo wir erkennen dass sein Hund möglicherweise mehr leisten muss als andere um dieselbe Aufgabe zu bewältigen.
00:07:32: Deshalb sprechen wir heute über dieses Thema Nicht beschönigend, nicht dramatisierend sondern ehrlich!
00:07:58: Wenn ich in Seminaren frage, was ein Hund zum Riechen braucht höre ich fast immer dieselbe Antwort.
00:08:05: Eine gute
00:08:06: Nase –
00:08:07: natürlich stimmt
00:08:08: das
00:08:08: aber die Antwort ist unvollständig!
00:08:12: Denn bevor ein Hund überhaupt riechen kann, braucht er etwas viel grundsätzlicheres Luft.
00:08:19: vielleicht klingt das selbstverständlich?
00:08:22: Ist es aber nicht
00:08:23: Denn viele Menschen stellen sich Geruchswahrnehmung so vor, als würde die Nase Gerüche einfach registrieren wie ein Sensor der automatisch erkennt was sich in der Umgebung befindet.
00:08:36: So funktioniert Riechen
00:08:38: nicht!
00:08:39: Gerücher gelangen nicht von allein
00:08:40: in die Nese.
00:08:42: sie müssen transportiert werden und dieses Transportmittel ist die Atemluft.
00:08:48: ohne Luftstrom gelangen keine Geruchsmoleküle zur Riechschleimhaut.
00:08:53: Ohne Luftstrom erreichen sie die Richtsinneszellen
00:08:57: nicht.
00:08:58: Und ohne diese Information kann das Gehirn keinen Geruch
00:09:01: wahrnehmen.
00:09:03: Jeder Geruch beginnt deshalb mit einem Atemzug, genauer gesagt mit vielen Atemzügen
00:09:09: –
00:09:10: denn Hunde riechen völlig anders als wir Menschen!
00:09:15: Wenn wir einen Geruch
00:09:16: vornehmen möchten
00:09:17: atmen wir meist einmal bewusst ein vielleicht noch ein zweites
00:09:22: Mal.
00:09:23: Der Hund arbeitet völlig anders.
00:09:26: Wer schon einmal einem konzentriert suchenden Hund zugehört
00:09:29: hat,
00:09:30: kennt diese schnelle rhythmische
00:09:32: Schnüffeln –
00:09:33: mehrere Atemzüge pro Sekunde!
00:09:36: Warum?
00:09:37: Weil der Hund nicht mit einem einzigen Atemzug Informationen
00:09:41: sammelt.
00:09:42: Mit jedem Schnüfferzug gelangen neue Geruchsmoleküler in die Nase.
00:09:47: Das Gehirn vergleicht diese Informationen fortlaufend und erstellt daraus ein ständig aktualisiertes Bild der Geruchswelt.
00:09:56: Der Hund riecht also nicht einfach, er analysiert permanent seine Umgebung.
00:10:03: Deshalb beschreiben Wissenschaftler das Schnüffeln als eine aktive Form der Informationsgewinnung.
00:10:10: Damit dieses System funktioniert braucht der Hund vor allem eines – einen möglichst freien Luftstrom!
00:10:18: Beim Schnüffeln passiert nämlich etwas Erstaunliches.
00:10:21: Die eingeatmete Luft wird aufgeteilt, ein Teil die diente Atmung, ein anderer Teil wird gezielt in den Bereich der Riechschleimhaut geleitet wo die Geruchsmoleküle analysiert
00:10:34: werden.
00:10:35: Die Nase ist deshalb weit mehr als ein Atemorgan.
00:10:39: sie ist gleichzeitig ein hochspezialisiertes Analyseinstrument.
00:10:44: während wir Menschen nur etwa fünf bis zehn Millionen Riechsinneszellen besitzen, verfügt der Hund je nach Rasse über ein
00:10:52: Vielfaches davon.
00:10:55: Doch selbst die beste Riechschleimhaut nützt nichts wenn die Geruchsmöllerkühler sind nicht erreichen.
00:11:02: Genau deshalb sind Atmung und Geruchswahrnehmung untrennbar miteinander verbunden.
00:11:09: Verändert sich die Atmungen verändert sich automatisch auch die Geruchs-Wahrnehnung.
00:11:15: Besonders deutlich wird es, wenn ein Hund ins Hecheln gerät.
00:11:19: Jeder Hundehalter kennt diesen
00:11:21: Moment!
00:11:22: Der Hund läuft – er spielt –
00:11:24: er arbeitet
00:11:26: Die Körpertemperatur
00:11:28: steigt
00:11:29: Und irgendwann beginnt er zu hecheln.
00:11:32: Ab diesem Moment verändert sich die Priorität des Körpers.
00:11:37: Jetzt geht es nicht mehr in erster Linie um Geruch.
00:11:41: jetzt geht es ums
00:11:42: Kühlen.
00:11:43: Große Luftmengen strömen über die feuchten Schleimhäute von Maul und Rachen.
00:11:49: Wasser verdunstet, Wärme wird abgegeben
00:11:53: –
00:11:53: das ist überlebenswichtig!
00:11:56: Doch es hat einen Preis.
00:11:58: Riechen-und Kühlen nutzen dieselben
00:12:00: Atemwege.
00:12:01: Je stärker ein Hund hächelt, desto schwieriger wird gleichzeitig eine kontrollierte Geruchsanalyse.
00:12:08: Diese beiden Funktionen konkurrieren
00:12:10: miteinander.
00:12:12: Vielleicht habt ihr das selbst schon beobachtet?
00:12:15: Nach einer intensiven Belastung arbeitet ein Hund oft nicht sofort wieder präzise.
00:12:21: Er braucht einen Moment, er muss sich regulieren!
00:12:24: Er muss von der Kühlung wieder zu einer kontrollierten Nasenatmung zurückfinden.
00:12:30: Erst dann kann er Gerüche wieder so aufnehmen und analysieren wie es für anspruchsvolle Nasenarbeit notwendig
00:12:37: ist.
00:12:38: Das gilt grundsätzlich für
00:12:40: jeden Hund.
00:12:41: Der Unterschied besteht lediglich darin, wie groß die Reserven
00:12:45: sind.
00:12:46: Ein Hund mit freien Atemwegen besitzt mehr Spielraum – mehr Reserfen für Bewegung, mehr ResERFEN für Aufregungen, mehr RESERVEN für Wärme und damit auch mehr Reserven für Nasenarbeit.
00:13:01: Diese ResERVen sieht man allerdings
00:13:04: nicht!
00:13:05: Sie werden erst sichtbar wenn die Belastung
00:13:08: steigt.
00:13:09: Vielleicht Hilft ein einfacher Vergleich.
00:13:12: Stell euch zwei Autos
00:13:13: vor,
00:13:14: beide fahren hundert kmh.
00:13:17: von außen sehen sie gleich schnell aus doch während der eine Motor dafür ganz entspannt arbeitet läuft er andere bereits nahe seiner Leistungskränze.
00:13:27: so lange die Straße eben ist fällt das kaum auf.
00:13:32: kommt jedoch eine Steigung hinzu zeigt sich
00:13:36: plötzlich der Unterschied.
00:13:37: bei Hunden ist es
00:13:39: ähnlich.
00:13:40: Zwei Hunde können dieselbe Aufgabe bewältigen.
00:13:44: Die entscheidende Frage lautet aber nicht nur kann er das, sondern wie viel muss es ein Körper investieren um genau diese Leistung zu ermöglichen?
00:13:56: Wieviel Atmarbeit?
00:13:58: Wieviele Energie?
00:13:59: Wie viele Kompensation?
00:14:02: Genau deshalb greift der Satz Der Kann doch riechen wissenschaftlich zu kurz.
00:14:09: Natürlich können brachizefale Hunde riechen, viele können das sogar ausgesprochen gut.
00:14:15: Die entscheidende Frage lautet jedoch unter welchem Bedingungen über welchen Zeitraum und bei welcher Temperatur?
00:14:24: Mit welchem physiologischen Aufwand?
00:14:27: Denn Nasenarbeit besteht nicht aus einem einzigen Atemzug – sie besteht aus tausenden Atemzügen, aus kontinuierlicher Luftbewegung aus permanenter Analyse.
00:14:42: Und genau deshalb beschreibt der Satz, Riechen ist Arten weit mehr als eine Redewendung!
00:14:49: Er beschreibt die biologische Grundlage jeder Nasenarbeit.
00:14:54: Wenn wir verstehen wollen warum manche Hunde bei Belastung früher an ihre Grenzen kommen müssen wir zuerst verstehen dass Geruchswahrnehmungen niemals unabhängig von der Atmung existiert.
00:15:08: Die Nase arbeitet nicht getrennt vom Körper.
00:15:11: Sie ist Teil eines hochkomplexen
00:15:13: Systems
00:15:15: und bevor ein Hund einen Geruch analysieren kann, muss dieser Geruch überhaupt erst mit der Atemluft seine Nase erreichen.
00:15:24: Deshalb ist Luft bei der Nasenerbeit keine Nebensache
00:15:28: –
00:15:29: sie ist die Voraussetzung für alles!
00:15:43: Wenn wir eben darüber gesprochen haben, warum Luft die Grundlage jeder Geruchswahrnehmung ist kommen wir jetzt zu der entscheidenden Frage.
00:15:53: Was passiert eigentlich wenn genau dieser Luftstrom eingeschränkt
00:15:58: ist?
00:15:59: Denn genau darum geht es bei prachizefallen Hunden nicht um Motivation Ausbildung Intelligenz.
00:16:07: Es geht um
00:16:08: Anatomie
00:16:09: und Anatomie hat eine Eigenschaft die manchmal unbequem ist Sie lässt sich nicht verhandeln.
00:16:16: Sie interessiert sich nicht für unsere Meinung, nicht für Facebook-Diskussionen oder Wunschdenken
00:16:22: –
00:16:22: nicht dafür wie sehr wir einen Hund
00:16:25: lieben!
00:16:26: Der Körper folgt biologischen Gesetzen und Luft muss bei jedem Hund denselben Weg
00:16:32: nehmen.
00:16:33: Ganz gleich ob wir über ein Schäferhund einen Barmaraner oder einen Mops
00:16:38: sprechen.
00:16:40: deshalb müssen wir zunächst verstehen Was Brachycephalie überhaupt bedeutet?
00:16:46: Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich Kurzköpfigkeit.
00:16:52: Gemeint ist eine starke Verkürzung des Gesichtschädels, diese Veränderung ist das Ergebnis gezielter Zucht.
00:17:01: Über viele Generationen wurden Hunde mit immer kürzer werdenden Schnauzen
00:17:06: bevorzugt –
00:17:07: große Augen, runde Köpfe, flache Gesichter entsprachen dem, was viele Menschen als besonders niedlich
00:17:17: empfanden.
00:17:18: So entstanden Rassen wieder Mops – die französische Bulldogge, die englische Bulldorge der Bostentheria, der Pekingese oder der Shizu.
00:17:28: Doch mit der Verkürzung des Schädels entstand ein Problem.
00:17:32: Die Knochen wurden kürzer und die Weichteile jedoch nicht im gleichen Ausmaß.
00:17:37: Vielleicht hilft hier ein einfaches Bild!
00:17:41: Stellt euch vor ihr verkleinert ein Wohnzimmer auf die Hälfte seiner ursprünglichen Größe.
00:17:47: Das Sofa bleibt aber gleich
00:17:49: groß,
00:17:50: der Ess-Tisch bleibt
00:17:52: gleich groß.
00:17:54: Die Schränke bleiben ebenfalls gleich groß – die Möbel verschwinden nicht.
00:18:00: Sie müssen sich plötzlich nur deutlich weniger Platz
00:18:03: teilen.
00:18:05: Genau das passiert vereinfacht gesagt bei vielen brachizifalen
00:18:09: Hunden.
00:18:10: Der knöcherner Schädel wird kürzer, der Raum wird kleiner.
00:18:16: Doch Zunge-Gaumensäge Schleimhäute und andere Weichteile müssen weiterhin in diesem begrenzten Raum passen.
00:18:24: Dadurch entstehen
00:18:25: Engstellen –
00:18:27: und genau diese Engstellen sind das eigentliche Problem!
00:18:31: Dabei geht es nicht um einzelne Veränderungen.
00:18:35: Viel häufiger treffen mehrere Veränderung gleichzeitig aufeinander.
00:18:40: Und
00:18:40: sie addieren sich.
00:18:42: Das beginnt oft schon ganz vorne, bei den Nasenlöchern.
00:18:47: Tierärzte sprechen von stenotischen Nasenläuchern – der Begriff klingt kompliziert!
00:18:53: Gemeint sind schlicht verengte Naseneingänge.
00:18:57: Die Öffnungen durch die jeder einzelne Atemzug strömen muss sind kleiner als bei einem normalproportionierten
00:19:05: Hund.
00:19:06: Viele Menschen nehmen das gar nicht mehr wahr weil sie sich an das Erscheinungsbild dieser Rassen gewöhnt
00:19:12: haben.
00:19:13: Doch wenn wir uns bewusst machen, dass jeder Atemzug durch diese vergleichsweise kleine Öffnung gelangen muss wird schnell klar hier beginnt der Widerstand gegen den Luftstrom und das nicht nur beim Spielen oder Arbeiten sondern bei jedem einzelnen
00:19:30: Atemzug
00:19:31: tagsüber nachts
00:19:33: im Schlaf
00:19:35: ein Leben lang.
00:19:37: Doch damit ändert die Veränderung nicht.
00:19:40: Auch innerhalb der Nasenhöhler können die Platzverhältnisse
00:19:43: verändern.
00:19:45: Die Nasengänge können enger sein, die Luft kann weniger ungehindert strömen.
00:19:50: und schließlich erreichen wir einen Bereich über den besonders häufig gesprochen
00:19:54: wird –
00:19:54: das verlängerte Gaumensegel.
00:19:57: Das Gaumensägel ist ein weiches Gewebe im hinteren Bereich des Gaumends.
00:20:03: Bei vielen brachezefallen Hunden ist es im Verhältnis zu verkürzten Schädel zu lang oder zu
00:20:09: voluminös.
00:20:11: Es ragt dadurch weiter in den Rachen hinein und kann den Luftstrom zusätzlich behindern, die Folge kennen viele Menschen
00:20:19: –
00:20:20: Röcheln, schnaufen, grunzen, schnachen!
00:20:24: Und genau hier möchte ich einen Moment innehalten, denn an diesem Punkt passiert etwas Erstaunliches Nicht mit den Hunden, sondern mit uns
00:20:35: Menschen.
00:20:36: Fragen wir jemanden?
00:20:38: Ist lautes Röcheln beim Atmen bei einem Labrador
00:20:41: normal?
00:20:43: So lautet die Antwort fast immer?
00:20:45: Nein!
00:20:46: Fragen wir dasselbe über einen Barmaraner oder einen Schäferhund?
00:20:52: Wieder lautet der Antwort nein!
00:20:55: Fragen we jedoch nach einem Mops oder einer französischen Bulldogge hören wie häufig Das ist halt typisch für die Rasse.
00:21:05: Und genau das ist der Denkfehler!
00:21:08: Typisch bedeutet nicht gesund, häufig bedeutet Nicht normal und Gewöhnung verändert nicht die Physiologie.
00:21:18: Vielleicht ist das einer der wichtigsten Gedanken dieser gesamten
00:21:22: Folge?
00:21:23: Wir Menschen gewöhnen uns erstaunlich schnell an Dinge, die wir täglich erleben – ein Hund, Ein Hund, der beim Spazier gehen ständig
00:21:34: räuchelt.
00:21:35: Ein Hund , der schon nach kurzer Belastung laut
00:21:38: atmet.
00:21:39: Wenn wir das jeden Tag hören erscheint es irgendwann normal.
00:21:45: Doch der Körper
00:21:46: kennt
00:21:47: keine Gewöhnungen.
00:21:49: Lüfter zeugt Geräusche immer dann wenn sie auf Widerstände
00:21:53: trifft
00:21:54: Genau wie Wind lauter wird, wenn er durch eine enge Gasse strömt.
00:21:59: Je enger der Durchgang desto größer die Turbulenzen, je größer der Turbulenz, desto mehr Arbeit kostet jeder Atemzug.
00:22:10: Und genau dieser zusätzliche Atemaufwand begleitet viele brachizifale Hunde nicht nur beim Sport sondern häufig schon in Ruhe beim Schlafen, beim Spazieren gehen, beim ganz normalen Alltag!
00:22:25: Vielleicht versteht ihr jetzt warum Tierärzte heute immer häufiger von BOAS
00:22:32: sprechen.
00:22:33: BOAS ist die Abkürzung für Prachencephalik Obstruktiv-RW-Syndrom, auf Deutsch prachencefalis obstruktives Atemwegsyntrum.
00:22:46: Der Begriff klingt zunächst wie eine einzelne Erkrankung – das ist er aber
00:22:52: nicht!
00:22:53: BOAS beschreibt vielmehr das Zusammenspiel verschiedener anatomischer Veränderungen die den Luftstrom
00:23:00: behindern können.
00:23:03: Dazu gehören unter anderem verengte Nasenlöcher, ein verlängertes Gaumensegel Veränderungen im Bereich des Kehlkopfers und weiterer Engstellen der oberen Atemwege.
00:23:15: Nicht jeder brachizifale Hund entwickelt ein ausgeprägtes BOAis.
00:23:21: Es gibt Hunde mit nur leichten Veränderung Und es gibt Hunden mit massiven Einschränkungen.
00:23:28: BoAS ist deshalb kein schwarz-weiß Thema.
00:23:32: Es ist
00:23:33: ein Spektrum,
00:23:35: doch unabhängig davon bleibt ein biologischer Zusammenhang bestehen.
00:23:40: Je schwieriger Luft durch die Atemwege strömen kann, desto mehr Arbeit muss der Körper leisten und genau das begleitet uns durch den gesamten Rest dieser Folge.
00:23:51: Denn Atmung beeinflusst nicht nur die Sauerstoffversorgung
00:23:55: – sie beeinflußt die Kühlung
00:23:58: die Belastbarkeit,
00:23:59: die Erholung,
00:24:01: die Schlafqualität und schließlich auch die Nasenarbeit.
00:24:06: Denn bevor ein Hund riechen
00:24:08: kann
00:24:09: muss er zunächst einmal genügend Luft
00:24:11: bewegen können.
00:24:25: Das gefährlichste an vielen gesundheitlichen Einschränkungen ist nicht dass sie plötzlich auftreten sondern das wir lernen Sie für normal
00:24:35: zu halten.
00:24:36: wenn ein Hund lahmt bemerken wir das meist sofort.
00:24:40: Wenn er eine Wunde hat,
00:24:41: sehen wir sie.
00:24:43: Wenn er Schmerzen zeigt reagieren wir.
00:24:46: mit der Atmung ist das
00:24:47: anders.
00:24:48: Sie läuft ständig im Hintergrund
00:24:50: Tag
00:24:51: und
00:24:51: Nacht
00:24:52: Und genau deshalb fällt sich uns irgendwann nicht mehr auf.
00:24:56: Unser Gehirn funktioniert so.
00:24:58: Es blendet Dinge aus die ständig vorhanden
00:25:01: sind.
00:25:02: Wer neben einer Bahnstrecke wohnt hört die Züge irgendwann
00:25:05: kaum noch
00:25:07: Nicht weil sie leiser geworden wären, sondern weil das Gehirn sie nicht mehr als wichtig
00:25:12: einstuft.
00:25:13: Dasselbe passiert häufig bei brachizifalen
00:25:16: Hunden.
00:25:17: Das Röcheln wird normal, das Schnachen wird
00:25:19: normal.
00:25:21: Das starke Hächeln
00:25:22: werden normal!
00:25:23: Die Atengeräusche gehören irgendwann einfach zum
00:25:26: Hund
00:25:27: und genau darin liegt die Gefahr denn Gewöhnung verändert unsere Wahrnehmung
00:25:31: –
00:25:32: nicht aber die Physiologie.
00:25:34: Ein Hund atmet nicht leichter, weil wir seine Artengeräusche seit Jahren hören.
00:25:40: Ein Hund bekommt nicht mehr Luft, weil Wir sein Röcheln für Rassetypisch
00:25:44: halten
00:25:45: und ein Hund schnacht nicht deshalb laut, weil er besonders tief schläft.
00:25:50: Luft erzeugt Geräusche immer dann wenn sie auf Widerstände
00:25:54: trifft.
00:25:55: Vielleicht hilft deshalb eine einfache
00:25:57: Frage
00:25:58: würden wir dieselben Artengeräusche bei einem Laborator oder einem Schäferhund ebenfalls als normal
00:26:04: bezeichnen.
00:26:05: Wahrscheinlich nicht!
00:26:07: Warum also bei einem
00:26:08: Mops?
00:26:10: Weil wir uns daran gewöhnt haben
00:26:13: Und genau deshalb ist dieses Thema emotional.
00:26:16: Niemand hört gern, dass ein Hund den er liebt möglicherweise gesundheitliche Einschränkungen
00:26:20: hat.
00:26:21: Das ist menschlich
00:26:23: Aber genau deshalb müssen wir darüber sprechen Denn viele Probleme beginnen lange, bevor ein Hund Sicht war leidet.
00:26:30: Nicht mit einem Kollaps nicht mit einem Notfall sondern viel
00:26:34: früher.
00:26:36: Dort wurde Körper beginnt zu kompensieren.
00:26:39: Kompensation bedeutet dass der Körper versucht eine Einschränkung
00:26:43: auszugleichen.
00:26:45: Er arbeitet härter er nutzt Reserven er passt sich
00:26:48: an.
00:26:49: von außen kann das erstaunlich unauffällig aussehen.
00:26:53: Ein Hund
00:26:53: frisst, er spielt, er sucht,
00:26:55: er arbeitet.
00:26:56: Und trotzdem muss sein Körper möglicherweise deutlich mehr leisten als der eines anderen
00:27:01: Hunters.
00:27:02: Genau das sehen wir oft
00:27:04: nicht!
00:27:05: Vielleicht wirkt ein Hund einfach gemütlich?
00:27:08: Vielleicht legt er häufiger Pausen ein?
00:27:10: Vielleicht meidet er die Hitze?
00:27:13: Vielleicht sucht er früher den Schatten und vielleicht denken wir – so ist er eben….
00:27:19: Doch vielleicht erzählt uns sein Körper eine ganz andere
00:27:23: Geschichte.
00:27:24: Vielleicht ist das
00:27:25: keine
00:27:25: Persönlichkeit, vielleicht ist es Physiologie?
00:27:30: Besonders deutlich wird das bei
00:27:31: Wärme!
00:27:32: Hitze erschafft das Problem nicht – sie macht es sichtbar.
00:27:36: Ein Hund kann an kühlen Tagen erstaunlich gut kompensieren.
00:27:40: Doch mit steigender Temperatur werden seine Reserven kleiner.
00:27:44: Er hächelt früher und braucht länger zur Erholung.
00:27:48: Er wird schneller müde.
00:27:50: Nicht weil ihm der Wille
00:27:51: fehlt,
00:27:52: sondern weil sein Körper mehr arbeiten
00:27:55: muss.
00:27:56: und genau das lässt sich nicht trainieren.
00:27:59: Training verbessert Muskulatur, training verbessert Ausdauer, verbessert Erfahrung.
00:28:06: aber Training
00:28:07: verändert keine Anatomie.
00:28:10: Es macht keinen Nasenlöcher größer und es erweitert keinen Rachen und es verkürzt auch kein verlängertes Gaumensegel.
00:28:20: Deshalb dürfen wir Belastung nicht danach beurteilen, ob ein Hund weitermacht.
00:28:25: Hunde machen erstaunlich lange weiter!
00:28:28: Die entscheidende Frage lautet viel mehr – wieviel
00:28:32: kostet in das?
00:28:34: Wieviel zusätzliche Artenarbeit?
00:28:37: Wieviele Energie?
00:28:38: Wie viele Kompensationen?
00:28:41: Denn
00:28:41: Belastungen beginnt nicht erst beim Zusammenbruch.
00:28:45: Sie beginnt oft dort, wo ein Hund jeden Tag einen wenig mehr leisten muss
00:28:50: als andere.
00:28:51: Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieses Kapitels?
00:28:57: Kompensation ist kein Zeichen dafür dass kein Problem
00:29:00: besteht.
00:29:02: Kompensation ist oft der beste Hinweis darauf was eines vorhanden
00:29:06: ist
00:29:08: und genau deshalb beginnt Tierschutz nicht erst im Notfall.
00:29:12: Er beginnt dort, wo wir lernen die leisen Signale wahrzunehmen.
00:29:17: Dort wo wir aufhören Artengeräusche als normal abzutun und dort wo wir verstehen dass Gesundheit nicht daran zu erkennen ist wie lange ein Hund
00:29:29: durchhält
00:29:30: sondern daran wie wenig sein Körper dafür kämpfen
00:29:34: muss.
00:29:46: Wenn man überbrachizefale Hunde-und Nasenarbeit diskutiert Dauer des meist nicht lange bis eine bestimmte Studie erwähnt
00:29:55: wird.
00:29:56: Vielleicht kennt ihr den
00:29:57: Satz,
00:29:58: aber es gibt doch diese Studie in der Möpse besser abgeschnitten haben als Schäferhunde.
00:30:04: Manchmal wird sogar behauptet damit ist doch bewiesen dass Möbse genauso gut oder sogar besser riechen.
00:30:13: die Studie gibt es tatsächlich und genau deshalb lohnt es sich sie genauer an zu
00:30:19: sehen
00:30:20: um sie zu widerlegen, sondern um sie richtig zu
00:30:23: verstehen.
00:30:25: Denn Wissenschaft beantwortet immer nur die Frage, die tatsächlich untersucht
00:30:29: wurde –
00:30:30: nicht die Frage ,die wir gerne beantworten
00:30:33: hätten!
00:30:34: Die Heilstudie aus dem Jahr twenty-fünfzehn untersuchte ob Möpse, deutsche Schäferhunde und Greyhounds eine Geruchsdifferenzierungsaufgabe lösen
00:30:44: können.
00:30:46: Die Hunde mussten lernen, bestimmte Gerüche zuverlässig zu unterscheiden Und genau das konnten die Bömser hervorragend, teilweise sogar besser als die Schäferhunde.
00:30:58: Das ist ein wissenschaftliches Ergebnis und daran gibt es nichts zu diskutieren – die eigentliche Frage lautet jedoch was bedeutet dieses Ergebnis?
00:31:08: Die Antwort ist überraschend
00:31:10: einfach!
00:31:11: Die Studie zeigt Möpse können Gerüche
00:31:14: unterscheiden.
00:31:15: Möpse können Geruchsaufgaben lernen.
00:31:18: Möbse können unter diesen Versuchsbedingungen hervorragende Leistungen erbringen.
00:31:24: Mehr zeigt sie zunächst einmal
00:31:26: nicht,
00:31:28: denn Sie untersuchte weder Man-Trailing noch Personensuche.
00:31:32: Sie untersucht keine langen Suchstrecken, keine Arbeit bei Hitze, keine körperliche Belastung, keine Atemmechanik und auch kein brachizifales Atemwegsyndrom.
00:31:43: mit anderen Worten Die Studie beantwortet ausschließlich die Frage, die sie gestellt hat.
00:31:50: Nicht mehr – aber auch nicht weniger!
00:31:54: Der Denkfehler entsteht erst danach.
00:31:57: Denn aus der Aussage «der Mops löst diese Geruchsaufgabe erfolgreich» wird plötzlich «der Mobs hat keine anatomischen Nachteile».
00:32:07: Doch genau das wurde nie untersucht.
00:32:10: Vielleicht hilft
00:32:11: ein einfaches Beispiel?
00:32:13: Stellen wir uns zwei Menschen
00:32:15: vor,
00:32:15: beide lösen erfolgreich ein schwieriges Kreuzworträtsel.
00:32:19: Einer davon hat
00:32:20: Asthma!
00:32:22: Was beweist das?
00:32:23: Dass beide ein Kreuzwortsrätzel lösen
00:32:26: können –
00:32:27: was beweist es nicht dass beide dieselbe Lungenfunktion
00:32:31: besitzen?
00:32:33: Genau derselbe Denkfehler passiert hier.
00:32:37: Die Fähigkeit, eine Geruchsaufgabe erfolgreich zu
00:32:40: lösen,
00:32:41: sagt zunächst nichts darüber aus wie effizient das Atmungssystem unter Belastung
00:32:46: arbeitet.
00:32:47: Interessant ist übrigens auch ein anderer Befund dieser Studie – die Greyhounds schnitten vergleichsweise schlecht
00:32:54: ab!
00:32:55: Nicht weil sie keinen Geruch wahrnehmen
00:32:57: konnten
00:32:58: sondern weil Motivation Konzentration und Arbeitsstil die Ergebnisse beeinflussten.
00:33:05: Das zeigt etwas Grundsätzliches.
00:33:08: Solche Studien messen nie ausschließlich den Geruchshin, sie messen immer ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren
00:33:16: –
00:33:17: der Hund muss motiviert sein,
00:33:19: er muss lernen
00:33:20: und konzentriert bleiben und mitarbeiten
00:33:23: wollen!
00:33:24: Deshalb wäre die Aussage… Der Greyhound riecht schlechter genauso falsch wie «der Mops hat die bessere Nase».
00:33:33: Beides lässt sich aus dieser Studie nicht ableiten.
00:33:37: Und genau hier wird es spannend,
00:33:39: denn
00:33:39: Wissenschaft entwickelt sich weiter!
00:33:42: Während die Hallstudie eine Frage zur Geruchsdifferenzierung beantwortet, beschäftigen sich neue Arbeiten mit einer ganz anderen Fragestellung
00:33:51: –
00:33:51: sie untersuchen die Atemfunktion.
00:33:54: Eine ... ... veröffentlichte Studie vergleicht die Atenmechanik klinisch unauffälliger französischer Bulldoggen mit Dobermännern und passen Rasselterien.
00:34:08: Gemessen wurde mithilfe der barometrischen Ganzkörper-Pletysmographie, einer Methode, mit der sich Luftströme und Atmarbeit objektiv erfassen
00:34:17: lassen.
00:34:19: Das Ergebnis ist bemerkenswert – selbst klinische unaufwellige französe Bulldogs unterschieden sich in mehreren Parametern der
00:34:27: Artenmechanik
00:34:29: unter anderem beim maximalen Ein- und Ausatmen Luftstrom, sowie beim Verhältnis von
00:34:35: ein zu Ausatmung.
00:34:37: Dabei ist besonders wichtig was die Autoren ausdrücklich nicht
00:34:42: behaupten!
00:34:43: Sie sagen nicht dass jede französische Bulldogge krank
00:34:47: ist.
00:34:48: sie sagen nicht das jeder dieser Hunde schlechter
00:34:51: atmet.
00:34:52: Sie zeigen lediglich dass sich die Atemechanik objektiv messen lässt und dass unterschiedliche Schädeltypen auch funktionell Unterschiede aufweisen
00:35:01: können.
00:35:03: Und genau deshalb widersprechen sich diese beiden Studien überhaupt nicht!
00:35:08: Sie beantworten schlicht zwei verschiedene Fragen, die Halsstudie erfragt kann ein Hund eine Geruchstifferenzierungsaufgabe lösen?
00:35:17: Die neuere Studie fragt wie effizient funktioniert seine Artenmechanik?
00:35:24: Beides kann gleichzeitig richtig sein.
00:35:27: Ein Hund kann eine Geruchsaufgabe hervorragend
00:35:31: lösen
00:35:32: und dennoch anatomisch bedingte Unterschiede in seiner Atemfunktion besitzen.
00:35:37: Vielleicht ist genau das eines der wichtigsten Regeln wissenschaftlichen Denkens?
00:35:43: Wenn zwei Studien scheinbar unterschiedliche Aussagen treffen, sollte die erste Frage niemals lauten, welche Studie?
00:35:50: er hat recht – sondern haben beide überhaupt dieselbe Frage untersucht!
00:35:57: Erst wenn wir verschiedene Studien gemeinsam betrachten, entsteht ein vollständigeres Bild.
00:36:03: Genauso funktioniert Wissenschaft!
00:36:06: Nicht eine einzelne Untersuchung liefert die Wahrheit?
00:36:10: Jede Studie beleuchtet nur einen Teil der Realität.
00:36:15: Erst das Gesamtbild erlaubt belastbare Schlussfolgerungen und dieses Gesamt-Bild ist heute erstaunlich klar.
00:36:23: Brachizefalehunde können beeindruckende Leistungen in der Nasenarbeit
00:36:28: zeigen.
00:36:30: Gleichzeitig können sie anatomisch bedingte Unterschiede in ihrer Art und Mechanik
00:36:35: aufweisen.
00:36:37: Diese Aussagen widersprechen
00:36:38: sich nicht, sie ergänzen sich!
00:36:41: Vielleicht zeigt uns die Heilstudie sogar etwas viel beeindruckenderes
00:36:46: –
00:36:47: Nicht dass Anatomie bedeutungslos
00:36:49: wäre
00:36:51: sondern wir erstaunlich gut Hunde-Einschränkungen kompensieren.
00:36:56: Das verdient
00:36:57: Respekt.
00:36:59: Es ist aber kein Beweis dafür, dass diese Einschränkungen nicht existieren – vielleicht bleibt deshalb nur ein einziger Satz aus diesem Kapitel hängen!
00:37:10: Eine Studie kann zeigen, das ein Hund trotz seiner Anatomie eine Aufgabe hervorragend
00:37:15: löst.
00:37:17: Sie kann aber nicht beweisen, dass Anatomie plötzlich keine Rolle mehr
00:37:21: spielt.
00:37:34: Bisher
00:37:35: haben wir
00:37:36: über Anatomie gesprochen, über Luft,
00:37:38: Überatmung, über Geruch.
00:37:41: Jetzt
00:37:41: kommt der Moment
00:37:43: in dem all diese Themen zusammenlaufen
00:37:45: – Wärme!
00:37:47: Denn Wärmen erschafft das Problem nicht.
00:37:50: Sie macht es sichtbar.
00:37:52: an Kühlentagen kann der Körper vieles ausgleichen.
00:37:55: Er besitzt Reserven er kompensiert.
00:37:58: kleinere Einschränkungen fallen oft
00:38:00: kaum auf.
00:38:02: steigt jedoch die Temperatur Verändern sich die Anforderungen an den Organismus grundlegend.
00:38:09: Jetzt reicht es nicht mehr Sauerstoff aufzunehmen, jetzt muss der Körper zusätzlich Wärme abgeben.
00:38:16: und genau hier beginnt das eigentliche Problem.
00:38:20: Menschen können nahezu am gesamten Körper schwitzen.
00:38:23: Die Verdunstung auf der Haut sorgt für eine sehr effektive Kühlung.
00:38:28: Hunde besitzen dieses System
00:38:30: nicht.
00:38:31: Die wenigen Schweißdrösen an dem Pfoten spielen für die Temperaturregulation kaum eine
00:38:37: Rolle.
00:38:38: Ihr wichtigstes Kühlsystem heißt
00:38:41: Heching.
00:38:42: Hecheln ist deshalb kein Zeichen von
00:38:44: Schwäche,
00:38:45: es ist überlebenswichtig!
00:38:48: Der Hund bewegt dabei große Luftmengen über die feuchten Schleimhäute von Maul und
00:38:53: Rachen.
00:38:54: Wasser verdunstert, dabei wird Wärme
00:38:57: abgeführt.
00:38:58: Je effizienter Luft strömen kann, desto besser funktioniert dieses Kühlsystem.
00:39:05: Und genau hier zeigt sich die Bedeutung der Anatomie Denn wenn die Atemwege bereits durch verengte Nasenlöcher
00:39:12: ein
00:39:13: verlängertes Gaumensegel oder andere Veränderungen eingeschränkt sind muss der Hund für dieselbe Kühlleistung deutlich mehr
00:39:21: arbeiten.
00:39:23: Vielleicht kann man es so ausdrücken Wärme ist der Stresstest der Anatomie.
00:39:30: Unter normalen Bedingungen fallen kleine Unterschiede oft kaum
00:39:34: auf
00:39:35: und unter Hitze werden sie plötzlich sichtbar, Der Hund wird wärmer er muss stärker hächeln.
00:39:42: dadurch steigt wiederum die Atemarbeit Und diese zusätzliche Arbeit produziert erneut Wärme.
00:39:50: Es entsteht ein Kreislauf aus dem sich der Körper nur schwer befreien
00:39:54: kann.
00:39:56: Viele Hunde können das erstaunlich lange kompensieren, aber ihre Reserven sind nicht umbegrenzt.
00:40:03: Deshalb geraten bei hohen Temperaturen häufig zuerst jene Hunde an ihre Grenzen, deren Kühlsystem ohnehin weniger Spielraum besitzt.
00:40:13: Dabei müssen wir einen wichtigen Irrtum vermeiden
00:40:16: –
00:40:17: ein Hund muss nicht kollabieren damit bereits ein Problem
00:40:20: besteht!
00:40:22: Physiologie kennt keine scharfe Grenze zwischen Gesund und
00:40:26: Notfall.
00:40:28: Belastung beginnt lange vorher, und genau deshalb ist Hitze so
00:40:32: tückisch!
00:40:34: Die meisten Hunde warnen uns nicht
00:40:36: – sie
00:40:36: arbeiten weiter, sie suchen weiter, Sie möchten gefallen.
00:40:40: Sie möchten mit Ihrem Menschen zusammenarbeiten.
00:40:43: Und genau deshalb liegt die Verantwortung nicht beim Hund sondern bei uns.
00:40:48: Gerade im Man-Trailing wird dieser Punkt häufig unterschätzt.
00:40:53: Viele betrachten Nasenarbeit als besonders schonende Beschäftigung.
00:40:58: Verglichen mit vielen anderen Sportarten stimmt das durchaus, aber Nasenarbeit ist keineswegs belastungsfrei
00:41:06: –
00:41:07: der Hund bewegt sich, er verarbeitet permanent Geruchsinformationen, er konzentriert sich und gleichzeitig muss er seine Körpertemperatur regulieren.
00:41:17: damit geraten zwei lebenswichtige Funktionen in Konkurrenz Riechen
00:41:23: und kühlen.
00:41:24: Beides benötigt denselben Luftstrom.
00:41:28: Je stärker ein Hund hächelt, desto mehr verschiebt sich die Priorität seines Körpers.
00:41:33: Jetzt geht es nicht mehr in erster Linie um Geruch jetzt geht es ums
00:41:38: Kühlen.
00:41:39: Viele Hundeführer kennen dieses Bild.
00:41:42: Ein stark hächelnder Hund arbeitet plötzlich weniger präzise.
00:41:46: Er verliert Informationen Nicht weil seine Nase schlechter geworden wäre, sondern weil sein Körper gerade ein anderes Problem lösen
00:41:58: muss.
00:41:59: Das betrifft grundsätzlich jeden Hund!
00:42:02: Der Unterschied besteht lediglich darin wann dieser Punkt erreicht
00:42:07: wird.
00:42:08: Ein Hund mit freien Atemwegen besitzt größere Reserven
00:42:12: –
00:42:13: ein Hund mit eingeschränkter Atemechanik erreicht dieselbe Grenze oft deutlich
00:42:19: früher.
00:42:21: Deshalb ist Hitze kein eigenständiges Problem, sie ist der Verstärker eines bereits vorhandenen Problems.
00:42:29: Vielleicht kennt ihr die typischen Bilder?
00:42:31: Der Mops, der schon im Schatten massiv
00:42:34: hechelt!
00:42:35: Die französische Bulldogge, die sich nach kurzer Belastung kaum
00:42:39: erholt.
00:42:41: Viele Menschen sehen das so häufig dass es normal erscheint doch häufig bedeutet nicht gesund.
00:42:48: Hitze macht lediglich sichtbar, was vorher bereits vorhanden war.
00:42:52: Und genau deshalb empfehlen Tierärzte für brachizefale Hunde besondere Vorsicht bei hohen Temperaturen – nicht weil diese Hunde weniger motiviert werden, nicht weil sie weniger leisten möchten sondern weil ihre physiologischen Reserven häufig kleiner sind.
00:43:11: Gerade deshalb tragen wir als Hundeführer eine besondere Verantwortung!
00:43:17: Nicht der Hund entscheidet,
00:43:18: wann trainiert wird.
00:43:20: Nicht der Hunde entscheidet über Außentemperatur
00:43:24: oder Traillänge –
00:43:26: das tun wir!
00:43:28: Vielleicht sollten wir uns deshalb vor jeden Training eine einfache
00:43:31: Frage stellen?
00:43:34: Arbeitet dieser Hund noch weil sein Körper genügend Reserven besitzt?
00:43:39: Oder arbeitet er nur noch, weil seine Motivation größer ist als seine körperlichen Möglichkeiten?
00:43:47: Das ist ein entscheidender Unterschied, denn Motivation schützt nicht vor Überhitzung.
00:43:53: Sie schützt nicht vor Atemnot und sie hebt Anatomie nicht auf!
00:43:59: Vielleicht führt uns genau das zum Kern dieser gesamten
00:44:03: Folge.
00:44:04: Wenn wir über brachizifale Hunde sprechen,
00:44:06: sprechen wir nicht
00:44:07: über mangelnden Willen.
00:44:09: Wir sprechen über Luft,
00:44:11: über Kühlung,
00:44:12: über Belastbarkeit und über Verantwortung Denn keine Spur ist so wichtig, dass sie Atemnot
00:44:21: rechtfertigt.
00:44:22: Kein Training ist so richtig, dass es eine Überhitzung rechtfertigte.
00:44:28: und genau dort beginnt Tierschutz
00:44:30: –
00:44:31: nicht erst beim Hitschlag sondern in dem Moment, indem wir erkennen das ein Hund möglicherweise mehr gibt als sein Körper dauerhaft leisten
00:44:41: sollte.
00:44:55: Wenn man Über die gesundheitlichen Einschränkungen brach Ezefallerhunde, spricht Dauer des meist nicht lange bis ein bestimmtes Argument kommt.
00:45:04: Vielleicht ist es sogar das häufigste überhaupt?
00:45:08: Aber meiner macht das seit Jahren oder
00:45:11: mein Mops läuft zehn Kilometer!
00:45:15: Meine französische Bulldogge trellt
00:45:17: seit Jahren.
00:45:19: Mein Hund liebt das.
00:45:21: Mein Hund hatte noch nie
00:45:23: Probleme
00:45:25: und wisst ihr was?
00:45:26: Vielleicht stimmt das alles.
00:45:28: Vielleicht ist dieser Hund tatsächlich außergewöhnlich fit?
00:45:32: Vielleicht arbeitet er mit großer Begeisterung, vielleicht besitzt er deutlich mehr Reserven als viele andere Hunde?
00:45:39: Nichts davon möchte ich bestreiten!
00:45:41: Die entscheidende Frage lautet nur... Was beweist
00:45:44: das?!
00:45:45: Denn genau hier machen wir Menschen einen Denkfehler der uns überall begegnet.
00:45:51: Wir lieben Einzelfälle.
00:45:53: Sie haben Gesichter Geschichten Emotionen, Biologie dagegen ist Nüchtern.
00:46:00: Und genau deshalb überzeugen uns persönliche Geschichten oft schneller als wissenschaftliche Zusammenhänge.
00:46:07: Dabei gilt ein einfacher Grundsatz.
00:46:11: Ein Einzelfall widerlegt keine biologische Regel
00:46:15: –
00:46:16: vielleicht hilft ein Beispiel!
00:46:19: Es gibt Menschen die ihr ganzes Leben rauchen und trotzdem für nur neunzig Jahre alt
00:46:24: werden….
00:46:25: Solche Menschen existieren.
00:46:27: Beweist das, dass Rauchen ungefährlich ist?
00:46:31: Natürlich nicht!
00:46:33: Es zeigt lediglich, dass einzelne Menschen außergewöhnlich gut kompensieren
00:46:37: konnten.
00:46:39: Genau derselbe Denkfehler passiert häufig bei brachizefallen
00:46:43: Hunden.
00:46:44: Ein einzelner Hund kann außergewönlich leistungsfähig
00:46:48: sein.
00:46:49: Er kann
00:46:50: hervorragend trainiert sein oder vergleichsweise milde anatomische Veränderungen besitzen.
00:46:57: Er kann mehr leisten als viele andere Hunde, doch daraus folgt nicht das Anatomie plötzlich keine Rolle mehr
00:47:04: spielt.
00:47:05: Vielleicht übersehen wir deshalb häufig den entscheidenden
00:47:08: Unterschied?
00:47:10: Wir betrachten das Ergebnis
00:47:11: –
00:47:12: nicht den Aufwand!
00:47:14: Der Hund hat den Trail geschafft also scheint alles in Ordnung
00:47:17: zu sein.
00:47:18: Doch Leistung allein sagt nichts darüber aus, was sie den Körper gekostet
00:47:23: hat.
00:47:24: Vielleicht sogar im Gegenteil – gerade hoch motivierte Hunde verleiten uns dazu ihre Belastung zu unterschätzen!
00:47:32: Sie arbeiten weiter auch wenn ihnen warm
00:47:35: ist,
00:47:36: auch wenn sie müde
00:47:37: sind
00:47:38: und ihr Körper längst stärker belastet ist als wir erkennen.
00:47:43: nicht weil sie ihre Situation falsch
00:47:45: einschätzen
00:47:46: sondern weil Zusammenarbeit für Hunde einen enorm hohen Stellenwert
00:47:50: besitzt.
00:47:52: Deshalb dürfen wir zwei Fragen niemals miteinander verwechseln
00:47:56: –
00:47:57: will der Hund das und kann sein Körper das dauerhaft
00:48:02: leisten?
00:48:03: Das ist nicht dasselbe, Motivation ist keine Gesundheitsuntersuchung und sie ist auch kein physiologischer Belastungstest.
00:48:12: doch es gibt noch einen zweiten
00:48:13: Denkfehler
00:48:15: Einen, den die Wissenschaft sogar mit einem Namen
00:48:18: beschreibt.
00:48:19: Den Survival-Ship Bayers.
00:48:22: Den überlebenden
00:48:23: Fehler.
00:48:25: Die Idee ist
00:48:26: einfach!
00:48:27: Wir sehen die erfolgreichen Beispiele.
00:48:29: Die
00:48:29: anderen sehen
00:48:30: wir nicht.
00:48:32: Wir hören von dem Mops der erfolgreich trailt.
00:48:35: Von der französischen Bulldogge, die sportlich aktiv ist.
00:48:38: Von dem Hund, der scheinbar alles kann.
00:48:41: Wir hör'n aber deutlich seltener von den Hunden die gesundheitliche Probleme
00:48:46: entwickelt haben,
00:48:48: von denen die früh aus dem
00:48:49: Training
00:48:50: genommen
00:48:50: wurden
00:48:51: oder von denen, die nie dieselbe Leistungsfähigkeit erreicht
00:48:55: haben.
00:48:56: Dadurch entsteht ein verzerrtes Bild
00:48:58: –
00:48:59: vielleicht kennt ihr den berühmten Vergleich aus dem Zweiten Weltkrieg?
00:49:03: Ingenieure untersuchten damals die Einschusslöcher an den Flugzeugen, die von ihren Einsätzen zurückkehrten.
00:49:11: Zunächst wollten sie genau diese Bereiche verstärken.
00:49:14: Bis jemand erkannte, die entscheidenden Treffer fehlten – denn Flugzeuge, die dort getroffen worden waren, kamen gar nicht mehr zurück!
00:49:25: Genau das ist der überlebenden
00:49:27: Fehler.
00:49:28: Wir betrachten nur die Fälle, die sichtbar sind und vergessen die, die fehlen.
00:49:34: Übertragen auf unsere Diskussion bedeutet dass ein leistungsfähiger Mops beweist NICHT
00:49:41: dass Brachysiphalie unproblematisch ist.
00:49:44: Er beweist lediglich, dass dieser Hund
00:49:48: außergewöhnlich
00:49:49: leistungsfähig.
00:50:12: Einzelfall verändert die Anatomie.
00:50:16: Ein enger Atemweg bleibt ein enger Atenweg, ein verkürzter Schädel bleibt ein verkurzer Schädl und kleinere physiologische Reserven bleiben kleinere
00:50:29: Reserfen.
00:50:31: Vielleicht sollten wir deshalb aufhören zu fragen kann dieser Hund das?
00:50:36: Und stattdessen häufiger Fragen unter welchen Voraussetzungen schafft
00:50:41: er das?
00:50:42: wie viel kostet ihn diese Leistung.
00:50:46: Und welche Verantwortung habe ich als Mensch?
00:50:50: Denn genau dort verändert sich die Diskussion – sie handelt nicht mehr von beeindruckenden Leistungen, sondern von Tierschutz!
00:50:59: Nicht jeder Hund der etwas kann sollte alles müssen.
00:51:03: Nicht jede Erfolgsgeschichte beweist Gesundheit und nicht jede Ausnahme widerlegt die Grenzen der Biologie.
00:51:12: Anatomie interessiert sich nicht für Ausnahmen.
00:51:17: Anatomie gilt für
00:51:19: jeden Hund.
00:51:33: Bis jetzt haben wir über Anatomie gesprochen, über Atmung, über Geruch, über Wärme, über Studien und über Motivation.
00:51:42: Jetzt kommen wir zu der eigentlichen
00:51:45: Frage.
00:51:46: Nicht kann ein brachizefaler Hund trellen sondern sollte er unter diesen Bedingungen
00:51:52: arbeiten.
00:51:53: Denn genau hier beginnt Tierschutz und genau hier wird die Diskussion
00:51:59: unbequem.
00:52:00: Nicht weil sich die Anatomie verändert, sondern weil es plötzlich nicht mehr um den Hund geht
00:52:05: –
00:52:06: sondern
00:52:07: um uns!
00:52:09: Um unsere Entscheidungen, unsere Verantwortung und unseren Ehrgeiz.
00:52:14: über Anatomie zu sprechen ist
00:52:16: einfach.
00:52:16: Anatomie
00:52:17: bewertet
00:52:18: niemanden.
00:52:19: Verantwortung dagegen fühlt sich persönlich
00:52:22: an
00:52:23: Denn sobald wir akzeptieren, dass manche Hunde geringere physiologische Reserven besitzen, müssen wir auch akzeptiert, das wir damit anders umgehen
00:52:33: müssen.
00:52:34: Und genau das fällt manchmal schwer – vor allem dann wenn wir stolz auf die Leistungen unseres Hundes
00:52:41: sind
00:52:42: oder wenn wir beweisen möchten, dass er genauso viel leisten kann wie andere!
00:52:47: Doch Tierschutz bedeutet nicht nur Leid zu verhindern.
00:52:51: Tierschutz bedeutet vor allem Belastung früh zu erkennen, nicht erst dann wenn ein Hund zusammenbricht.
00:52:59: Viele Menschen sagen der Hund zeigt schon
00:53:02: wenn es ihm zu viel wird.
00:53:03: das klingt vernünftig ist aber oft ein gefährlicher
00:53:07: Irrtum
00:53:08: denn Hunde sind keine guten Selbstschützer.
00:53:12: sie berechnen keine Risiken.
00:53:13: Sie überlegen nicht ob ihre Körpertemperatur gerade kritisch wird.
00:53:17: Sie entscheiden nicht, ob sie heute besser eine Pause einlegen
00:53:21: sollten.
00:53:22: Sie arbeiten!
00:53:23: Sie möchten
00:53:23: gefallen.
00:53:25: Sie möchten gemeinsam mit uns erfolgreich
00:53:27: sein
00:53:29: und genau deshalb dürfen wir Motivation niemals mit Belastbarkeit verwechseln.
00:53:35: Der Hund weiß wie er sich fühlt.
00:53:37: Wir wissen welche Risiken
00:53:40: bestehen.
00:53:41: Erst beides zusammen ergibt verantwortungsvolles Handeln.
00:53:45: Deshalb beginnt Tierschutz lange vor dem Notfall.
00:53:49: Er beginnt bei der Planung, bei der Frage, welche Anforderungen stelle ich an genau diesen Hund?
00:53:55: Nicht an die Rasse
00:53:56: –
00:53:57: nicht an andere Hunde sondern an dieses Individuum!
00:54:02: Denn jeder Hund bringt andere Voraussetzungen
00:54:05: mit.
00:54:06: Ein alter Hund unterscheidet sich von einem Jungen ein Hund mit der Trose von einem Gesunden und einen Hund mit eingeschränkten
00:54:15: Artenwegen von
00:54:16: einem Hund mit freien
00:54:18: Artenwegen.
00:54:19: Das ist keine Ungleichbehandlung, das ist Individualisierung.
00:54:24: Vielleicht machen wir Menschen genau hier häufig einen Fehler?
00:54:28: Wir vergleichen Hunde miteinander!
00:54:31: Der Schäferhund schafft einen langen Trail – also soll es der Mops
00:54:35: ebenfalls schaffen.
00:54:36: Die Malinoir-Hündin arbeitet bei achtundzwanzig Grad, also soll die französische Bulldogge das ebenfalls
00:54:43: können.".
00:54:45: Doch genau daraus entsteht ein Wettbewerb, den der Hund niemals begonnen
00:54:49: hat.
00:54:50: Vielleicht sollten wir stattdessen eine andere
00:54:52: Frage stellen –
00:54:54: für wen
00:54:55: machen wir das eigentlich?
00:54:58: Für den Hund oder für uns?
00:55:01: Manchmal möchten wir beweisen, dass unsere Hunde mithalten
00:55:04: können!
00:55:05: Dass Vorurteile falsch sind und auch diese Rasse leistungsfähig
00:55:09: ist.
00:55:10: Das ist menschlich… Aber keines dieser Ziele verändert die Anatomie.
00:55:16: Und genau deshalb kann Ehrgeiz gefährlich
00:55:19: werden,
00:55:20: nicht weil EhrGeiz grundsätzlich etwas Schlechtes wäre sondern weil er uns manchmal blind macht.
00:55:27: Blind für Belastung, blind für Warnsignale und blind für den Preis einer Leistung.
00:55:34: vielleicht hilft deshalb eine einzige Frage Wenn dieser Hund meine Erwartungen nicht erfüllen müsste Würde ich dieselben Entscheidungen trotzdem treffen?
00:55:46: Diese Frage ist
00:55:47: unbequem,
00:55:48: aber sie stellt den Hund wieder dorthin, wo er hingehört.
00:55:52: In dem Mittelpunkt bedeutet das nun dass brachizefale Hunde keine Nasenarbeit machen dürfen?
00:55:59: Nein ganz ausdrücklich nicht!
00:56:02: Die Botschaft lautet Nicht.
00:56:04: diese Hunde dürfen
00:56:05: nicht arbeiten.
00:56:06: die Botschaft lautet Diese Hunde brauchen eine ehrliche Einschätzung ihrer individuellen Belastbarkeit.
00:56:14: Vielleicht kürzere Einheiten, mehr Pausen, kühlere Temperaturen, mehr Aufmerksamkeit und manchmal auch den Mut ein Training früher zu beenden.
00:56:26: nicht weil der Hund weniger wert
00:56:28: wäre
00:56:29: sondern weil seine Physiologie andere Voraussetzungen
00:56:33: mitbringt.
00:56:35: vielleicht ist genau das die Essenz von
00:56:37: Tierschutz
00:56:38: Nicht Verbote, nicht Ideologien sondern
00:56:42: Verantwortung.
00:56:44: Denn viele Hunde würden weitermachen.
00:56:46: sie würden weiter laufen, weiter suchen, weiter kämpfen
00:56:50: –
00:56:51: nicht weil ihr Körper das problemlos kann, sondern weil Sie mit uns arbeiten
00:56:55: möchten.
00:56:57: und genau deshalb dürfen wir Ihre Motivation niemals
00:57:01: gegen Sie verwenden!
00:57:03: Vielleicht bleibt aus dieser gesamten Folge nur ein einziger Gedanke
00:57:07: hängen
00:57:08: Nicht was kann dieser Hund leisten, sondern was dürfen wir von ihm verlangen?
00:57:16: Das ist ein gewaltiger Unterschied.
00:57:19: Denn Tierschutz beginnt nicht dort wo ein Hund zusammenbricht – er beginnt dort wo wir erkennen das Vertrauen
00:57:26: auch Verantwortung bedeutet.
00:57:28: Der Hund vertraut darauf dass wir Entscheidungen treffen die ihn
00:57:32: schützen
00:57:34: Auch dann wenn er selbst bereit wäre weiter
00:57:37: zu machen.
00:57:38: Gerade dann zeigt sich, wie verantwortungsvoll wir wirklich
00:57:43: mit ihm umgehen.
00:57:56: Am Anfang dieser Folge stand ein Mythos.
00:57:59: Kurznasige Hunde haben keine Einschränkungen.
00:58:04: Nach allem worüber wir jetzt gesprochen haben wissen wir – darum ging es nie!
00:58:09: Die Frage war NIE ob ein Mops riechen
00:58:11: kann?
00:58:12: Natürlich
00:58:13: kann er das!
00:58:19: Natürlich
00:58:20: kann sie das!
00:58:21: Die eigentliche Frage lauterte immer, welchen Preis zahlt der Hund
00:58:26: dafür?
00:58:28: Denn genau das entscheidet darüber wie verantwortungsvoll wir mit ihm umgehen.
00:58:33: Wir haben gesehen dass Riechen ohne Luft nicht funktioniert, dass Atmung und Geruch untrembar miteinander verbunden
00:58:42: sind –
00:58:43: dass Wärme vorhandene Einschränkungen sichtbar
00:58:46: macht
00:58:47: Das Motivation Anatomie nicht verändert und, dass eine einzelne Studie oder ein außergewöhnlicher Hund niemals biologische Zusammenhänge außer Kraft
00:58:59: setzen.
00:59:01: Vielleicht bleibt deshalb nur eine einzige Botschaft.
00:59:05: Anatomie ist
00:59:06: keine Meinung
00:59:07: – sie ist Realität!
00:59:09: Man kann sie ignorieren, man kann sie schön reden, man can hoffen das sie keine Rolle
00:59:15: spielt
00:59:16: Aber sie bleibt
00:59:17: bestehen.
00:59:19: Und genau deshalb richtet sich diese Folge nicht gegen brachizifale
00:59:23: Hunde,
00:59:24: sondern
00:59:25: für Sie!
00:59:26: Denn Tierschutz bedeutet Nicht Probleme zu verschweigen.
00:59:30: Tierschutz bedeutet sie zu erkennen
00:59:33: –
00:59:33: nicht erst dann wenn ein Hund zusammenbricht, sondern lange vorher.
00:59:39: Vielleicht sollten wir deshalb künftig aufhören zu fragen Kann dieser Hund das?
00:59:45: Denn häufig lautet die Antwort ja.
00:59:49: Die wichtigere Frage lautet, ist es fair das von ihm zu verlangen?
00:59:55: Das ist die Frage, die wir beantworten
00:59:57: müssen –
00:59:58: nicht der Hund!
00:59:59: Wir!
01:00:00: Denn unsere Hunde vertrauen uns, sie arbeiten mit uns und gehen für uns an ihre Grenzen manche sogar darüber hinaus Und genau deshalb tragen wir die Verantwortung ihre Grenze früher zu erkennen als sie selbst es
01:00:15: tun.
01:00:17: Vielleicht ist das der eigentliche Mythos dieser Folge?
01:00:21: Nicht, dass kurznasige Hunde nicht riechen
01:00:23: können,
01:00:24: sondern, dass ihre Anatomie keine Rolle
01:00:27: spielt!
01:00:29: Denn Luft is die Grundlage jeder Nasenarbeit.
01:00:32: Luft i s di Grundlage jeder Kühlung.
01:00:36: Luft e s di grundlage des Lebens und Anatomie entscheidet darüber wie leicht oder wie schwer ein Hund an diese Luft gelangt.
01:00:47: Das lässt sich nicht wegdiskutieren und genau deshalb schulden wir diesen Hunden drei
01:00:53: Dinge –
01:00:54: Wissen,
01:00:56: Ehrlichkeit, Verantwortung.
01:01:00: Denn wahre Wertschätzung zeigt sich nicht darin was wir von einem Hund verlangen sondern darin wie gut wir ihn schützen gerade dann wenn er bereit wäre mehr zu geben als sein Körper eigentlich
01:01:13: hergibt.
01:01:16: Vielen Dank fürs Zuhören!
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